„Ein neues Blau“ über ein Frauenschicksal im 20. Jahrhundert und die Kunst der Porzellanfertigung Buchpremiere mit Tom Saller in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin

Gestern Abend stellte Tom Saller in den Räumlichkeiten der KPM in Berlin-Tiergarten seinen Roman Ein neues Blau vor, der heute im List Verlag erscheint. Bereits am Mittag öffnete die KPM ihre Türen für Pressevertreter, die gemeinsam mit dem Autor und der Archivarin der KPM Claudia Tetzlaff einen Blick hinter die Kulissen der Manufaktur werfen konnten.

Claudia Tetzlaff und Tom Saller

Der Grund ist schnell erklärt: In Ein neues Blau – nach Wenn Martha tanzt über die Bauhaus-Zeit Tom Sallers zweitem Roman – spielt die Kunst der Porzellanherstellung eine große Rolle. Im Mittelpunkt steht die junge Jüdin Lili, die in den 1920er Jahren als Kindermädchen bei Günther von Pechmann, dem damaligen Direktor der KPM arbeitet und Porzellanmalerin werden will. Doch mit der Begründung „Wir bilden nur Männer aus“ wird ihre Bewerbung abgelehnt. Über eine Ausbildung an der Burg Giebichenstein in Halle erreicht sie dennoch ihr Ziel, doch dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht und Lili muss aus Berlin fliehen. Fünfzig Jahre später lebt sie wieder in Charlottenburg und blickt auf ihr bewegtes Leben zurück.

Tom Saller hat für seinen Roman gründlich recherchiert und von der Geschichte der KPM ist viel in die Handlung eingeflossen. Die Besucher durften gestern auch einen Blick in die Malereiwerkstatt werfen, wo sie viel über das neue Blau erfuhren, die Farbe bleu mourant, die eigens für Friedrich II entworfen wurde und deren Zusammensetzung bis heute als Geheimnis gehütet wird.

Archivarin Claudia Tetzlaff, die Tom Saller bei seinen Recherchen unterstützte, hat das Buch bereits gelesen. „Ich war begeistert“, sagte sie. Er sehe in der aufwändigen Porzellanfertigung eine Analogie zur Persönlichkeitsformung des Menschen, so Tom Saller. Seinem Roman hat er ein Zitat von Edmund de Waal vorangestellt: „Porzellan herzustellen ist ein Art, neu zu beginnen, seinen Weg zu suchen, eine Route und einen Umweg zu sich selbst.“

ml

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