Finanzbericht des Börsenvereins – Beitragserhöhung nach kontroverser Diskussion beschlossen, mit einer Modifikation

Jürgen Horbach

Jahresabschluß des Börsenvereins und der Vorschlag für eine „moderate Beitragserhöhung“ – so eröffnete Schatzmeister Jürgen Horbach seinen Beitrag. Mit einem launigen „Screenplay“ über den „Reptilienfonds“ des Vorstehers eröffnete Horbach seinen Bericht.

94.000 Euro Rückgang an Mitgliederbeiträgen sei eine Position, sagte Horbach, die so dramatisch nicht vorhersehbar war. Nicht realisiert werden konnte aus Finanzgründen ein deutscher Sachbuchpreis adäquat zum deutschen Buchpreis.

640.000 Euro Sonderabschreibung kostete das Leipziger Haus des Buches. Insgesamt also ein negatives Budget – trotzdem habe man ordentlich gewirtschaftet, so Horbach. Einige zu Buche schlagende Positionen seien so nicht vorhersehbar gewesen.

Stephan Joß plädierte dringend dafür, der Beitragserhöhung zuzustimmen – und nicht viele Jahre fruchtlos über neue Strukturen zu diskutieren. Der Verband müsse handlungsfähig sein und bleiben.

Mit weiteren Rückgängen bei den Mitgliederbeiträgen sei zu rechnen, sagte Horbach. Auch bei Personalaufwendungen werde es weitere Budgetüberschreitungen geben. 105.000 Euro sollen als „operativer Überschuß“ insgesamt zu Buche stehen. Der Haushaltsausschuß lobte vor allem die Transparenz der Finanzwirtschaft und bescheinigte dem Börsenverein ein effektives Wirtschaften. Mit großer Mehrheit wurde der Jahresabschluß vom Gremium in Berlin verabschiedet.

Abstimmung nach kontroverser Diskussion

Zur Budget- und Einnahmensicherung: Seit 2008 hat der Börsenverein sinkende Einnahmen zu verkraften. Seit 2007 stünden etwa 670.000 Euro weniger zur Verfügung – jährlich. Bisher wurde auf dieses jährlich wiederkehrende Defizit mit Kostensenkung reagiert, nun aber sei ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr gehe: Auch die Anforderungen der Mitgliedschaft an den Börsenverein (z.B. für die Bereitstellung statistischen Materials) seien gestiegen – jetzt aber sei beim Kostenstreichen ein Ende der Beweglichkeit erreicht. Die Beitragsanpassung sei dabei nur eine von mehreren Maßnahmen. Das Tarifsystem insgesamt werde nicht verändert.

63 Prozent der Mitglieder des Vereins sind Buchhändler – und insgesamt verliere der Börsenverein pro Jahr etwa 120 Mitglieder. 45 Prozent des gesamten Etats allerdings werden von 19 Prozent der Mitglieder aufgebracht. 60 Prozent der Einnahmen des Vereins stammen aus Mitgliederbeiträgen. Lizenzeinnahmen und Zinserträge kommen hinzu – bei der Haupteinnahmequelle, eben den Mitgliederbeiträgen, könnten die jährlichen Mindereinnahmen nicht länger hingenommen werden. Keineswegs aber sei es so, daß das neue Frankfurter Headquartier in der Braubachstraße mit höheren Kosten zu Buche schlage.

Fraglich sei, so nahm Horbach eine Aussage des Vorstehers vom Vormittag auf, ob die bisherige Struktur des Vereins in Bundesverband und Landesverbände für die Zukunft tragbar sei. Hier umzubauen, ohne natürlich an den Leistungen für Mitglieder zu sparen, sei ein Aufgabe für die nächsten Jahren.

Für einen Zeitraum von 5 Jahren soll im niedristen Beitragsbereich (Gruppe 1) um 1,5 Prozent erhöht werden (macht im Jahr etwa 75 Euro), in der Gruppe 2 soll um 2,5 Prozent erhöht werden – insgesamt, so hat es der Vorstand ausgerechnet, sollen damit rund 130.000 Euro in fünf Jahren in die Kasse gespült werden. Welchen Einfluß eine solche Beitragserhöhung für den Bundesverband auf die Beiträge der Landesverbände habe, müssen die Landesverbände individuell klären.

Kritisiert wurde, daß zum Durcharbeiten der Finanzberichte nur eine Woche zur Verfügung stand – in so kurzer Frist kann kaum ein Buchhändler sich mit dem Zahlenmaterial so intensiv befassen, daß er guten Gewissens Zustimmung (oder Ablehnung) erteilen kann. In der Kürze der Zeit sei nur “Abnicken” möglich.

Wo ist der Konzernbeitrag geblieben, fragte Manfred Keiper in der Diskussion. Dieser Beitrag aber, so Horbach, habe den Verband nur Geld gekostet.

Lorenz Borsche bat darum, zum Thema Beitragserhöhung eine eBuch-Präsentation http://ebuch.net/ vorführen zu dürfen – keineswegs aber sei die eBuch gegen eine Beitragserhöhung. In seiner Präsentation rechnete Borsche vor, daß in der geplanten Beitragserhöhung vor allem die unteren Beitragsgruppen überproportional belastet würden. Die eBuch also lehnt die vorgeschlagene Beitragserhöhung ab – und fordert eine Arbeitsgruppe, die sich mit einer gerechteren Beitragserhöhung beschäftigt – die dann 2014 in Kraft treten könne.

Campus-Verleger Thomas C. Schwoerer forderte, der Börsenverein solle sich eher auf seine Kernkompetenzen besinnen und so vielleicht Kosten einsparen. Brauche der Verein tatsächlich teure Marktforschungsergebnisse – die in der Vereinbilanz teuer zu Buche schlagen? Sein Verlag, so Schwoerer, betreibe natürlich Marktforschung – freilich ohne die Kosten dem Verband und somit allen Mitgliedern aufzubürden. Höhere Transparenz in der Finanzwirtschaft des Vereins sei nötig – man will mehr Geld von den Mitgliedern, also sollte man ihnen auch sagen, wofür.

Oliver Voerster bemängelte wie Borsche, daß mit der Beitragserhöhung wieder alte Wunden aufgerissen werden – nämlich die Diskussion um Beitragsgerechtigkeit. Keinesfalls sei er damit einverstanden, jetzt gleich eine solche Erhöhung für fünf Jahre festzuschreiben: zumal in der eine Erhöhung der Bücherpreise nicht zu beobachten sei – und damit natürlich auch keine Erhöhung der Gewinnmargen. Auch weitere Diskussionbeiträge bemängelten die Frist von fünf Jahren. Auch Manfred Keiper stimmte Borsche zu. Er dankte Horbach für die Transparenz, bemängelte aber, daß sich die Mitglieder nicht ausreichend mit der Beitragserhöhung befassen konnten – und somit sei seiner Meinung nach eine klare Beschlußfassung nicht möglich.

Karl-Peter Winters hingegen lobte die Stärke des Verbands gerade in derzeitigen Krisenzeiten und bat darum, der Beitragserhöhung zuzustimmen, um den Börsenverein auch weiterhin politisch schlagfähig zu halten.

Die Abstimmung ergab eine deutliche Mehrheit für die vorgeschlagene Beitragserhöhung, die Frist von fünf Jahren allerdings war nicht mehrheitsfähig. Nun wird die Beitragserhöhung drei Jahre gültig sein – dann kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung: 109 Ja-Stimmen, 54 Nein-Stimmen, 13 Enthaltungen wurden ausgezählt – Das Budget 2014 wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der Vorstand mit klarer Mehrheit entlastet.

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