Buchhandlung Straub schreibt offenen Brief an Rowohlt und Droemer. Grund: Die Aufkündigung der Kooperation mit der LG Buch

Bernd Wolf (Buchhandlung Straub), Ostfildern, hat zur Aufkündigung der Kooperation von Rowohlt und Droemer mit der LG Buch einen offenen Brief an die beiden Verlage geschrieben.

Dazu gab es Anfang Januar ein Rundschreiben an die LG Buch Mitglieder, in dem LG Buch-Geschäftsführer Rolf Sudendorf u.a. schrieb: „Trotz intensiver Diskussion und einem klaren Angebot zu nachvollziehbaren Gegenleistungen in der Zusammenarbeit, haben Droemer Knaur und Rowohlt zum Jahresende ihre Partnerschaft aufgekündigt“.

Wolf: „Es geht dabei um eine weitere erhebliche Verschärfung des Marktes – und dies ohne Not.“

Hier der Brief:

Sie haben zum 31.12.2006 die Kooperation mit der LG Buch eingestellt. Das hat uns und – wie wir wissen – auch andere Kollegenbuchhandlungen sehr irritiert.

Warum haben diese Verlage die nach außen sichtbare Kooperation mit dem unabhängigen Sortiment aufgegeben?

Warum zeigen diese Verlage nicht mehr offen, dass sie zum unabhängigen Sortiment stehen?

Tun sie das denn überhaupt noch? Man könnte meinen NEIN!

Warum? Weil wir offenbar zu teuer sind.

„Unsere“ Einzeltitel sind zu teuer, die sollen ans Barsortiment. Die von Thalia und DBH sind es nicht.

Die Leseexemplare sind zu teuer, die Vertreterbesuche sind zu teuer, kurz gesagt der kleine und mittlere Buchhandel – der unabhängige Buchhandel – ist den großen Häusern zu teuer.

Wie kann das sein?

Wir haben die Partner der LG Buch bevorzugt gepflegt – auch als in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mancher großer Verlage die Programme nicht gerade sehr markttauglich waren.

Unsere Konditionen sind seit langen Jahren unverändert schlecht, die stetig wachsenden Distributionskosten, die bei uns hängen bleiben, beileibe nicht.

Das Modell 40plus der LG Buch besagt schlicht, dass die Mitgliedsbuchhandlungen 40,00% konstante Jahreskonditionen ohne Partie erhalten, mit der Option, bei entsprechender Umsatzentwicklung diese neu zu vereinbaren. Das ergab bei uns teilweise „illustre“ 42,00% Rabatt bei HC. Die LG Buch erhält eine Rückvergütung des Verlages von 4,00% auf die getätigten Umsätze bei HC und 2,00% bei TB, das entspricht max. 2,40% des Bruttowertes.

Gehen wir in der LG Buch von einem durchschnittlichen Rabatt von 44,00% bei HC aus und der Rückvergütung, liegt die LG Buch unter der klassischen Formel von 48,00 % Durchschnittsrabatt eines größeren Verlages. Aber diese klassische Formel stimmt schon einige Zeit nicht mehr, das ist völlig richtig.

An den Konditionen des unabhängigen Buchhandels kann das nicht liegen, auch nicht an den Konditionen der Barsortimente. Das Thema hat einen anderen, klaren Namen: Die großen Filialisten wie Thalia oder DBH. Dort werden – neben Höchstrabatten – gewaltige Zuschüsse in Form von Boni, WKZ und was dem kreativen Vertriebsmenschen sonst noch so einfällt, verlangt und auch gewährt, die die durchschnittliche Spanne dieser Häuser auf deutlich über 60,00% steigen lassen.. Klar gibt es keinen Verlag, der dies bereitwillig zugibt, aber sie werden mir zugestehen, irgendjemand – und zwar nicht die kleinen Verlage – muss diese Konditionen gewähren, sonst gäbe es sie nicht. Und manche Vertriebsleute sprechen dies in vertraulicheren Gesprächen auch offen aus – Namensnennung selbstredend unerwünscht.

So wissen wir bspw. dass Einzeltitel aus den Reihen der nicht handverlesenen Filialisten und großen „Mittleren“ nur noch über das Barsortiment abgewickelt werden sollen.

Ihre Häuser bringen die fatale Auslieferungspraxis zuwege, eine Bestellung mit 15,00 kg Gesamtgewicht in Packstückgrößen von etwa 13 und 2 kg zu packen. Die 2 kg wären in das Paket mit 13 kg noch bequem hineingegangen. So lange sie uns dies zumuten, verbieten sich ihre diesbezüglichen Überlegungen einfach. Machen sie auch einmal IHRE Hausaufgaben und laden sie ihre distributorischen Aberwitzigkeiten nicht bei uns ab – und werfen sie uns nicht das vor, was IHRE EDV so alles aufteilt. Was sie propagieren, ist blanker Zynismus.

Sie wollen uns also nicht mehr. Das haben wir verstanden. Sie wollen uns erst dann wieder, wenn sie von ihren Top-Level-Kunden derart erpresst werden, dass ihnen die Luft zum atmen fehlt. Das haben andere Branchen schon hinter sich, auch dort gibt es die Thalias und DBHs, auch dort gibt es die großen „Publikumsverlage“, die zwischenzeitlich wieder in die Verbundgruppen zurückkehren, warum?

Wir sind als kleine Buchhandlung, die erheblichen Wert auf ihre Unabhängigkeit legt, nicht gewillt, uns von ihnen zum Spielball ihrer Vertriebspolitik pro Großbuchhandel machen zu lassen.

Aus diesem Grund werden wir, so lange sie an dieser Politik festhalten, ihre Produktion nur mit sehr geringer Priorität behandeln – anders als zu Zeiten der Kooperation mit der LG Buch. Da waren sie für uns A-Verlage.

Eigentlich fürchten sie ja auch die wachsende Macht der Barsortimente. Hier haben sie jetzt einen hervorragenden Beitrag geleistet, diese wieder einmal zu stärken. Wir werden künftig zumindest die gesamte Hardcover-Produktion ihrer Verlage ausschließlich bei unserem Partnerbarsortiment einkaufen. Das Taschenbuch kann dabei jederzeit folgen …

Noch eine Anmerkung zur Auslieferungspraxis von Kleinmengen:

Umbreit bspw. bietet mit Umbreit plus genau den Service, diese Kleinmengen zu Verlagskonditionen an die Buchhandlungen zu liefern. Das machen sie aber auch nicht. Wozu auch, es geht ja nicht wirklich um richtige Kunden.

Wir wünschen richtig viel Spaß mit Thalia, der DBH und ihrer künftigen Durchschnittsrabattierung

Buchhandlung Straub
Bernd Wolf

Esslinger Str. 26
73760 Ostfildern
Fon 0711 348 27 37
Fax 0711 348 27 38
bwolf@straub-wolf.de

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag des Vorsitzenden der LG Buch, Rolf Sudendorf, der im Februar-BuchMarkt erscheinen wird: „Verlage noch Partner des unabhängigen Sortiments?“

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.