Mit einem Ausblick auf die Herbstprogramme der deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchverlage und vielen Fotos Der Bericht aus Bologna: Die Branche bleibt bunt

Großes Interesse im Bookshop der Buchmesse

Gestern ist die 56. Internationale Kinderbuchmesse in Bologna zu Ende gegangen. Die Stadt begrüßte ihre Besucher mit strahlendem Frühlingswetter – zumindest am ersten Messetag – sowie durchgehend angenehmen Temperaturen. Das beflügelte die Laune, auch wenn bei den Verlagskollegen aus den deutschsprachigen Ländern die Grundstimmung seit Bekanntwerden der KNV-Insolvenz weitläufig gedämpft ist.

Die Messe hatte die Halle 30, in der die deutschsprachigen Aussteller traditionell beheimatet sind, tatsächlich innerhalb eines Jahres nach dem Abriss neu aufgebaut. Rechteckig, praktisch, aber leider nicht optimal. Denn auch wenn sie nun größer, höher und lichtdurchfluteter ist – ein paar mehr Toiletten hätten doch auch noch reingepasst. Die ein oder andere zusätzliche Café-Bar hätte hungrige Kundinnen ebenso erfreut. So musste man entweder Proviant zur Messe mitnehmen oder die langen Schlangen aushalten. Wenn sie kürzer wurden, dann nur, weil gegen Mittag das vegetarische Angebot an Paninos bereits ausverkauft war. Mit solch einer Nachfrage konnte auf einer Buchmesse wohl niemand rechnen.

Aber genug gejammert. Der deutsche Gemeinschaftsstand hatte eine schöne Lage am Hallenanfang, Bärbel Becker und Imke Buhre von der Frankfurter Buchmesse sowie avj-Geschäftsführerin Margit Müller freuten sich mit ihren Kolleginnen über die gute Besucher-Frequenz. Von Herzen jubeln konnten die Kollegen vom nicht weit entfernten Stand des niederländischen Querido Verlags, der die Bücher des diesjährigen Astrid Lindgren Memorial Award-Preisträgers Bart Moeyaert im Programm hat. Verlegerin Wendy Wilbers und Lektor Dik Zweekhorst eilten ins Illustratorencafé, wo Zuschauer die Bekanntgabe in Schweden live verfolgen konnten. Das Schönste: Der belgische Autor war anwesend, kam auf die Bühne und konnte sich über große Empathie aus dem Publikum freuen (hier kann man sich das anschauen). Bart Moeyaert war in diesem Jahr ganz sicher der meist umarmte Mann der Messe.

Bart Moeyaert im Interview, kurz nach der Verkündung des ALMA

Gastland Schweiz

Gastland war diesmal die Schweiz, und die Kollegen (stellvertretend seien Myriam Lang und Dani Landolf vom SBVV sowie Lektor und Kritiker Hans ten Doornkaat erwähnt) haben einen schönen Messeauftritt hingelegt. In der Illustratoren-Ausstellung mochte zwar manch Betrachter Originale vermissen – die Bilder der 26 ausgewählten Künstler waren als Reproduktionen auf Stellwände aufgezogen, die jeweils einem Buchstaben des Alphabets zugeordnet wurden. Dafür fand viel in der Stadt statt, und vor allem für den Illustratoren-Nachwuchs hatte man sich einiges einfallen lassen. In der Scuderia an der Piazza Giuseppe Verdi konnten junge Illustratoren arbeiten und sich austauschen, wenn sie nicht gerade die Messe erkundeten. In der Scuderia fand am Dienstag Abend auch die Pop-up-Party der Schweizer statt, bei der viele Gäste die laue Frühlingsnacht genossen und sich auf der Piazza unterhielten. Spät am Abend wurde dort auch noch Bart Moeyaert gesichtet.

NordSüd-Verleger Herwig Bitsche freut sich, dass man über eine Marketing-Maßnahme wie die Bolo-Box  (eine Bücherkiste mit Schweizer Bilderbüchern, die Schweizer Buchhandlungen bestellen können) auch innerhalb der eigenen Grenzen das Bewusstsein für die heimischen Bilder- und Kinderbuchschätze wieder stärken konnte. Eine besonders sympathische Idee der Schweizer in Bologna war das „Flying Buffet“ am Ende des ersten Messe-Tages: Hatte man die Hallen verlassen, um sich wie stets leicht gruselnd zu fragen, wie man angesichts der langen Schlangen an Bussen und Taxis nun eigentlich in die Stadt kommen sollte, standen dort gut gelaunte Azubis und Studenten mit roten Käppis und boten Käsehäppchen und Getränke an.

