Das deutsch-jüdische Jerusalem Berlin: Thomas Sparr präsentierte „Grunewald im Orient“

Mehr Besucher hätte man sich für eine Buchvorstellung im Jüdischen Museum Berlin nicht wünschen können. Der Große Saal war ausverkauft, als Thomas Sparr, Editor-at-Large beim Suhrkamp Verlag, gestern Abend sein neues Buch Grunewald im Orient vorstellte, das jetzt im Berenberg Verlag erschienen ist.

Thomas Sparr und sein Verleger Heinrich von Berenberg

Im Gespräch mit Cilly Kugelmann, der früheren Programmdirektorin des Jüdischen Museums, erzählte Thomas Sparr von dem Jerusalemer Stadtteil Rechavia. Er wurde in den 1920er Jahren als Gartenstadt angelegt und von den Bewohnern  „Grunewald im Orient“ genannt, nach dem vornehmen Viertel in Berlin. Rechavia war die Hauptstadt der Jeckes. Hier lebten unter anderem Else Lasker-Schüler, Gershom Scholem, Werner Kraft, Anna Maria Jokl, Mascha Kaléko und Martin Buber.

Der Literaturwissenschaftler Thomas Sparr, der von 1986 bis 1989 an der Hebräischen Universität in Jerusalem und am dortigen Leo Baeck Institut tätig war, zeichnet das Bild von Rechavia und der Menschen, die hier einen lebhaften deutsch-jüdischen Mikrokosmos bildeten. Dabei beleuchtet er einen Zeitraum, der von der Weimarer Republik bis zum Anfang der 1960er Jahre reicht. Nicht nur Sparrs anschauliche und kenntnisreiche Berichte aus Rechavia, auch die Fotos, die zum großen Teil im Buch enthalten sind, begeisterten gestern das Publikum.

Cilly Kugelmann lobte die Verwebung von Zeitgeschichte und Architektur mit dem Schicksal der Menschen, die in Rechavia lebten. Diese Mischung aus Humor, Episoden und Geschichte habe ihr besonders gefallen. „Sie werden das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen“, versprach sie den Gästen, die lange klatschten und nach dem offiziellen Teil genügend Gesprächsstoff für den anschließenden Empfang hatten.

Thomas Sparr wird sein Buch Grunewald im Orient auch auf der Leipziger Buchmesse vorstellen. So ist er beispielsweise am 15. März, 19 Uhr im Rahmen der „Jüdischen Lebenswelten“ im Ariowitsch-Haus (Zentrum Jüdischer Kultur, Hinrichsenstr. 14, 04105, Leipzig) zu Gast.

ml

 

 

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