Mark Roseman mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2003 ausgezeichnet

Das Buch “In einem unbewachten Augenblick. Eine Frau überlebt im Untergrund” von Mark Roseman,in der Übersetzung von Astrid Becker im Aufbau Verlagerschienen, erhielt in diesem Jahr den Geschwister-Scholl-Preis.

Zum 24. Mal zeichneten der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Landeshauptstadt München ein Buch aus, das von “geistiger
Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben”, wie es in den Statuten heißt.

Das Buch erzählt die Geschichte der 1923 geborenen deutschen Jüdin Marianne Strauß aus Essen, die im August 1943 unmittelbar vor der Deportation ihrer Familie durch die Gestapo untertauchte und den Nationalsozialismus im Untergrund überlebte. Sie fand Helfer, vor allem Unterschlupf bei zahlreichen Mitgliedern der von Artur Jacobs begründeten Organisation: “Bund. Gemeinschaft für sozialistisches Leben”,
deren Wirken Mark Roseman erstmals ausführlich darstellt.
Ihre außergewöhnliche Geschichte, festgehalten in Form von Tagebüchern, Briefen und Dokumenten, blieb ein halbes Jahrhundert unerzählt.
Mark Roseman hat Marianne Strauß-Ellenbogen bis zu ihrem Tode 1996 motiviert, erste wichtige Stationen ihres Lebens freizugeben, aber erst nach ihrem Tod konnte er mit Hilfe und Einwilligung des Sohnes für ihre Biographie recherchieren und sie veröffentlichen.
Marianne Strauß hatte sich auf diese schmerzliche Konfrontation mit der Erinnerung nur deshalb eingelassen, um ihren bis heute unbekannten Helfern ein Denkmal zu setzen: “Es gab Deutsche, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt hatten und die deshalb Möglichkeiten suchten und fanden, verfolgten jüdischen Bürgern zu helfen.”

Die Verleihung fand am 24. November 2003 in der großen Aula der
Ludwig-Maximilians-Universität München statt.
Unter den rund 600 geladenen Gästen waren neben zahlreichen Kolleginnen und Kollegen der Buchbranche Vertreter des Stadtrats, der jüdischen Gemeinde, der Stiftung Weiße Rose,
des Vereins Weiße Rose Institut, der Universität,der Medien sowie ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger.

Mark Roseman wurde von seinem Verleger Bernd F. Lunkewitz sowie dem Sohn von Marianne Strauß,Vivian Ellenbogen, begleitet.

Nach einem Grußwort von Prof. Bernd Huber, Rektor der
Ludwig-Maximilians-Universität München, sprachen der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Christian Ude, und Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V.
Imo Moszkowicz, der Marianne Strauß kurz vor seiner Deportation nach Auschwitz persönlich kennen gelernt hat und in
Rosemans Buch als Zeitzeuge auftritt, hielt die Laudatio.
Sowohl diese Laudatio als auch die anschließende Rede von Mark Roseman sind im Internet unter www.buchhandel-bayern.de in voller Länge veröffentlicht.

In der Begründung der Jury (Ulrich Chaussy, Sabine Dultz, Dr. Ingeborg Harms, Gert Heidenreich, Prof. Dr. Hans-Günter Hockerts, Susanne Höhn, Dr. Heribert Prantl, Elke Schmitter, Dr. Gustav Seibt) heißt es:
“Mark Roseman macht in seinem Buch ‘In einem unbewachten Augenblick’ in exemplarischer Weise deutlich, dass es couragierten Deutschen auch im nationalsozialistischen Terrorsystem möglich war, Verfolgten beizustehen, die ohne fremde Hilfe trotz heldenhaften eigenen Widerstandes nicht überlebt hätten.
Damit erinnert er an das Vermächtnis der Geschwister Scholl, in
deren Namen der Preis verliehen wird.

Mark Roseman, geboren 1958 in London, ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität von Southampton. Für die englische Originalausgabe “The Past In Hiding” von “In einem unbewachten Augenblick” bekam er eine Reihe bedeutender Preise, darunter 2000 den Fraenke Prize für das beste historische Werk, der von der Wiener Library, London vergeben wird und 2001
den Wingate Prize für das beste Sachbuch.
“The Past In Hiding” wurde außerdem 2000 als Book of the Year vom Sunday Telegraph und Observer vorgeschlagen.
Mark Roseman gewann außerdem zahlreiche Stipendien, u.a. für
ausgedehnte Recherchereisen in Deutschland.
Als Publizist und Wissenschaftler arbeitet er seit Jahren im Bereich der Quellenforschung und analysiert den Stand der historischen Forschung zur NS-Bürokratie, wie unter
anderem in seiner Publikation zur Wannsee-Konferenz.

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