Veranstaltungen Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt: Kunst und Bücher

Am 14. Mai 1997 wurde der Neubau der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main (dnb) an der Adickesallee feierlich eröffnet. Ihr Vorgänger, die 1946 gegründete Deutsche Bibliothek, war zunächst im Rothschildpalais und im Nachbargebäude, dem Manskopfschen Haus, untergebracht, zog 1959 in die Zeppelinallee und schließlich 1997 an ihren heutigen Standort. Die Medienbestände haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Stephan Jockel und Ruth Langen-Wettengl vor der Installation „Flügel“ mit Vitrinen von Ilya Kabakov

 

„Das Jubiläum war der Anlass für Zugabe. Kunst in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main“, erklärte Stephan Jockel, Pressesprecher der dnb. Von ihm stammen die zahlreichen Fotos in der Broschüre, den Text lieferte die Kunsthistorikerin Ruth Langen-Wettengl. „Damit geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, seit 15 Jahren suchten wir nach Möglichkeiten, die in der Öffentlichkeit wenig bekannten Kunstwerke in der Bibliothek einem breiten Publikum vorzustellen“, ergänzte Jockel.

Kunst am Bau ist das Thema, eine Regelung, die in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 wurzelt, 1928 zu einem entsprechenden Erlass führte und beibehalten wurde: Ein bis zwei Prozent der Planbaukosten sollten in Form von Aufträgen an bildende und angewandte Künstler gehen. „Das neue Gebäude kostete rund 250 Millionen D-Mark und war damit billiger als geplant“, weiß Jockel. Bei heutigen Bauten fast undenkbar.

Das vom Stuttgarter Architekturbüro Arat-Kaiser-Kaiser geplante Gebäude sollte von Anbeginn auch Kunstwerke aufnehmen. „Eine Kunstjury lud ausgewählte Künstler zu einem Wettbewerb ein. So wurden 1994 Per Kirkeby für den Außenbereich, Georg Baselitz für die Rotunde und weitere Künstler für den Garten und Plätze im Gebäude um Entwürfe gebeten“, sagte Langen-Wettengl. Sechs Kunstwerke und drei weitere Arbeiten werden im vorliegenden Buch beschrieben.

Per Kirkebys auffallende rote Backsteinskulptur grenzt das Gebäude von der verkehrsreichen Kreuzung ab und ist zugleich mit seinen vielen nach oben nicht vermauerten Toren offen und einladend. „Morgens auf die rot strahlende Skulptur Kirkebys zuzulaufen ist besonders schön“, bemerkte Jockel.

Kommt man vom Parkhaus in die Bibliothek, begegnet man der dreiteiligen Installation Flügel von Ilya Kabakov, die sich über drei Etagen ausdehnt.  „Man kann einen Lichtzuwachs von unten nach oben feststellen“, bemerkte Jockel. Zum Kunstwerk gehören bogenförmige Vitrinen mit 27 fiktiven Kommentaren zu den Bildern. Den winzigen blauen Flügel im Zentrum des unteren Bildes gilt es zu entdecken – gar nicht so einfach auf den ersten Blick. Textstellen an den äußeren Rändern des unteren Bildes verweisen jedoch auf diese Flügel.

Die Skulptur Armalamor von Georg Baselitz in der Foyer-Rotunde ist kaum zu übersehen. Der Name, so erklärte Baselitz in einem Interview, sei eine Reverenz: Ar-ma-la-mor – Hans Arp, Henri Matisse, Henri Laurens und Henry Moor. Eine klassische Pose, eine Frau hebt ihren Arm über den Hinterkopf, setzt Baselitz zeitgemäß um: Die grobe, kantige Holzskulptur ist mit einfachem, rot-blauem Karostoff überzogen.

18 Skulpturen von Tobias Rehberger unter dem Titel Short Time, Short Work 1966-1991 im ersten Obergeschoss geben ebenfalls zunächst Rätsel auf. Was haben realistisch nachgebildete menschliche Körper mit abstrakten Figuren zu tun? Eine Signatur verweist auf ein Buch über das Leben und Werk von Tobias Rehberger und führt schließlich zum Roman Roderick Hudson von Henry James.

Heimkehr der Erinnerung. Fragen für Walter Benjamin heißt das Kunstwerk von Jochen Gerz auf der schönen Dachterrasse der Bibliothek mit Blick weit über Frankfurt. Ein umgestürztes, leeres, aus den Schienen geworfenes grünes Regal aus Fiberglas mahnt an die Zerstörung von Bibliotheken. In einem Lesepult sind vier Fragen an Walter Benjamin eingraviert, die sich mit Erinnerung, Schrift, Büchern und Kultur beschäftigen.

Im Tagungsraum der Bibliothek hängt Helmut Newtons Fotografie von Klaus-Dieter Lehmann, der von 1988 bis 1998 erster Generaldirektor der Deutschen Bibliothek Frankfurt und später der vereinigten Deutschen Nationalbibliothek war. Eine Besonderheit in der Reihe der in Öl gemalten Direktoren-Porträts.

Im Lesesaal in einem extra stillen Bereich hängt Klaus Schneiders vierteiliges azurblaues Gemälde Ein Würfelwurf, das sich auf Stéphane Mallarmés Gedicht Ein Würfelwurf bringt nie zufall den Zufall bezieht. Schneider überträgt Gedichtzeilen in Brailleschrift, löst diese Punkte-Anordnung jedoch auf seine Weise auf.

Ein weiterer in der Bibliothek vertretener Künstler ist Wolfgang Nieblich mit der Serie Bilder einer Erzählung. Es geht um das Buch als Objekt, seine Herstellung und Funktion, seine Inhalte und Kontexte.

Während die Arbeiten von Helmut Newton, Klaus Schneider und Wolfgang Nieblich später erworben wurden, gehören die zum Teil großformatigen Fotografien aus Bibliotheken von Candida Höfer noch zur Kunst am Bau. „Allerdings sind einige gerade nicht hier, sondern in einer Ausstellung des Städel Museums zu sehen“, kommentierte Stephan Jockel.

In den letzten zehn Jahren seien keine Kunstwerke mehr hinzugekommen, weiß Jockel. Ihm geht es darum, darauf aufmerksam zu machen, dass es in der dnb mehr als nur Medien gibt. Das Buch Zugabe. Kunst in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main ist über die dnb bestellbar.

Zum Tag der offenen Tür am Sonntag, 7. Mai, der gleichzeitig in Hessen Tag für die Literatur ist und alle zwei Jahre gefeiert wird, führt Autorin Ruth Langen-Wettengl zu den Kunstwerken, weitere Sonderführungen gibt es am 8. und 22. Juni.

JF

Kommentare (2)
  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    darf ich Sie erneut darauf hinweisen, dass die Installation „Flügel“ keineswegs Ilya Kabakovs „Magister-Arbeit“ ist.
    Bitte entfernen sie diesen peinlichen, lächerlichen Fehler.

    Mit freundlichem Gruß
    Ruth Langen-Wettengl

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