Nach dem Freitod von Sortimenter Wolfgang Richter: Die Verlage liefern wieder, der Buchhandelsbetrieb wird weiter geführt

„Er hatte nicht die Kraft, seine Träume sterben zu sehen, und stieg aus dem Boot aus. Wir rudern noch immer auf seine Ziele zu“, lautet das Ende des sehr persönlichen Nachrufs, den letzte Woche die MitarbeiterInnen von Richters Buchhandlung in Dresden veröffentlicht haben.
Gut drei Wochen nach dem Freitod von Wolfgang Richter sieht alles danach aus, als würde das „Boot“ weiterfahren können. Seitdem letzte Woche ein vorläufiger Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt wurde, steht der Betrieb unter der Regie von Rechtsanwalt Gunter Tarkotta von der Kanzlei Derra, Meyer und Partner. Dieser zieht in einem ersten Pressegespräch nach sieben Tagen ein positives Resümee: Die Umsätze stimmen, das Unternehmen ist an sich gesund. Die finanziellen Probleme rühren nicht aus der eigentlichen Geschäftstätigkeit, sondern gründen auf privaten bzw. anderen geschäftlichen Unternehmen des verstorbenen Inhabers und haben nichts mit der Buchhandlung zu tun.
Die Verlage scheinen diese Einschätzung zu teilen und liefern wieder, so dass den „Ruderern des Bootes“ endlich wieder das lange vermisste Vergnügen zuteil wird, Bücherkisten auspacken zu dürfen. Die Kunden werden sich freuen, wenn die Regale wieder voll sind, haben sie doch mit unendlicher Langmut über das in den letzten Wochen und Monaten stark geschrumpfte Sortiment und den häufig mangels Barsortiment nicht mehr möglichen 24-Stunden-Service hinweggesehen.
Noch im Februar waren die „Richters“ wie alle Jahre wieder in zäher Zuneigung von den Lesern des Dresdner Szeneorgans SAX zur „beliebtesten Buchhandlung der Stadt“ gewählt worden. Wie groß wird die Liebe erst sein, wenn es jetzt auch wieder Bücher gibt! Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass auch die Staatlichen Kunstsammlungen diese Liebe teilen, ist doch Richters Buchhandlung mit vier Ladenlokalen in den Dresdner Museen vertreten. Tarkotta, der zusammen mit „Familiensprecher“ Dr. Reinhard Richter und Kerstin Wieland, der langjährigen Personalchefin und Controllerin der Buchhandlung, an der optimalen Weiterführung des Unternehmens bastelt, ist aus naheliegenden Gründen an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Kunstsammlungen über die derzeitige Vertragslänge hinaus interessiert.
Das wird sicherlich der schwerste Brocken, scharren doch Konkurrenzunternehmen schon kräftig mit den Hufen. Aber Tarkotta gibt sich ganz optimistisch, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form, also inklusive der Kunstbuchhandlungen, fortbestehen wird. Über eine Notfallvariante will er gar nicht erst nachdenken. Übrigens hat der Familienrat beschlossen, dass auch der Name RICHTERS erhalten bleiben soll.

Christiane Filius-Jehne

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