Danke, liebe Schweiz. Solch ein Lächeln heilt platt gelaufene Füße und ist die perfekte Impfung gegen Platzangst in vollgestopften Bussen

Wie immer haben wir die Messetage auch dazu genutzt, um einen ersten Ausblick auf die Herbstprogramme der deutschsprachigen Verlage zu werfen. Erneut muss er unvollständig bleiben, und wir bitten an dieser Stelle bereits um Entschuldigung für alles, was wir in der kurzen Zeit leider verpasst haben. Wir reichen es spätestens im kommenden Special Junge Zielgruppe im September-BuchMarkt nach, so gut es geht, und anderes werden wir dort vertiefen.

Bilderbuch: Neue Techniken, Persönliches und eine besondere Reise durch Deutschland

Am Stand von arsEdition treffen wir Verena Körting, die in Kürze die letzten Illustrationen für ihr großformatiges Bilderbuch Das ist Deutschland. Eine Reise in Bildern abgeben wird. Lektorin Viktoria Lach freut sich über die gute Zusammenarbeit: 21 Bilder aus allen Bundesländern werden es insgesamt, die zeigen sollen, wie man sich an einem Ort fühlt und die teilweise auch Wimmelbuch-Charakter haben. Viele Orte hat die Illustratorin dafür extra bereist.

Ein Bilderbuch-Highlight bei Ravensburger: Mit dem Ballon in die Freiheit erzählt zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls von der Flucht der Familie Wetzel. Der Text ist von der US-Amerikanerin Kristen Fulton, übersetzt hat Jakob Hein, und illustriert hat das 56 Seiten starke Werk ab sechs Jahren: Torben Kuhlmann.

Markus Lefrançois, Joëlle Tourlonias, Alexandra Helm, Judith Allert und Robert Scheffner sind das Familienzimmer

Joëlle Tourlonias teilt sich in Bologna erneut die Unterkunft – das „Familienzimmer“ – mit Alexandra Helm, Judith Allert, Markus Lefrançois und Robert Scheffner. Wie immer feiern sie Bologna, verbreiten gute Laune und haben tolle Projekte in ihren Taschen. In einem davon kann man sogar das Familienzimmer wiederentdeckten – als Erinnerungsbild, das im Hintergrund hängt: Mit Ben liebt Bär und Bär liebt Ben (arsEdition) hat Joëlle Tourlonias nach dem Text von Michael Engler eine sehr persönliche Pappe geschaffen, in der einige weitere Details aus ihrem Leben versteckt sind. Einen zweiten Band mit denselben Charakteren wird es im Herbst zeitgleich geben: Ohne Bär schläft Ben nicht ein. Vom selben Duo kommt bei Baumhaus das Bilderbuch Wir zwei im Winter, und beim 360 Grad Verlag wird es ein Wendebuch geben, bei dem zusätzlich der Illustrator Jan Birck ins Spiel kommt: das 48 Seiten starke Regenland Trockenland.

Eine neue Technik hat Julie Völk für ihre Bilder in Das Dunkle und das Helle (NordSüd) verwendet: Die Hintergründe sind mit Cyanotypie, also Blaudruck erstellt. Eine autobiographische Erfahrung von Christine Nöstlinger bebildert Sophie Schmid in Der Überzählige (Nilpferd) – der Text war bislang nur in einer Anthologie erschienen und erzählt von einer Kinderlandverschickung in Österreich während des Zweiten Weltkriegs.

Till Penzek und Julia Neuhaus erzählen im Nilpferd Verlag davon, wie es war, Als deine Eltern klein waren – ein Sachbilderbuch, das erwachsene Vorleser sicher zum Schmunzeln bringen wird, wenn sie sich an Dinge erinnern, die im Alltag ihrer Kinder keine Rolle mehr spielen. Einen Kinder-Alltag wiederum zeigt Antje Damm in Jeder Tag ist Ida-Tag (Moritz), es wird ein Buch im Zweifarbendruck.

Lorenz Pauli hat mit Kathrin Schärer eine Fortsetzung der Pippilothek geschaffen: Ein Passwort für die Pippilothek (Atlantis). Eine Neuauflage aus aktuellem traurigem Anlass plant CoppenrathKarl Lagerfelds Interpretation von Des Kaisers neue Kleider (erstmals 1992 erschienen) soll es wieder in besonderer Ausstattung geben, u.a. mit Lesebändchen mit kleiner goldfarbener Schere.

