Anna Amalias Regale füllen sich aufs Neue: Wichtige Zeugnisse des 30-Jährigen Krieges wurden wiederbeschafft

Die Regale der Herzogin Anna Amalia Bibliothek [mehr…], [mehr…], [mehr…] füllen sich von Tag zu Tag erneut mit kostbaren Schätzen, die viele der Brandverluste ersetzen. Dabei werden immer wieder außergewöhnliche Bücher neu entdeckt. Unter den jüngsten Bestellungen der Bibliothek beim ZVAB, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher – maßgebliche Wiederbeschaffungsquelle und Kooperationspartner der Bibliothek – befinden sich zwei bedeutende Zeugnisse aus dem Umfeld des Dreißigjährigen Krieges, die Geschichte lebendig werden lassen:

“Der ander Post Reuter” vom 19. Juli 1620, ein Pappband im Stil der Zeit, ist ein seltenes Exemplar, das in den Kontext der Glaubenskriege zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges gehört: Inhaltlich nimmt der unbekannte, wahrscheinlich geistliche Autor Bezug auf frühere, ähnliche Drucke wie etwa den aus dem Italienischen übersetzten “Postreuter” von 1620 und steht in der Tradition vergleichbarer “Postillen” wie zum Beispiel von Rollenhagens “Post Reuter”, einer Beschreibung aktueller politischer Ereignisse aus dem 16. Jahrhundert.

Der vermutlich protestantische Anonymus kritisiert in der hochinteressanten Streitschrift “Der ander Post Reuter” die Unterdrückungspolitik der Habsburger gegenüber dem aufständischen Böhmen, das weltliche Machtstreben des Papstes, die Greueltaten der Spanier in den überseeischen Kolonien und auch den Jesuitenorden. Über ein ZVAB Mitgliedsantiquariat in Nürnberg konnte dieser seltene Titel für 457 Euro angeschafft werden.

Ein weiteres wichtiges Werk des frühen 17. Jahrhunderts wurde von einem ZVAB Mitgliedsantiquariat aus den USA an die Bibliothek geliefert: “Le Prince” von Seigneur de Jean-Louis Guez Balzac aus dem Jahr 1631 enthält einen Brief des Autors an den Kardinal Richelieu, der den als Erneuerer der französischen Sprachen geltenden Balzac als Geschichtsschreiber am Hof eingestellt hatte. Bei dem Titel im Wert von 1.500,00 US-Dollar handelt es sich um eine Verteidigungsrede für Louis XIII. und Kardinal Richelieu; das Buch gilt ebenfalls als ein wichtiges geschichtliches Zeugnis aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

“Die beiden Beispiele aus dem 17. Jahrhundert markieren einen der Schwerpunkte unserer derzeitigen Ersatzbeschaffung”, sagt Dr. Johannes Mangei, Erwerbungsleiter der Anna Amalia Bibliothek, den Neuankauf besagter Titel.

Mit dem ZVAB besteht seit 2005 eine Kooperation, die durch den Abgleich der Angebotsdatenbank mit den Verlustdaten zur Ersatzbeschaffung beiträgt. Von den beim Bibliotheksbrand 2004 vernichteten Büchern konnten inzwischen mehr als 160 Werke im Gesamtwert von 56.000 Euro zentral über ZVAB-Mitgliedsantiquariate aus der ganzen Welt wiederbeschafft werden. Dazu kommen zahlreiche weitere Einzelbestellungen bei den Partnerantiquariaten, Käufe bei Auktionen und Geschenke. Insgesamt wurde die Weimarer Sammlung seit dem Bibliotheksbrand um mehr als 600 Werke des 17. Jahrhunderts ergänzt.

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