Prof. Dr. Christoph Bläsi: Schriftgestaltung für den Bildschirm heißt mehr als serifenlose Schrift

Prof. Dr. Christoph Bläsi (Universität Erlangen-Nürnberg) hat bei der

Prof. Dr. Christoph Bläsi
“Lesen am Bildschirm
ist eine wichtige
gestalterische Herausforderung”

Jahrestagung „Buchgestaltung: Ein interdisziplinäres Forum” der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft (IBG) in St. Gallen, ins seinem Vortrag „Gleiche Ziele, andere Lösungen: Buchnahe Gestaltung für den Bildschirm” vehement dafür plädiert, dass “Gestalten für das Lesen an Bildschirmen mehr als die Verwendung serifenloser Schriften” bedeute.

Der Buchwissenschaftler: “Wir werden unvermeidlicherweise immer noch mehr an Bildschirmen lesen (müssen) – und zwar nicht nur an E-Paper-Lesegeräten (wie z.B. dem Kindle von Amazon – für diese Geräte gilt anderes), sondern eben oft nach wie vor an selbst leuchtenden Bildschirmen (wie Kathodenstrahlröhren oder Flüssigkristalldisplays). Obwohl vieles am Lesen von Bildschirmen gewissermaßen „gegen die Natur” ist, kann man bei der Gestaltung doch einiges tun, um das Lesen so wenig beschwerlich wie möglich zu machen. Die angesichts der Bedeutung des Themas noch viel zu wenigen empirischen Studien sind sich z.B. darin einig, dass (wegen der geringen Auflösung) die Verwendung von serifenlosen Schriften ratsam ist – und es gibt dann auch fast niemanden im Web, der sich daran nicht hält. Wissenschaftlich etwas kontroverser und in der Praxis umstritten ist die Empfehlung der negativen Schriftdarstellung, idealerweise mit hellgrauer Schrift auf dunkelgrauem Grund – das ist in der Tat sehr ungewohnt, es spricht (wegen des Überstrahlens) aber vieles dafür und man wundert sich, warum es (noch) so wenig eingesetzt wird. Über vieles andere besteht dann wieder Einigkeit – zumindest theoretisch, ein Blick ins Web ernüchtert leider. Empfehlenswert sind so z.B. nur bis zu 35 Zeichen pro Zeile, die Verwendung größerer Schriften (11-14 pt) und z.B. größere Buchstaben- und Zeilenabstände (die hier ja im Gegensatz zum gedruckten Buch nichts zusätzlich kosten).”

Mehr dazu wird erst in dem Berichtsband nachzulesen sein, der alledings erst im Herbst kommt.

Bläsi: “In jedem Fall gilt auch für diese spezielle gestalterische Aufgabe: Gestalten mit Schrift bedeutet komplexes Problemlösen, denn es müssen Ansprüche der Ergonomie (d.h.: gut lesbar) und der Ästhetik (d.h.: „schön”) gleichzeitig befriedigt werden – und manchmal soll mit Schrift sogar noch ein eigener, gewissermaßen medienspezifischer Bedeutungsbeitrag geleistet werden (was will jemand damit ausdrücken, dass er Frakturschrift verwendet ?); lediglich die Ansprüche der Ökonomie (d.h. für das gedruckte Buch z.B.: je weniger Platz erfordernd und je weniger farbig, desto billiger) spielen im Digitalen allenfalls noch in dem Sinne eine Rolle, dass u.U. speziell gewünschte Schriften mit finanziellem Aufwand lizenziert werden müssen.”
Kontakt: www.buchwiss.de

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