Im Peter Hammer Verlag erscheint nach längerer Zeit wieder ein Bilderbuch von Jens Thiele: Konrads Traum. Gespannt sind wir auf auch auf das neue Buch von Shaun Tan bei Aladin: Die Zikade. Ein besonders Bilderbuch über die Mondlandung erscheint bei Moritz: Über John Hares Ausflug zum Mond schwärmen bereits einige Buchhändler, die bei einer Rabatz im Kinderzimmer-Veranstaltung eine Preview erhalten hatten.

Stella Dreis ist nach Bologna gereist und arbeitet an der Fertigstellung der Bilder für den Text Menschenscheuche (Kunstanstifter) von Michael Stavarič, im selben Verlag wird es ein neues Werk von Linda Wolfsgruber geben: In Der Garten der Formen nach einem Text von Jorge Lujan können wir erneut eine neue Facette ihrer Illustrationskunst entdecken. Tulipan-Verlagsleiterin Anette Beckmann freut sich u.a. auf Der Wolf im Schafspelz mit Bildern von Armei Fiedler nach einem Text von Barbara Rose.

Dass es sich durchaus lohnen kann, nach Bologna zu reisen – abgesehen von dem Erlebnis und der Inspiration –, zeigt die Veröffentlichung von Ada und die Zahlenknack-Maschine. NordSüd-Verleger Herwig Bitsche war auf die Illustrationen der in Innsbruck lebenden Israelin Rachel Katstaller bei einer Mappenschau auf der Buchmesse aufmerksam geworden, im Herbst erscheint ihre Arbeit nach einem Text von Zoë Tucker.

Kinderbuch: Mobbing, herausfordernde Titel und eine Detektivkatze

Snöfrid-Freunde können sich auf einen neuen Character von Andreas H. Schmachtl freuen: Es ist eine Katze! Genauer: eine Detektiv-Katze. Wir freuen uns auf Missi Moppel bei Arena.

Loewe-Progammleiterin Jeannette Hammerschmidt ist begeistert von Vanessa Walders Die Unausstehlichen und ich. Baumhaus macht mit Autorin Anne Scheller einen neuen Laden im Kinderbuch auf: Der Spielzeugladen wird der Titel heißen.

Eine neue Frida Nilsson mit Illustrationen von Torben Kuhlmann wird es bei Gerstenberg geben: Sasja und das Reich jenseits des Meeres. Thienemann-Verlegerin Bärbel Dorweiler freut sich auf die von Sebastian Meschenmoser opulent bebilderte Neuausgabe der Unendlichen Geschichte von Michael Ende. Und Buchhändlerinnen können jetzt schon gespannt sein, in welchen Variationen ihre Kunden den Titel von Arne Rautenbergs Weihnachtsgedichte-Buch bei Peter Hammer aufsagen werden. Korrekt wäre: vier kerzen drei könige zwei augen und ein stern, das kann sich aber kein Schaf merken. Also gut einprägen, denn der von Katrin Stangl illustrierte Titel wird sicher ein erfreulicher fürs Weihnachtsgeschäft.

Orell Füssli bringt ein von Ingo Herzke übersetztes Kinderbuch von Eoin ColferDer Hund, der sein Bellen verlor. Kosmos setzt auf Kepler 62, eine Sci-Fi-Reihe für Leser ab zehn Jahren, in der Timo Parvela und Bjorn Sørtland sich als Autoren abwechseln. Das Buch wurde bereits in 14 Länder verkauft. Jacob & Stuart-Verleger Edmund Jacoby macht uns auf den Stand des schwedischen Verlags Rabén & Sjögren aufmerksam. Ganz groß inszeniert ist dort die Serie Handbuch für Superhelden von Elias und Agnes Vahlund. 350.000 verkaufte Exemplare im kleinen Schweden und das hochaktuelle Thema Mobbing – wir sind gespannt auf die deutsche Ausgabe und die Resonanz.

Carina Mathern mit dem Entwurf der ersten Dragonfly-Vorschau

Kurz vor Leipzig hatte HarperCollins Deutschland etwas mehr über das neue Kinderbuchimprint Dragonfly verraten. In Bologna hatte Programmleiterin Carina Mathern den Entwurf der ersten Vorschau im Gepäck. Darin u.a. angekündigt: Jenny McLachlans Geschichte Arthur und der schreckliche Scheuch, ebenso Charlotte Habersacks Echte Helden. Und bei Tulipan kommt Schlägerherz: Die Geschichte von Jutta Nymphius erzählt von einem Jungen, der sich zur „Strafe“ für sein schlechtes Benehmen um eine neue Mitschülerin mit Down-Syndrom kümmern muss. Was dann einiges zum Guten wendet.

