Uwe Kalkowski über den 10. RWS-Buchhändlertreff Buchhändler auf Büdchentour

Am 30. Juni 2017 fand zum zehnten Mal der RWS-Buchhändlertreff statt. Der Kölner RWS Verlag hatte Fachbuchhändlerinnen und Fachbuchhändler aus ganz Deutschland eingeladen und auf die 20 Teilnehmer wartete ein abwechslungsreiches Programm.

Der Buchhändlertreff startete nach einer Begrüßung mit einem Fachvortrag von Oliver Hinte, den der Verlag als Referenten gewinnen konnte. Hinte ist Fachreferent Rechtswissenschaft an der Universitätsbibliothek Köln und Geschäftsführer der dortigen Fachbibliothek Rechtswissenschaft. Weiterhin ist er Sprecher des Aktions­bündnisses Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft sowie Rechtsberater des Verbandes der Bibliotheken NRW (vbnw).

Vortrag: Fachreferent Oliver Hinte rief die interessierten Buchhändler dazu auf, sich im Dienste der Kunden neuen Bestellmöglichkeiten wie etwa der Warenkorbfunktion nicht zu verschließen und viel auszuprobieren

In seinem Vortrag sprach Oliver Hinte über Informationsbeschaffung und Informationsnutzung einer großen Universitätsbibliothek und ging dabei auf Anforderungen und aktuelle Entwicklungen ein. Die Bibliothek des Fachbereichs Rechtswissenschaft wird ausschließlich über den Buchhandel vor Ort beliefert. Er betonte dabei vor allem die subjektive Seite von Geschäftsbeziehungen, entscheidend sind meist persönliche Beziehungen zwischen den Geschäftspartnern. Ihm sind dabei folgende Kriterien wichtig: Persönliche Ansprechpartner, die zuverlässige Einhaltung von Fristen, pragmatische Vorgehensweise, eine Kontinuität in der Zuständigkeit der Ansprechpartner – und nicht zuletzt das Ladenlokal einer Buchhandlung, in dem man sich unmittelbar informieren und austauschen kann. Dabei sei die Buchpreisbindung ein Segen für alle Beteiligten, da es dadurch keinen Wettbewerb über den Preis geben kann, der bewährte und zuverlässige Strukturen zerschlagen würde.

Oliver Hinte

Oliver Hinte rief Buchhändler dazu auf, sich im Dienste der Kunden neuen Bestellmöglichkeiten wie etwa der Warenkorbfunktion nicht zu verschließen, viel auszuprobieren, sich neue Kommunikationsformen zu eigen zu machen, zu bloggen, zu twittern, auf Facebook aktiv zu sein, mit Hilfe etwa eines Cafés die Buchhandlungen zu Treffpunkten zu machen, sich nicht auf dem Status quo auszuruhen.

Neben dem Beschaffungswesen sprach Hinte auch über seine anderen Tätigkeiten, zu denen u.a. auch Lobbyarbeit gehöre – damit der Börsenverein nicht alleine vor der Türe des Ministeriums stünde. Diesen kleinen Seitenhieb konnte sich der Sprecher des Aktions­bündnisses Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft vor dem Hintergrund der aktuellen urheberrechtlichen Entwicklungen nicht verkneifen. Aber dabei war es ihm auch wichtig zu betonen, dass Bibliotheken, der Buchhandel und die Verlage letztendlich am selben Strang ziehen, denn diese drei Institutionen sind die drei Säulen und die Infrastruktur der Wissenschaft. Das grundsätzliche Problem aktueller politischer Entwicklungen sei vor allem, dass die Politik die Funktionsweise dieser Infrastruktur nicht verstehe. Warum gäbe es z.B. keinen Schulterschluss zwischen Bibliotheken, dem Buchhandel und den Verlagen, um endlich eine einheitliche E-Bundle-Besteuerung durchzusetzen – gerade vor dem Hintergrund, dass die rechtliche Grundlage dafür jetzt ja durch die EU-Gesetzgebung existiert.

Insgesamt war der Vortrag von großem Respekt für die Leistung des Buchhandels bei der Versorgung der Bibliotheken geprägt, untermalt mit zahlreichen Beispielen, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit aussieht.

Nach einer Pause ging es mit der Straßenbahn zum zweiten Teil des RWS-Buchhändlertreffs: Einer Büdchentour durch den lebendigen Kölner Stadtteil Sülz. Büdchen, Kioske oder wie immer man sie nennen mag, sind ein wichtiger Bestandteil der Sozialgeschichte Kölns und des Rheinlands.

Programmpunkt: Eine Büdchentour durch den Kölner Stadtteil Sülz

 

Stadtführer Bruno Knopp brachte der Buchhändlergruppe diesen Aspekt der Stadtgeschichte nahe

Stadtführer Bruno Knopp brachte der Buchhändlergruppe diesen Aspekt der Stadtgeschichte nahe. Im Zeitalter der Industrialisierung wurden diese Büdchen ab ca. 1860 gezielt als Versorgungsstellen der Bevölkerung geplant. Bis heute gehören die etwa 1.000 Büdchen in Köln zu den Nahversorgern in den Stadtteilen, sind Orte der Kommunikation, soziale Treffpunkte und aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Bei einem zweistündigen Rundgang lernten die Teilnehmer des RWS Buchhändlertreffs eine bunte Mischung unterschiedlichster Büdchen kennen – von einem Kiosk, der nach Gesichtspunkten moderner Ladenplanung eingerichtet war, über ein Büdchen im Originalzustand von 1947 bis hin zu einem Büdchen, das letztes Jahr von einer Gruppe Anwohner nebenberuflich übernommen wurde und sich zu einem kulturellen Treffpunkt des Viertels entwickelt hat.

Dazu gab es Geschichte und Geschichten, viel Wissenswertes, Süßigkeiten und ein obligatorisches Gehbier. Und danach endete der Tag dort, wo in Köln alles endet: Im Brauhaus. Viele Gespräche, fachlicher Austausch, persönliches Kennenlernen – der RWS Buchhändlertreff 2017 bot dafür reichlich Gelegenheiten.

Im Blog „Claudia plaudert“ hat eine der Teilnehmerinnen ihren Eindruck vom RWS-Buchhändlertreff veröffentlicht.

Uwe Kalkowski

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.