Buchhandlung im Freilichtmuseum

Martina Ricken-Bollinger

Am 23. Juni eröffnete Martina Ricken-Bollinger ihren Buchladen im Hessenpark in Neu-Anspach – es ist eine der wenigen Buchhandlungen in einem Freilichtmuseum in Deutschland.

Nach fünf Wochen kann sie eine positive Bilanz ziehen: Trotz des verregneten Monats Juli haben sich ihre Umsatzerwartungen erfüllt.

„Seit Jahren träumte ich davon, im Hessenpark eine Buchhandlung zu eröffnen. Doch wer einmal in diesem Freilichtmuseum einen Laden hat – mit der Museumsinformation sind es neun Geschäfte –, gibt ihn so schnell nicht wieder auf. Dann wurde doch ein Ladenlokal frei, wir führten Anfang dieses Jahres die ersten Gespräche mit Jens Scheller, dem Geschäftsführer des Hessenparks und konnten am 10. Juni den Mietvertrag für das Haus unterzeichnen“, erzählt Martina Ricken-Bollinger.

In einem Haus, das um 1750 in Messel erbaut, 1980 abgetragen und 1986 im Hessenpark wiedererrichtet wurde, ist alles ein bisschen anders. Das unterkellerte, zweigeschossige Haus schließt die östliche Häuserzeile des Marktplatzes ab. Selbstverständlich steht es wie alles im 65 Hektar großen, 1975 gegründeten Hessenpark unter Denkmalschutz. „Man muss sich den Vorgaben anpassen. Ursprünglich sollten auch im ersten Stock Bücher verkauft werden, doch das erlaubt die Statik des Hauses, die in der ersten Etage nur 14 Personen zulässt, nicht. Bücher sind schwer“, erklärt die neue Mieterin.

In hellen Farben erstrahlt der 42 Quadratmeter große Verkaufsraum im Erdgeschoss, liebevoll eingerichtet mit weißen Regalen, alten Schränken und Kommoden, vielen passenden Accessoires. Das Sortiment besteht aus Regionalia, darunter sind auch viele Kochbücher. Außerdem gibt es eine große Auswahl zum Thema „Rund um die Natur“ sowie eine beachtliche Kinderecke. „Märchen verkaufen sich hier besonders gut“, verrät Martina Ricken-Bollinger. Ein bisschen kommt sie sich selbst wie in einem Märchen vor. Im ersten Stock gibt es Schlafmöglichkeiten für drei Personen, so können ihr Mann Clemens und ihr zwölfjähriger Sohn Martin am Wochenende, während sie im Laden steht, zu Besuch kommen.

„Im Hessenpark, der ganzjährig von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet hat, gibt es viele Veranstaltungen, an denen wir spezielle Büchertische aufstellen, bei denen mir mein Mann hilft. Bis zum 11. Dezember ist beispielsweise die Sonderausstellung Süße Verlockung. Von Zucker, Schokolade und anderen Genüssen in der Stallscheune zu sehen. Zu diesem Thema können wir natürlich auch entsprechende Bücher anbieten und werden am 23. September eine Lesung aus Chocolat veranstalten“, erläutert Martina Ricken-Bollinger.

Da sie seit März 2005 ihre Buchhandlung Bollinger in Oberursel betreibt – die übrigens 2006 als Buchhandlung des Jahres ausgezeichnet wurde [mehr…], bleibt der umtriebigen Geschäftsfrau nur das Wochenende für ihre neue Filiale im Hessenpark. Um eine geeignete Mitarbeiterin zu finden, hatte sie eine Anzeige geschaltet und unwahrscheinlich viele Bewerbungen bekommen. Sie entschied sich für Lena Boetius, die von der Insel Föhr kommt. Kein absoluter Zufall, Martina Ricken-Bollinger arbeitete selbst vier Jahre auf der Nachbarinsel Amrum und betreute dort bis 1992 die mit 16 Quadratmetern wohl kleinste Buchhandlung Deutschlands, die es leider nicht mehr gibt.

Eine Buchhandlung in einem Freilichtmuseum ist etwas ganz Besonderes, das begreift man schnell im Gespräch mit der begeisterten Buchhändlerin. „Eine völlig andere Atmosphäre umgibt einen, die etwa 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessenparks sind nett und hilfsbereit, man kommt schnell miteinander ins Gespräch, kann die historischen Häuser gemeinsam nutzen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, in diesem Haus, das einst in Messel stand, zu sein“, schwärmt Martina Ricken-Bollinger. Und sie hat noch eine Menge Ideen, ihre neue Buchhandlung im Hessenpark, die von mittwochs bis sonntags zwischen 11 Uhr und 18 Uhr geöffnet hat, in das Leben und den Rhythmus des Freilichtmuseums einzubringen. Warum sollte man zum Beispiel an den Sommerwochenenden nicht schon um 10 Uhr den Laden öffnen? Vieles ist hier möglich, in der kleinen, etwas anderen Museums-Stadt in Hessen.

JF

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.