Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler blickt “optimistisch in die Zukunft”

„Wir leben und lieben Print“, unter diesem Motto tagt seit gestern der Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler im Hilton Hotel am Berliner Gendarmenmarkt. Nach der Mitgliederversammlung am Montagnachmittag stand heute die Öffentliche Jahreshauptversammlung auf der Tagesordnung.

Die hohe Teilnehmerzahl sei in diesem Jahr konstant geblieben, freute sich Mathias Gehle (Foto), der Vorsitzende des Verbands. Rund 280 Vertreter aus Verlagen, Nationalvertrieben und von Dienstleistern der Pressevertriebsbranche nehmen an dem Treffen teil.

Der Bahnhofsbuchhandel kann sich einer stabilen Geschäftslage erfreuen. In seinen Kernsortimenten Presse und Buch lag der Umsatz mit 352 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres: Trotz für den Bahnhofsbuchhandel ungünstiger Witterungsbedingungen und lang anhaltender Streiks der Privatbahnen 2011 verbuchen die Bahnhofsbuchhändler lediglich einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent.

Christoph Bornschein

Ein überproportionaler Rückgang der Tageszeitungskäufe konnte dabei durch positive Gegenbewegungen in den Sortimenten Non-Press, Tabak und Convenience kompensiert werden, sagte Gehle, der in seiner Eröffnung auf die hohe Relevanz von Bahnhofsbuchhandlungen als Impulskaufstätten verwies: „Wir werden den Kundenwünschen in der Zukunft vermehrt folgen müssen, denn ein Kunde, der initial einen Kaffee und spontan eine Zeitschrift kauft, ist ein unverzichtbarer Kunde. Dabei wird es entscheidend sein, nicht das Profil als Kompetenzzentrum für Print zu verlieren. Als Erfolgsrezept nannte Gehle Investitionen in innovative Shop-Konzepte und emotionalere Warenpräsentation. “Wir freuen uns auf die Herausforderungen der Zukunft.”

2011 war die Innovationsfreude der Unternehmen des deutschen Bahnhofs- und Flughafenbuchhandels erneut groß. An über 70 Standorten sind Verkaufsstellen teilweise oder komplett umgebaut und modernisiert worden. Damit haben über zehn Prozent aller 450 Verkaufsstellen in Deutschland ein neues Gesicht erhalten.

Im Hinblick auf die digitalen Medien sagte Gehle, dass kreativer Unternehmensgeist lebensnotwendig werde. Das sieht auch Christoph Bornschein so. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte sein Vortrag über Chancen und Risiken in einer digitalisierten Kommunikationsgesellschaft. Christoph Bornschein – alias Torben – ist Gründer der Social Media Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (tlgg.de).

Uns erwarte das ubiquitous Internet, sagte der 28-Jährige voraus. 2012 werde im Zeichen der Integration und Verbindung von sozialen, mobilen und lokalen Diensten stehen. Schon jetzt gäben 44 Prozent der Facebook-Nutzer an, sich bei Kaufentscheidungen von ihren Freunden beeinflussen zu lassen. Zudem sei Facebook für 15 Prozent des Internettraffics auf den Webseiten deutscher Zeitungen verantwortlich. Künftig würden sich Kaufempfehlungen noch schneller verbreiten, vermutet Bornschein. Und da neben Facebook auch andere Kanäle und Bewertungsportale eine immer größere Rolle spielen, seien Ladengeschäfte gut beraten, die eigene Online-Reputation zu pflegen. Auch stationäre Geschäfte werden sich einer Online-Bewertung durch die Kunden aussetzen müssen, so Bornschein.

Die Zeitschriftenverlage seien kaum für die Zukunft gerüstet und gingen wenig proaktiv mit dem Wandel um, beklagte er. Bei den Buchverlagen sehe es noch schlimmer aus. Die mangelnde Bereitschaft der Verlage, dem Trend zu begegnen, überlasse zwei branchenfremden Anbietern das Feld. Wenn die Lethargie der Branche anhalte werde es eine Vertriebsstrategie ohne die Verlage geben, sagte er und empfahl dem Handel neue Geschäftskonzepte für den Vertrieb digitaler Güter zu entwickeln.

Heute Nachmittag haben die Bahnhofsbuchhändler dann Gelegenheit, mit Geschäftspartnern ins Gespräch zu kommen. Über 40 Geschäftspartner 46 Aussteller zeigen im Panaromafoyer und verschiedenen Sälen des Hilton Hotels ihr Angebot.

Übrigens hat der Verband seine Website www.vdbb.de komplett relaunched.

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