Damit hat keiner gerechnet: Herder übernimmt Thalia / Michael Busch künftig Miteigentümer / Herder-Buchhandlungen “wieder zuhause”

Manuel Herder sagt es pointiert: “So ändern sich die Zeiten. Wir haben unsere Buchhandlungen genau vor 20 Jahren, im Juli 1996, verkauft. Jetzt haben wir sie wieder. Ich bin sehr glücklich. Ich liebe Buchhandel und habe mich sehr gefreut, die Kollegen jetzt wieder zuhause, bei Herder begrüßen zu dürfen.”

Die Spekulationen um die Zukunft von Thalia haben damit ein Ende: Ein Eigentümerkonsortium unter Führung der Verlegerfamilie Herder erwirbt die Mehrheit an der Buchhandelsgruppe Thalia von einer gemeinsamen Holding von Advent International und der Familie Kreke. Diese hatten Thalia 2012 als Teil der damaligen Douglas Holding AG erworben. Die Familie Kreke bleibt auch künftig als Minderheitsaktionär beteiligt.

Die Digitalexpertise wird künftig der Unternehmer Leif Erik Göritz als Aufsichtsratsvorsitzender einbringen. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler verfügt über langjährige Erfahrung in der digitalen Transformation von Unternehmen. Gemeinsam mit der Verlegerfamilie Herder hat er bereits 2014 die führende Berliner App-Agentur Smart Mobile Factory übernommen. Göritz sagt: „Zusammen mit dem langjährigen CEO und geschäftsführenden Gesellschafter Michael Busch verfolgen wir als neue Eigentümer die Vision, Thalia zum Synonym für Lesekultur im Digitalzeitalter zu machen.“

Langfristiges Engagement: Unter der Führung der Verlegerfamilie Herder soll Thalia wieder wachsen

Ranjan Sen, Managing Partner von Advent International, sagt: „Thalia steht heute, nach erfolgreicher Neuausrichtung, wieder auf wirtschaftlich gesunden Füßen und wächst aus eigener Kraft. Wir freuen uns, diese Entwicklung maßgeblich mitgestaltet zu haben und sehen den jetzt erfolgten Verkauf als den richtigen Schritt für das Unternehmen. Mit den neuen Eigentümern übernehmen nun strategische Partner das Steuer, die neue Impulse setzen können und damit die Marktposition von Thalia weiter stärken werden.“

Manuel Herder, Verleger, sagt: „Thalia hat als führender Buchhändler im deutschsprachigen Raum immer wieder unter Beweis gestellt, dass es Trends und Veränderungen im Buchhandel früh erkennen und erfolgreich gestalten kann. Zugleich steht das Unternehmen wie kaum ein anderes für den Erhalt der innerstädtischen Lesekultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die intensiven Gespräche der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass wir mit der Familie Kreke und dem Managementteam um Michael Busch die gleichen Werte und langfristige Vision für Thalia teilen.“

Michael Busch, Vorsitzender der Geschäftsführung von Thalia und neuer Miteigentümer, sagt: „Nach erfolgreichen Jahren der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Eigentümern Advent International und der Familie Kreke und substantiellen und notwendigen Veränderungen beginnt für unser Unternehmen nun ein neues Kapitel. Wir gewinnen heute eine unternehmerische, langfristig ausgerichtete Eigentümerstruktur. Ich freue mich darauf, Thalia gemeinsam mit unseren neuen Partnern nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Dr. Henning Kreke, Vertreter der Familie Kreke, erklärt: „Thalia hat in den vergangenen Jahren ihre marktführende Position im deutschsprachigen Buchhandel weiter ausgebaut. Die neuen Eigentümer sind fest von den Erfolgschancen des Omni-Channel-Buchhandels überzeugt und wollen gemeinsam mit dem bestehenden Management-Team die erfolgreiche Strategie von Thalia nachhaltig fortsetzen.“

Die beteiligten Parteien haben Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

Die Familie Kreke ist mit 35 Prozent am Unternehmen beteiligt und hat damit die Anteile in etwa verdoppelt. 65 Prozent werden von einer Holding gehalten, in der Herder Mehrheitsgesellschafter ist und an der außerdem Leif Erik Göritz und Michael Busch beteiligt sind. Dies wurde heute bei einer telefonischen Pressekonferenz bekannt.

Die Verlegerfamilie Herder hatte vor 20 Jahren ihre gleichnamigen Buchhandlungen in Freiburg, Münster und Würzburg an die Familie Kreke verkauft, unter deren Leitung diese in die heutige Thalia integriert wurden. Manuel Herder erklärte, dass die Familien seither freundschaftlich verbunden geblieben seien und festgestellt hätten, “wie sehr unsere Werte zusammenpassen”. Er ergänzte: “Lesen ist gut für den Menschen, Buchhandel ist gut für unsere Städte.”

Michael Busch erklärte, die Mitarbeiter hätten auf die Information “begeistert reagiert, weil sie das Unternehmen in langfristig orientierten, guten Händen sehen”. Die drei Firmenzentralen in Hagen, Münster und Berlin sollen beibehalten werden. “Thalia ist in Hagen groß geworden und wird von Hagen aus weiter wachsen”, so Busch. Auch der Standort Münster mit einem Kundenservice-Center sei gesetzt, und Berlin, zuständig für die App-Entwicklungen, bleibe erhalten und werde ausgebaut. Was das Filialnetz angeht, wolle man “mit Augenmaß” wachsen.

Manuel Herder betonte, dass der Einstieg bei Thalia als langfristiges Engagement geplant sei, und er sich aufgrund der komplementären Fähigkeiten der Beteiligten sicher sei, dass es sich um eine nachhaltige Zusammenarbeit handele.

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