Jahrestagung des AK Ratgeberverlage in Berlin

Gestern tagte der Arbeitskreis Ratgeberverlage im Haus der Stiftung Warentest in Berlin. Im Mittelpunkt des Programms standen das Thema Print-Ratgeber und die Kooperation zwischen Buchhandel und Verlagen.

Monika Schlitzer, Christof Klocker

Die Mitglieder des Sprecherkreises Monika Schlitzer (Dorling Kindersley), Christof Klocker (GU) und Julia Graff (Hädecke) begrüßten knapp fünfzig Teilnehmer. Zum Auftakt der Tagung kamen die Gastgeber zu Wort. Niclas Dewitz, Lektoratsleiter Bücher, und Christian Wagner, Vertriebsleiter Bücher bei der Stiftung Warentest, stellten ihr Buchprogramm vor, das sich als „Labor für Neues und Überraschendes“ versteht. Der Umsatz habe sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, auch der Absatz über den Buchhandel wachse kontinuierlich. 2012 machte er 74 Prozent des Umsatzes aus.

Viel beachtet wurde vor der Mittagspause der Vortrag von Marktforscherin Lisa Neundorfer (ifak) zum Thema Deeper Insights –was die Leser von Ratgebern bewegt. Um erfolgreich zu sein, muss man die Bedürfnisse der Zielgruppe genau kennen. Das wissen ihre Kunden, zu denen Verlage, Rundfunkanstalten und Lebensmittelkonzerne gehören. In Workshops und Rollenspielen lernt Lisa Neundorfer die Persönlichkeitsfacetten und das Wertesystem der Ratgeber-Zielgruppe kennen und findet heraus, was Menschen dazu veranlasst, ein Buch zu kaufen. „Man braucht einen Auslöser“, sagte sie. Das können Krankheiten sein, neue Lebensphasen oder ein Haustier. Dabei lassen sich die Menschen auch vom Internet, von Zeitschriften und Freunden inspirieren. Beim Ranking der Informationsquellen steht das Buch unangefochten an erster Stelle, gefolgt vom Internet und von Freunden. Alle Altersgruppen betrachteten das Buch als einen zuverlässigen Leitfaden, so Neundorfer. Eine Tatsache, von der Buchhandlungen durch angemessene Präsentation und kompetente Beratung profitieren können.

Über die Chancen des Print-Ratgebers im stationären Sortiment diskutierten am Nachmittag in einem von Tamara Weise moderierten Gespräch Carola Markwa (Lehmanns Media), Joachim Wrensch (Graff) und Olaf Geyer (Wittwer). Die drei Buchhändler meldeten Umsatzsteigerungen bei Print-Ratgebern, vor allem in den Bereichen Hobby und Basteln. Auch das Kochbuchsegment wachse trotz der Fülle an einschlägigen Webseiten. Dabei hätten sich Apps als hilfreiche Ergänzung erwiesen. „Das Angebot an Apps lässt das gedruckte Buch nicht verschwinden“, betonte Olaf Geyer.

Und noch etwas ist allen drei Buchhändlern gemeinsam. Sie setzen auf Vertreterbesuche und punkten mit Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Ratgeber. Das können Aktionstische sein, aber auch Koch- und Backveranstaltungen. Solche Events hätten Langzeitwirkung, so Wrensch. Zudem sollten die Vertreter gut auf die jeweilige Buchhandlung vorbereitet sein, damit man gemeinsam über Aktionen nachdenken kann. „Der Außendienstmitarbeiter kann ein wichtiger Motor für Sie sein“, betonte Markwa. Von den Verlagen wünschen sich die Buchhändler zudem eine effektive Pressearbeit. Die Medienpräsenz der Autoren spiele beim Abverkauf eine große Rolle. Und wenn es ein Autor in eine Talkshow schafft, sollte der Titel auch lieferbar sein.

Optimierungspotenzial sehen die Buchhändler bei der optischen Gestaltung der Ratgeber. Der Kunde registriere durchaus, wenn ein Buch innovativ gestaltet ist.

Und die Vorschau? Da lege der Handel nach wie vor Wert auf eine gedruckte Ausgabe. Dabei komme es darauf an, dass man schnell erkennt, an welche Titel der Verlag glaubt. Auch Displays und Werbemittel sollten ins Auge fallen.

Der mit Spannung erwartete Vortrag von Professor Sabine Wölflick von der Hochschule München zum Thema Zukunftstrends musste wegen des Hochwassers in Bayern ausfallen. Dennoch: Sowohl Verleger als auch Buchhändler nahmen Ideen und Anregungen mit nach Hause. Als erstes konkretes Ergebnis der Tagung wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem Thema Preisstruktur beschäftigen soll.

ml

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