Börsenverein Börsenvereins-Wirtschafts-Pressekonferenz: Buchbranche zeigt sich stabil und zukunftsfähig

Matthias Heinrich, Heinrich Riedmüller,
Alexander Skipis und Claudia Paul

Auf der heutigen Wirtschafts-Pressekonferenz des Börsenvereins in Frankfurt stellten Heinrich Riethmüller, Matthias Heinrich und Alexander Skipis die relevanten Zahlen für das Jahr 2015 vor.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und gehen selbstbewusst und optimistisch ins Jahr“, stellte Hauptgeschäftsführer Skipis fest. „Die Branche hat sich in den letzten zehn Jahren enorm entwickelt. Alle Prognosen zu Beginn des Umbruchs liefen auf ein Desaster hinaus. Doch das ist ausgeblieben.“

Zwar habe es eine „schmerzhafte Lernkurve“ gegeben, doch das Buch sei in der Gesellschaft fest verankert, Digitalisierung und Internet seien als Chancen begriffen worden.
Inzwischen sei es an anderen, umzudenken – der bloße Versand von Büchern reiche nicht mehr aus. Vielmehr sei die Arbeit auf diversen Vertriebskanälen gefragt. Auch die Verleger hätten sich auf die neuen Anforderungen umgestellt.

„Die Branche wird daran gemessen, welchen Beitrag zum gesellschaftlichen Gelingen sie leistet. Und bei uns ist er hoch“, unterstrich Skipis.

Als Beispiel für eine erfolgreiche Entwicklung führte Skipis an, dass der Tolino-Reader nach nur zwei Jahren den Kindle-Reader überholt habe. „Offene Systeme sind gefragter als geschlossene“, bilanzierte der Hauptgeschäftsführer.

Sorgen bereite nach wie vor das BGH-Urteil zur VG Wort. „Verlage haben etwa ein Drittel ihrer Erlöse über die VG Wort erhalten“, nannte Skipis Zahlen. Durch das Urteil seien kleine und mittlere Verlage existenziell bedroht, Rückzahlungen ab 2012 in Höhe von insgesamt 300 bis 350 Millionen Euro – 100 Millionen Euro davon für die VG Wort – stünden im Raum. „Wir suchen nach Möglichkeiten, diese Rückforderungen abzufedern und sind im Gespräch.“ Auch Autoren seien nicht glücklich mit dem Urteil, letztendlich betreffe es auch die Honorare der Schriftsteller.

Vorsteher Heinrich Riethmüller stellte die ersten Branchenzahlen vor. Bei einem Gesamtumsatz von 9,188 Milliarden Euro im Jahr 2015 (minus 1,4 Prozent zu 2014) haben die Buchgemeinschaften (minus 36,9 Prozent) und der Versandbuchhandel (minus 26,4 Prozent) die höchsten Einbußen zu verzeichnen. Der Sortimentsbuchhandel sei zwar mit 3,4 Prozent Minus zurückgegangen, habe aber dennoch mit 48,2 Prozent (4,43 Milliarden Euro) den größten Anteil am Gesamtumsatz. „Der Rückgang hat auch mit der sinkenden Frequenz in den Innenstädten zu tun. Betroffen ist schließlich der gesamte Einzelhandel“, kommentierte Riethmüller.

Der Internetbuchhandel legte 6 Prozent zu und erreichte damit einen Anteil von 17,4 Prozent und 1,6 Milliarden Euro, etwa 50 bis 70 Prozent davon entfallen auf Amazon, wird geschätzt.

Betrachtet man die Warengruppen, verzeichnen Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft (minus 4,2 Prozent) und Ratgeber (minus 4,5 Prozent) die größten Verluste. Das Sachbuch konnte dagegen mit plus 1,6 Prozent als einzige Warengruppe zulegen.

76.547 Titel wurden im Jahr 2015 produziert, knapp 3.000 mehr als 2014. Übersetzungen sind mit 9.454 Titeln etwas zurückgegangen (2014: 9.962), Lizenzen dagegen sind von 6.443 im Jahr 2014 auf 7.521 gestiegen.

„Der E-Book-Markt verzeichnet eine Steigerung von 4,7 Prozent und somit kein dramatisches Wachstum, sein Anteil am Gesamtumsatz beträgt 4,5 Prozent“, konstatierte Riethmüller. In den USA dagegen sei ein Rückgang von 12,3 Prozent zu verzeichnen. „Insgesamt wurden in Deutschland 27 Millionen E-Books verkauft. Der Preis ist leider auf durchschnittlich 6,82 Euro gesunken – das kann weder dem Buchhändler noch dem Verleger gefallen“, äußerte Riethmüller.

Der E-Book-Kunde kauft durchschnittlich sieben elektronisch Bücher pro Jahr. „3,9 Millionen Menschen entschieden sich 2015 für elektronische Bücher, das sind 5,7 Prozent der Bevölkerung“, erläuterte Riethmüller. Die Zahl derer, die sich sowohl für Print als auch für das digitale Format entscheiden, steigt.

Verlage investieren eher in neue Produkte als in neue Prozesse. 80 Prozent aller Buchhandlungen haben inzwischen einen Webshop, ob und wie dieser genutzt wird, kann allerdings kaum evaluiert werden.

Die Sprecherin des Börsenvereins, Claudia Paul, wies zudem auf die Initiative Content Shift [mehr…] hin; noch bis zum 30. Juni können sich Start-ups und etablierte Unternehmen für dieses Förderprogramm bewerben, mehr dazu finden Interessierte unter www.contentshift.de.

2016 zeigt die Umsatzentwicklung im Buchhandel übrigens nach oben – in den ersten drei Monaten wurde ein Plus von 1,9 Prozent erwirtschaftet. Ob das für das gesamte Jahr hält, wird sich zeigen.

Alle Zahlen und Details sind auf www.boersenverein.de/buchmarkt2015 zu finden, das gedruckte Kompendium Buch und Buchhandel in Zahlen 2015 wird im August vorliegen.

JF

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