Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Dr. Heker zum neuerlichen Preisbindungsdebakel mit Brüssel: Das wird die nächsten Jahre Zeit, Geld und Nerven kosten

So ist man es von der EU-Kommission gewohnt, weiß Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Dr. Harald Heker: Kurz bevor die Herrschaften Ende Juli in Urlaub gehen, sorgen sie noch einmal für Aufruhr. Diesmal ist wieder die deutsche Buchbranche an der Reihe, und obwohl Heker überzeugt ist, dass man in Brüssel nichts Belastendes in der Hand haben kann, weil eben keine Absprachen erfolgt sind, wie unterstellt wird, musste die Kommission nach ihren spektakulären Razzien wohl nun doch tätig werden. Pikant ist, dass wieder einmal die Presse vor den Betroffenen informiert wurde – doch auch das, weiß Heker, der sich seit Jahren mit dem Problem herumschlägt, gehört zum Brüsseler Stil: „Auch wenn wir gehofft hatten, uns nun anderen Problemen widmen zu können, überraschend kommt der Vorstoß für uns nicht“, so Heker gegenüber dem BuchMarkt, der seltsamerweise als Zeuge für Konzernabsprachen in den Brüsseler Unterlagen angeführt wird. Nämlich wegen Interviews zu den damaligen Libro-Preisbindungsverstößen – und dass uns verschiedene Verlage unabhängig voneinander wissen ließen, sie werden Libro nicht mehr beliefern, soll nun als Beweis für die in Frage stehenden Absprachen herhalten. So, Herr Monti, sollten wir nicht missverstanden werden! Allerdings – wenn alle Belege in Brüssel von derartiger Güte sind, wird man den Verfahren mit Gelassenheit entgegentreten können. Die inzwischen über Reuters von Montis Pressesprecher dementierte Aussage, dass alle an der Buchpreisbindung beteiligten Verlage in das EU-Verfahren einbezogen werden sollen, steht aber so in den Unterlagen, bestätigt Heker und räumt ein, dass es in Brüssel mit der deutschen Übersetzung Probleme gegeben haben könnte. „Juristisch ist das nicht vorstellbar.“ Nicht nur vorstellbar, sondern ziemlich gewiss dagegen ist, dass nun ein neues Tauziehen um die Preisbindung begonnen hat, das nach Schätzungen von Heker gut fünf bis sechs Jahre dauern kann: „Schade um Zeit, Nerven und das viele Geld, das dabei wieder draufgehen wird.“

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.