Regensburger Buchhandlung Bücherwurm insolvent – Christian Röhrl sucht nach einem Investor

Traurige Nachrichten aus der „Amberger Zeitung“: Die Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg ist insolvent. Thomas Rieke schreibt in der „Amberger Zeitung“: „Christian Röhrl galt als besonders rühriger Kaufmann, zumindest auf seinem Fachgebiet. Zum 15-jährigen Bestehen des Bücherwurms 2003 konnte noch eine Erfolgsgeschichte über den Gründer geschrieben werden, der seine unternehmerische Tätigkeit bereits als Student mit einem Kleinkunstverlag begonnen hatte. Nun steht der zweifache Familienvater vor dem Trümmern seiner Existenz.“

Die Nachricht vom Insolvenzantrag schlug ein wie eine Bombe. „In Insiderkreisen wurde indes schon länger gemauschelt, Christian Röhrl und seine Frau Johanna hätten wirtschaftlich schwer zu kämpfen. Ironie des Schicksals: Im Millenniumsjahr 2000 hatten die Röhrls gleich vier Filialen auf einmal eröffnet. Auf sieben Standorte verteilt, verkauften sie fortan auf über 2000 Quadratmetern Literatur aller Art. Doch diese Expansion markiert gleichzeitig auch den Wendepunkt in der Firmengeschichte“, so Rieke.

Röhrl hatte am Rande der Amberger Fußgängerzone im Wöhrl-Plaza eine Filiale eröffnet. Das Konzept des renommierten Bekleidungshauses sah nach Vorbildern in Ulm und Dresden ein modernes Einkaufszentrum ohne Grenzen zwischen den einzelnen Läden vor. Die Röhrls mieteten 750 Quadratmeter. Doch die Umsätze erfüllten von Anfang an nicht die Erwartungen. Christian Röhrl macht dafür unter anderem nicht eingehaltene Versprechungen Wöhrls verantwortlich: Der hat uns x zugkräftige Mieter in Aussicht gestellt. Nur wenige sind aber gekommen.

Und so versuchte Röhrl alsbald, seinen Amberger Bücherwurm zu verkleinern. Zwar gelang es 2004, die Verkaufsfläche drastisch zu reduzieren. Doch eigentlich wollten sich die Röhrls ganz aus Amberg verabschieden. Christian Röhrl gegenüber der „Amberger Zeitung“: „Es war unmöglich, aus unserem Zehn-Jahres-Vertrag heraus zu kommen. Ich hätte 300.000 Euro Abstandszahlung leisten sollen.“

Erschwerend kam hinzu, dass Röhrl in Amberg letztes Jahr mit Weltbild und der Buchhandlung Rupprecht gleich zwei starke Konkurrenten bekommen hat.

Die Röhrls schmiedeten zusammen mit einem externen Berater einen Sanierungsplan, der auch die Schließung anderer Filialen vorgesehen hätte. Doch nirgends schafften sie es, die Verträge zu lösen. Nicht einmal der Verkauf des eigenen Wohnhauses konnte das Ende verhindern. 2004 brachen auch die Umsätze der Filialen im KöWe sowie in der Regensburger Innenstadt ein. Christian Röhrl: „Seit es den Steg über die Bahngleise gibt, laufen die Arcaden gut. Das haben wir sehr deutlich zu spüren bekommen. Und wir sind sicher nicht die letzten, die deswegen im Zentrum schließen müssen.“

Trotz aller Schwierigkeiten glaubten Christian und Johanna Röhrl bis zuletzt an ein wirtschaftliches Überleben. Doch als am Tag vor Heiligabend der Steuerberater die Zahlen vorlegte, überschlugen sich die Ereignisse. Am Dienstag darauf hatte Röhrl einen Termin bei seiner Hausbank; am Abend desselben Tages erfuhr er telefonisch, dass sämtliche Kredite gekündigt würden. Am Donnerstag musste Röhrl den Gang vor den Amtsrichter antreten.

Seit Donnerstag ist auch ein Insolvenzverwalter bestellt. Mit ihm wollen die Röhrls alles daran setzen, wenigstens zwei Filialen und damit Arbeitsplätze zu retten, im Einkaufszentrum REZ und in Neutraubling, die vorgestern wieder geöffnet hatten. Dringend gesucht ist laut Christian Röhrl ein Investor. Er selbst wird dann in dem Betrieb, den er gegründet hat, bestenfalls als Angestellter wieder Arbeit haben.

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