Jahreshauptversammlung der Bahnhofsbuchhändler mit Rekordbeteiligung

Wie berichtet tagt der Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler seit gestern im Hilton Hotel am Berliner Gendarmenmarkt. Nach der Mitgliederversammlung am Montagnachmittag stand heute die Öffentliche Jahreshauptversammlung auf der Agenda. In den Keynotes von David Bosshart und Peer Steinbrück (Foto) ging es um Konsum und um Politik.

Mathias Gehle, der Vorsitzende des Verbands, freute sich über das „überwältigende Interesse“ an dem Treffen. Mit 280 Teilnehmern hatten sich deutlich mehr Mitglieder angemeldet als im Vorjahr. Gehle zog eine positive Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs [mehr…], die er auch auf die kontinuierlichen Investitionen in der Branche zurückführt. Die Verbandsmitglieder hätten im letzten Jahr 44 Filialen modernisiert. In den letzten Jahren hätten pro Jahr etwa 10 Prozent aller Buchhandlungen in Bahnhöfen und Flughäfen ein neues Gesicht bekommen. Gehlen hob dabei auch den Mut und die Leistungsbereitschaft von Familienbetrieben hervor. Das Thema Innovation werde auch in Zukunft ein wichtiger Triebfaktor sein.

Im Pressebereich hat der Bahnhofsbuchhandel vor allem von dem Erfolg der Zeitschrift Landlust und ihrer Derivate profitiert. Der stärkste Rückgang war im Comicsegment zu verzeichnen. Im Taschenbuch lag Stieg Larsson vorne und im Hardcover sorgte vor allem Thilo Sarrazin für Umsatz. Allerdings bereite die Preisentwicklung Bauchschmerzen, so Gehlen. Durch die vielen Flexcover sei zwar der Absatz, nicht aber der Umsatz gestiegen. Die Durchschnittspreise seien im Vergleich zum Vorjahr um 4 Euro gesunken.

Horst Mutsch (DB Station und Service) appellierte in einem Grußwort an die Bahnhofsbuchhändler stärkeren Nutzen aus dem Standort zu ziehen, indem sie sich an Werbegemeinschaften und Aktionen beteiligen und Events mit Präsentationen flankieren. „Seien Sie kreativ!“, riet er.

Einen Einblick in die Kundenanforderungen von morgen gab David Bosshart, der Leiter des Gottlieb Duttweiler Instituts in der Nähe von Zürich. Unter dem Motto „Mobiler, smarter, spielerischer“ zeigte er wie sich die Shoppingwelten ändern. „Shopping is coming home“ sagte Bosshart. Und zu Hause sei da, wo der Mensch sich wohlfühlt. Die Stärke liege in der Kraft der Verführung. Der Konsum eine die Menschen weltweit, Politik trenne sie.

Werbung habe bei den Menschen inzwischen übertriebene Erwartungen geweckt. Der Konsument sei heute lustgetriebener als früher, habe aber zugleich Sorge um seinen Arbeitsplatz. Die Beschleunigung nannte Bosshart als Kernelement des sich wandelnden Kaufverhaltens. Die nachfolgende Generation werde die Technik ganz anders nutzen, sie sei mobil und Feedback orientiert. Die Buchhändler tröstete er: Je älter eine Technologie, desto großer sei die Chance, dass sie überlebt.

Es komme darauf an, Geschäftsmodelle ganzheitlich zu betrachten. Im Selfpublishing oder Book-on-Demand könnten neue Chancen liegen, auch personalisierte Subskriptionslösungen (das passende Buch für mich in gewünschten Abständen geliefert) und digitale Kioske seien denkbar. Es komme darauf an schnell zu reagieren. Die neuen Medien würden die Strukturen verändern, so Bosshart. Die elektronischen Geräte würden zu einem Teil von uns. Wohin das im Einzelnen führt, bleibt abzuwarten. Aber Bosshart ist überzeugt, dass die Menschen weiterhin Lust am Lesen haben werden. Nur die Geschäftsmodelle ändern sich. „Wird die Technologie zu unserem Feind, werden wir verlieren, wird sie zu unserem Freund, dann werden wir gewinnen.“

Viel Beifall erhielt der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück für seinen unterhaltsamen Vortrag über sein Buch „Unterm Strich“ (Hoffmann und Campe), mit dem er für Diskussionsstoff in der Mittagspause sorgte. Anschließend hatten die Bahnhofsbuchhändler dann Gelegenheit, mit Geschäftspartnern ins Gespräch zu kommen. 46 Aussteller zeigen im Panaromafoyer und verschiedenen Sälen des Hilton Hotels ihr Angebot.

ML

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