Jugendbuch: Ganz oder gar nicht?

Es wird nach wie vor geklagt übers Jugendbuch, und in den Verlagen lassen sich vor allem zwei Reaktionen darauf erkennen: Die einen fahren ihre Programme zurück, die anderen bleiben dabei, kalkulieren aber mit kleineren Auflagen. Dabei kann sich der Handel im Herbst auf einige Titel freuen, die großes Potential haben.

Antje Barbendererde beschreibt in Schneetänzer (Arena) das große Abenteuer eines Jungen in der Natur Kanadas. Angesichts des Themas hat der Verlag sich entschieden, das Buch in der Westermann-Druckerei in Zwickau drucken zu lassen, die die Anforderungen des Siegels „Der Blaue Engel“ erfüllen kann – sozusagen als Antwort auf die „Fridays for Future“-Demos. Carolin Philipps hat für Amina (Ueberreuter) viel über Bacha Posh recherchiert – das ist die Tradition, nach der Familien in Ländern wie Afghanistan, in denen keine Jungen geboren werden, ein Mädchen wie einen Jungen aufwachsen lassen – mit allen Freiheiten und Verwirrungen.

Kathrin Schrocke legt bei Mixtvision ihren Roman Immer kommt mir das Leben dazwischen vor, bei den Münchnern erscheint außerdem eine neue Sarah Crossan mit dem Titel Wer ist Edward Moon? Von Peer Martin kommt bei Dressler ein neuer Titel ab 16 Jahren: Hope. Und cbj-Programmleiterin Susanne Krebs freut sich besonders auf Val Emmichs Roman-Adaption des Broadway-Musicals Dear Evan Hansen– „für Leser von Tote Mädchen lügen nicht und One of us ist lying.“

Antonia Michaelis legt bei Dragonfly ihre erste Übersetzung vor: Sie hat Laura Woods Himmel aus Gold ins Deutsche übertragen. Und Zoran Drvenkar ist wieder da: Beltz & Gelberg kündigt Licht und Schatten für Leser ab 14 Jahren an. Darin erschafft der Autor ein Russland des 18. Jahrhunderts, das er mit ureigener Mythologie zu einer Welt wilder Natur, bösartiger Kreaturen und inniger Familienliebe erweckt.

Helga Preugschat, Lektorin bei den S. Fischer Verlagen, legt allen Lesern Wie du mich siehst (Fischer Sauerländer) von Tahereh Mafi ans Herz, die Geschichte eines muslimischen Mädchens, das nach den Anschlägen auf das World Trade Center Anfeindungen erleben muss, die es gegen alle zwischenmenschlichen Annäherungen misstrauisch machen. Susanne Stark, Leiterin von dtv junior, hatte in Leipzig den ersten großen Auftritt mit dem neuen Imprint bold für Digital Natives. Die nächsten Titel sind in der Pipeline, darunter Sally Greens Kingdom of Smoke und Artur Dziuks Debüt Das Ting über das Phänomen der Selbstoptimierung.

Besonders gespannt sind wir auf das neue Jugendbuch von Susan Kreller, Elektrische Fische (Carlsen). Und auf das Debüt des österreichischen Drehbuchschreibers Hannes Wirlinger,Vogelschorsch (Jacoby & Stuart). Die Illustratorin Ulrike Möltgen hat es so sehr beeindruckt, dass sie nicht nur das Cover gestaltet hat, sondern auch Innenillustrationen beisteuert.

Sachbuch: Nachhaltigkeit und Opulenz

In Halle 30 entdecken wir an Ständen aus den unterschiedlichsten Ländern Titel zum Thema Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Man darf annehmen, dass sich dieser Trend in den kommenden Saisonen noch verstärken wird. Renate Reichstein, Lizenzchefin der Verlagsgruppe Oetinger, stellt fest, dass er aber vor allem in zentraleuropäischen Ländern aufgegriffen wird, wie die Gespräche über das jüngst erschienene Paulas Reise oder Wie ein Huhn uns zu Klimaschützern machte bestätigten. Dorling Kindersley-Verlegerin Monika Schlitzer kündigt einen Titel zum Thema Plastikvermeidung an, Beltz & Gelberg bringt Wie viel wärmer ist 1°C? Was beim Klimawandel passiert von Kristina Scharmacher-Schreiber und Stephanie Marian. Solche Bücher nehmen nicht nur gesellschaftlich relevante Diskussionen auf, sie beleben auch ein Genre, über das lange geklagt wurde.

