Independents Buchpremiere mit Susan Hawthorne: Manifest für unabhängiges Publizieren

Auf der Leipziger Buchmesse sorgte das Buch schon für Gesprächsstoff, am Dienstag ist Bibliodiversität. Manifest für unabhängiges Publizieren von Susan Hawthorne im Berliner Verbrecher Verlag erschienen. Gestern Abend stellte die australische Autorin und Verlegerin ihr Buch im Literarischen Colloquium Berlin vor.

Susan Hawthorne, Doris Akrap, Klaus Lederer, Jonathan Landgrebe (v.l.)

Moderiert von taz-Redakteurin Doris Akrap, diskutierte Susan Hawthorne mit Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe und Berlins Kultursenator Klaus Lederer über Bibliodiversität. Der Begriff bezeichne die kulturelle Vielfalt im globalisierten Verlagswesen, so Susan Hawthorne. Ähnlich wie die Biodiversität unverzichtbar für die Gesundheit eines Ökosystem sei, sei die Bibliodiversität ein Indikator für einen funktionierenden Literaturbetrieb.

Bibliodiversität wolle verhindern, dass Großverlage und Großbuchhandlungen alles aussortieren, was ihnen als „anders“ erscheint. „Wir brauchen ein ausgeglichenes System, das nicht von einigen wenigen großen Stimmen dominiert wird“, betonte die Autorin. Unabhängige und kleine Verlage sind für sie „wie seltene Pflanzen, die zwischen den größeren auftauchen und etwas anderes hinzutun: Sie nähren den Boden und bringen Farbe oder Gerüche in die Welt.“

Susan Hawthorne und Doris Hermanns, die das Buch übersetzt und mit einem Nachwort versehen hat

Wenn es um Vielfalt und Qualität der Buchlandschaft gehe, sei Deutschland in einer großartigen Situation, so Landgrebe. Es komme aber darauf an, genügend Aufmerksamkeit für bestimmte Titel zu finden und so einer Vereinheitlichung vorzubeugen. Dabei sehe er den unabhängigen Buchhandel auf einem guten Weg. Susan Hawthorne rät Buchhandlungen, Bücher aus unabhängigen Verlagen am Eingang prominent zu platzieren: „Bestsellerstapel finden die Kunden von alleine.“

Lederer betonte, dass Verlage ökonomische Akteure seien und daher nach europäischem Wettbewerbsrecht nicht von der Politik gefördert werden könnten, wohl aber die Autoren. „Verlage erbringen auch eine kulturelle Leistung“, betonte Landgrebe. Und auch die Buchhandlungen bedienten nicht nur Marktmechanismen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bereiteten ihm jedoch Sorgen. Dennoch: „In der Geschichte ist es Verlagen auch in widrigen Situationen immer gelungen, einen Weg zu finden“.

Auch Susan Hawthorne, die seit 1991 zusammen mit Renate Klein den feministischen Verlag Spinifex Press in Melbourne betreibt, blickt optimistisch in die Zukunft. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass das unabhängige Publizieren fortbestehen wird, trotz der weltweiten Organisationsprivatisierung und der Konzernverlage“, schreibt sie. „Unabhängige Verlage werden weiterhin riskante, bahnbrechende und nachhaltige Bücher aus Leidenschaft für Bücher herausbringen. Bücher von heute für die Zukunft.“

ml

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