„Du kommst rein und bist spontan verliebt“ Berlin: Großer Andrang beim 90. Geburtstag der Marga Schoeller Bücherstube

„Die hätten die ganze Straße mieten sollen“, scherzte ein Gast, als er sich durch das auf dem Bürgersteig aufgebaute Partyzelt einen Weg ins Innere der Buchhandlung bahnte. Mehr als 250 Gäste, darunter Stammkunden, Kollegen, Verleger, Vertreter und Freunde, waren gekommen um auf das 90-jährige Jubiläum der Marga Schoeller Bücherstube anzustoßen.

Ruth Klinkenberg begrüßt die Gäste

Geschäftsführerin Ruth Klinkenberg begrüßte das Publikum und erwähnte, dass auch Enkel und Urenkel von Marga Schoeller unter den Gästen waren. Außerdem stellte sie Florian Schoeller, einen Verwandten der Gründerin, vor. Der Unternehmer hatte vor zwei Jahren alle Geschäftsanteile der GmbH übernommen. „Damit ist die Buchhandlung in dritter Generation im Familienbesitz“, so Ruth Klinkenberg, die heute die Geschäfte allein führt, nachdem Marga Schoellers Sohn Thomas Rodig vor Kurzem aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist.

Bücher begleiten auch Florian Schoeller fast sein Leben lang. Mit neun Jahren habe er Der Schatz im Silbersee von Karl May gelesen und seither habe ihn die Faszination für Bücher nicht mehr losgelassen, erzählte er. „Bücher bieten die Möglichkeit, Raum und Zeit zu überwinden.“ Buchhandlungen seien keine gewöhnlichen Orte. „Ein besonderer Geist wohnt Buchhandlungen inne“, betonte Schoeller und lobte die Hingabe, mit der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marga Schoeller Bücherstube Tag für Tag im Laden stehen. Diese Hingabe habe auch Marga Schoeller besessen und ihren Mitarbeitern eingeimpft. An dieser Stelle brachte er auch die Kunden ins Spiel: „Ohne Sie würde es diese Geschichte nicht geben“, so Schoeller.

Thomas Rodig, Florian Schoeller

Auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer ließ es sich nicht nehmen persönlich zu gratulieren. In einer kurzen Ansprache drückte er seine Begeisterung für die älteste noch existierende Buchhandlung in Charlottenburg-Wilmersdorf aus: „Du kommst rein und bist spontan verliebt“, sagte er. „Kunden und Freunde des Hauses waren und sind ein Who is who? der internationalen Literatur und Kunst. Bis in die Neuzeit. Das ist unvergleichlich und ich bin voller Ehrfurcht vor dieser Geschichte.“ Der Schauspieler, Autor und Verleger Hanns Zischler beschrieb in einem geistvollen Festvortrag wie eine Buchhandlung sein soll: so wie die Marga Schoeller Bücherstube mit ihren immer emsigen Buchhändlerinnen und Buchhändlern. Eine Steilvorlage für zukunftsfrohe Gespräche.

Die Gäste stießen jedenfalls bis tief in die Nacht auf den Erfolg und die Zukunft der Buchhandlung an. „Sehr schön!“, „Wunderbar!“ kommentierten sie den gelungen Abend, der zeigte, dass man bei Marga Schoeller nicht nur etwas vom Bücherverkaufen, sondern auch von Kundenpflege versteht. Und vom Feiern sowieso. Zum Jubiläum ließ die Buchhandlung kunterbunte Lesezeichen mit Autografen aus ihrem Gästebuch drucken: von James Baldwin, Martin Buber, Erich Kästner, Aldous Huxley und anderen. Und als Geschenk konnten die Gäste die schön gestaltete Festschrift 90 Jahre Marga Schoeller Bücherstube mit nach Hause nehmen. Enthalten sind die Geschichte der Buchhandlung mit zahlreichen Fotos von 1929 bis heute, Erinnerungen von Kunden, Auszüge aus dem Gästebuch und aus Romanen, in denen sich Autorinnen und Autoren über die Marga Schoeller Bücherstube geäußert haben, sowie Briefe. Mascha Kaléko schrieb 1956 an Heinrich Maria Ledig-Rowohlt „In Berlin hatte nur Frau Schöller das Buch [Das lyrische Stenogrammheft] intelligent ausgestellt, nämlich aufgeschlagen, sodass die Leute in der Passage das lesen konnten.“

ml

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