Loewe mache derzeit wenige Sachbücher, wolle das Feld aber künftig mehr bespielen, kündigt Programmleiterin Jeannette Hammerschmidt an – denn hier kann man durchaus auch mal hochpreisiger werden. Nach dem Erfolg mit der Lizenz von Ben Brooks (Stories for Boys who dare to be different) möchte man mit dem in Berlin lebenden Autor weitermachen mit ihm gemeinsam eigene Ideen entwickeln.

Eine besondere Geschichte hat der Titel Rot ist doch schön (Bohem) von Lucia Zamolo. Der Ursprung dafür ist ihre Bachelorarbeit im Illustrationsstudiengang in Münster. Dafür hatte sie nach zahlreichen Gesprächen und mit eigener Handschrift das Thema Menstruation für Leserinnen ab zehn Jahren so entspannt dargestellt, dass erste erwachsene Testleserinnen bereits die Rückmeldung gegeben haben: „Solch ein Buch hätte ich früher auch gern gehabt.“ Lucia Zamolo arbeitet seit einer Weile im Bohem-Team, und deshalb hat man sich in Münster entschieden, diesen Titel auch dort zu platzieren. Man erwartet ihn nicht unbedingt in dem auf Bilderbücher spezialisierten Programm, aber er wird hoffentlich nicht übersehen werden.

Vitali Konstantinov, Illustrator

Immer wieder macht das Sachbuch auch mit opulenten Titeln auf sich aufmerksam: Moritz bringt Jan Bajtiks großformatiges Ariadnes Faden, das mit vielen Bildern über Götter und Mythen informiert. Und Vitali Konstantinov hat jahrelang über das Thema Schriften recherchiert. Es steht geschrieben. Von der Keilschrift zum Emoji (Gerstenberg) erklärt Lesern ab zehn Jahren im Graphic Novel-Stil die Entstehung von über 100 Schriften in aller Welt – von den Anfängen bis ins Computerzeitalter. Ein echter Buchhandels-Titel, der auch Erwachsenen offenbart, wie reichhaltig und grundlegend das Zeichensystem von Literatur wie Alltagsinformationen ist.

Und sonst so?

Bereits vor Messe-Beginn waren die Bologna Ragazzi Awards bekannt gegeben worden, auf Deutsch liegen David Hockneys und Martin Gayfords Die Welt der Bilder für Kinder bei Midas sowie Everest von Lisk Feng und Sangma Francis bei NordSüd vor – da hatten die Schweizer die Nase vorn.

Der Gewinner in der Kategorie Fiction, Panáček, pecka, švestka, poleno a fase panáček von Vojtěch Mašek und Chrudoš Valoušek, war im Bookshop auf der Buchmesse am dritten Messetag bereits ausverkauft. Klar, Fachpublikum, Nerds, wen überrascht das?

So zeigt Hermès Buch und Mode

Aber spätestens ein kurzer Spaziergang durch die Einkaufsstraßen von Bologna zeigte, wie angesagt (Kinder)Bücher sind. Hermès hatte sein ganzes Schaufenster der Bologna Children’s Bookfair gewidmet. Ein opulentes Buch als Blickfang, und kleinere, die Krawatten und Seidentücher inszenierten. Alles nur Kulisse? Betrachten wir das Ganze doch optimistischer.

Denn alles in allem bleibt die Kinder- und Jugendbuchbranche inspirierend vielfältig und hat neben Rosa und Hellblau jede Menge weitere Farben zu bieten. Einige davon zeigen wir in unserer Bildergalerie: Danke an alle auf der Messe, die sich kurz Zeit genommen haben, um spontan eine Lieblingsfarbe aus unserem Pastellkreiden-Angebot auszuwählen, sie in einem Skizzenbuch sichtbar zu machen und sich damit ablichten zu lassen. So etwas geht vielleicht nur in Bologna. Oder ist ein solches Experiment auch im Trubel von Frankfurt vorstellbar? Wir wären bereit.

Welche Farbe hätten Sie gewählt?

Ende des Jahres wird eine neue PISA-Studie erwartet, und Verlage wie Buchhandlungen können sich schon mal überlegen, wie sie auf eventuelle Ergebnisse reagieren könnten. Wir brauchen Ideen, um Rückschläge der vergangenen Monate und Jahre wieder aufzuholen. Schaut man sich die reiche Backlist, spannende Novitäten sowie das kreative Potential an, das längst noch nicht ausgeschöpft ist, stimmt das hoffnungsvoll.

Danke für alle Bologna-Begegnungen in diesem Jahr. Auf ein Wiedersehen, spätestens im kommenden: 30. März bis 2. April 2020 ist der Termin.

Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen allen

Susanna Wengeler

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.