AUB will Branche aufwecken: Unterzeichner für Weckruf / Offenen Brief gesucht

Der Vorstand der AUB e.V. hat sich mit dieser Mail an den Buchhandel gewandt, mit der die Kollegenfirmen aufruft, einen Offenen Brief als Weckruf mit zu unerschreiben. Hier die Origilalmail zur Info:

Auf Grund der nicht nur anhaltenden, sondern voranschreitenden Marktverwerfungen sieht der Vorstand von AUB e.V. die Zeit gekommen, eine Art Weckruf des Unabhängigen Sortiments an alle Verlage zu richten. Es kann nicht angehen, dass Gross-Filialisten derzeit durch Druck auf und auf Kosten der Verlage ihre Handelsspanne um einen beträchtlichen Wert zu verbessern suchen. Sollte ihnen dieses gelingen, wissen wir genau, wer für den Ausgleich herangezogen wird – wir.

Der Vorstand von AUB e.V. bittet Sie deshalb, den untenstehenden Offenen Brief an alle Verlage mit zu unterzeichnen. Er soll vor der Frankfurter Buchmesse dem Verleger-Ausschuss des Börsenvereins übergeben und der Branchenpresse zugänglich gemacht werden.

Wir haben diese Mail an die uns bekannten Kolleginnen und Kollegen im Unabhängigen Sortiment gerichtet, werden aber bei weitem nicht alle Unabhängigen Sortimente erreicht haben. Mailen Sie diesen Offenen Brief bitte an alle in Frage kommenden Adressen weiter!

Bitte senden Sie uns per Mail, per Fax oder per Post Ihr Einverständnis zur Nennung Ihres Namens unter dem Offenen Brief. Rückmeldungen per Mail bitte an: info@aub-online.org

Mit freundlichen Grüßen
Hartwig Bögeholz
für den Vorstand AUB e.V.
Postfach 150242
33732 Bielefeld
info@aub-online.org
www.aub-online.org

Offener Brief des Unabhängigen Sortiments an alle Verlage
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– z. Hd. Verlegerausschuss im Börsenverein

Unsere Buchhandlungen bezeichnen wir als unabhängige, weil wir wirtschaftlich arbeiten, aber unabhängig von der reinen Renditefixierung sind, die von einer fernen Konzernzentrale vorgegeben wird. Wir begeistern Leserinnen und Leser für Bücher, wir führen die jungen Leserinnen und Leser an das Lesen heran, wir bieten jeden erdenklichen Service, wir tragen individuelle Gesichter, wir beleben das kulturelle Leben unserer Umfelder durch eine Vielzahl von Aktionen, wir geben auch neuen Gedanken und Werken eine Chance, wir freuen uns über Impulse auch ohne unmittelbaren Kauf, wir sind gerade in Vororten und kleineren Gemeinden ganz nah beim Kunden, wir sind vielfach das kulturelle Feuerwerk und füllen die Kulturnachrichten der örtlichen Presse! Gerade lokalen Autoren und Verlagen bieten wir oft das einzig mögliche Forum und sind auch in größeren Städten wichtigster Multiplikator. Kurz, wir Unabhängigen Buchhandlungen sind die zentrale Säule der Vielfalt der Buchlandschaft – zum Nut
zen und Vorteil von Leserinnen und Lesern jeglichen Alters und jeglichen Geschmacks.

Aufgrund von Entwicklungen, für die die Unabhängigen Buchhandlungen in keiner Weise verantwortlich sind, ist es im Buchhandel zu weitreichenden Marktverwerfungen gekommen. Sie beruhen hauptsächlich auf einer kurzsichtigen Bevorzugung großer Abnahmemengen durch Verlage. Dies ermöglicht Filialisten, einen Verdrängungswettbewerb zu führen – der viel zu oft erfolgreich ausgeht. Um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit behaupten und damit die vom Buchpreisbindungsgesetz geforderte echte und nicht nur eine vorgetäuschte Vielfalt bewahren zu können, fordern die Unabhängigen Buchhandlungen ein faires Miteinander der Branchenteilnehmer ein, damit unsere Leistungen angemessen berücksichtigt werden.

Um die gemeinsame Zukunft von unabhängigen Buchhandlungen und Verlagen zu sichern, muss von allen Verlagen die Chancengerechtigkeit bei den Konditionen unverzüglich hergestellt werden: Verlagsrabatte dürfen für alle Sortimente nur zwischen 40% und 50% liegen, bei Schulbüchern müssen die Verlagsrabatte bei mindestens 25% und bei Fachbüchern bei mindestens 35% liegen. Die Gewährung von Boni, Werbekosten- oder sonstigen Zuschüssen darf nicht zum versteckten Rabatt für einige wenige werden, sondern muss gleichberechtigt für alle Sortimente erfolgen.

Zudem müssen alle Branchenteilnehmer ihrer Pflicht zur fortwährenden Rationalisierung von Strukturen und Abläufen nachkommen, was die aktiven unter den Unabhängigen Buchhandlungen schon lange tun. Deshalb fordern wir von jedem einzelnen Verlag die Abschaffung von Partieexemplaren und Partieergänzungen, die Abschaffung von Reisekonditionen und durchgängige Einführung von Jahreskonditionen, eine formularfreie, gebührenfreie Remissionsquote von 10 Prozent, die spürbare und konsequente Besserstellung von DFÜ-Bestellungen sowie bei Erreichen von vereinbarten Mindestmengen 60 Tage Valuta mit anschließender Skontierung. Wenn Filialisten durch Verlage von der Finanzierung ihres Lagers freigestellt werden, warum soll das nicht auch für Nicht-Filialisten möglich sein? Des weiteren fordern wir bei freier Versandwegewahl den Wegfall der Bezugskosten für das Sortiment. Optimierung von Bündelung und Bezugsgrößen vorausgesetzt, sollte die Belieferung frei Haus zum Standard werden. Das würde
auch zur dringend herzustellenden Transparenz der Konditionen beitragen (allein der buchhalterische Aufwand, die Bezugskosten auch nur zu ermitteln, ist unvertretbar hoch).

Vor diesem bedenklichen Hintergrund richten wir an jeden einzelnen Verlag die dringende Bitte, die derzeitigen Entwicklungen eingehend zu bedenken und sich verantwortungsbewusst zu positionieren. Es geht hier nicht nur um neue faire Konditionen-Modelle, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Unabhängigen Buchhandlungen und Verlage. Die Herausforderungen der Zukunft werden wir nur durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit unter gleichberechtigten Partnern bestehen. Denn es könnte sein, daß die Verdrängung Unabhängiger Buchhandlungen nur der erste Akt ist, dem die Verdrängung Unabhängiger Verlage auf dem Fuße folgt.

September 2007

Der Vorstand von AUB e.V.:
Hartwig Bögeholz, „Jürmker“ Bücherstube Gmbh, Bielefeld
Uwe Fischer, Buchhandlung Uwe Fischer, Dormagen
Lutz Herberg, Bargteheider Buchhandlung, Bargteheide
Christian Röhrl, Bücherwurm, Regensburg

V.i.S.d.P.: Hartwig Bögeholz, „Jürmker“ Bücherstube GmbH, Amtsstr. 34, D-33739 Bielefeld

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