Jerusalem-Preis für António Lobo Antunes

Der portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes ist Preisträger des Jerusalem-Preises für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft 2005.

Der Jerusalem-Preis wird Lobo Antunes vom Bürgermeister Jerusalems, Uri Lupolianski,

Lobo Antunes bei Luchterhand

während der 22. Internationalen Buchmesse übergeben, die vom 13. bis 18. Februar 2005 im Jerusalem International Convention Center, Binyanei Ha’ooma, stattfindet.

Die Jury, bestehend aus dem Vorsitzenden Dan Meridor, dem Literaturwissenschaftler und Leiter des Porter Institute der Tel Aviv University Professor Ziva Ben-Porat, und dem Autor Haim Be’er, entschied, den Jerusalem-Preis 2005 an den Schriftsteller António Lobo Antunes zu vergeben.

Mit dem Preis wird im Rahmen der Jerusalem International Book Fair jeweils ein angesehener Schriftsteller ausgezeichnet, dessen Werke sich mit dem Thema der Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft auseinandersetzen.

António Lobo Antunes ist einer der begabtesten und berühmtesten Schriftsteller seiner Generation. Sein umfangreiches Werk, das 16 Romane und zwei Artikelsammlungen umfasst, erhielt weltweite Anerkennung und brachte ihm den Vergleich mit großen Namen des 20. Jahrhunderts ein, von Tolstoi und Gogol bis hin zu Virginia Woolf, Faulkner, Conrad und Marx ein. Lobo Antunes’ Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und in seinem Heimatland wiederholt neu aufgelegt. Derzeit wird in Portugal eine Gesamtausgabe all seiner Werke zu Ehren des 25. Jubiläums der Erstpublikation seines Debutromans Elefantengedächtnis vorbereitet.

In der Begründung der Jury zur Wahl heißt es, Lobo Antunes schreibe von wahrer Gleichheit in allen zwischenmenschlichen Beziehungen. Er besitze die Fähigkeit, das beständige Streben nach Mitgefühl und Liebe in der Welt zu beschreiben. Seine Arbeit stellt die Rolle der Literatur als Instrument dar, die Welt zu verstehen, so dass das Konzept der „Erfahrung“ eher die Form der schriftstellerischen Aktivität annimmt, als die der gelebten Wirklichkeit.

Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren, wuchs während der Diktatur Salazars auf und erlebte die „Nelkenrevolution“. Lobo Antunes studierte Medizin und spezialisierte sich auf Psychiatrie. Zwischen 1971 und 1973 diente er als Militärarzt im angolanischen Krieg, und erfuhr somit die Bedeutung des Kolonialismus aus erster Hand. Sein Beruf, seine Kindheitserinnerungen und Lebenserfahrungen lieferten reichhaltiges Material für seine Bücher. Der größte Teil seines Schaffens spiegelt die Verflechtung seiner persönlichen Biografie mit der Geschichte seines Heimatlandes, seine post-moderne Sensibilität und Weltsicht.

Lobo Antunes begann seinen literarischen Werdegang mit der Veröffentlichung eines Gedichtbandes im Alter von nur 14 Jahren. Sein erster Roman, Elefantengedächtnis, wurde 1979 veröffentlicht, als er 37 Jahre alt war. Der Held des Buches, ist ein Arzt und Psychiater, der als Militärarzt während des Kolonialkriegs diente. Sein zweites Buch, Der Judaskuß, das im selben Jahr erschien, fand internationale Anerkennung und wurde in über 12 Sprachen übersetzt. Dieses Buch ist der verzweifelte Monolog eines ehemaligen Soldaten in Angola gegenüber einer einsamen Frau, die er in einer Bar trifft.
In seinen Büchern beschreibt Lobo Antunes eindrucksvoll, wie Unterdrückte als auch Unterdrücker darunter leiden, daß sie fremdbestimmt sind. Er zeigt bedeutende historische Ereignisse aus der Sicht von Individuen, die oftmals daran zerbrechen, da Ihnen die Umstände dieser Ereignisse als unbegreiflich erscheinen.
Der erste, ins Hebräische übertragene Roman des Autors Der Reigen der Verdammten gewann das Lob der Kritiker. „Lobo Antunes lädt uns ein, einer anderen, erstaunlichen Stimme zu lauschen– erstaunlich in ihrer Kreativität, in ihrer Fähigkeit, den Wahnsinn zu streifen und eine karnevaleske Atmosphäre am Rande des Todes zu erschaffen. Lobo Antunes verwendet in seinem Roman eine verfluchte Familie als Allegorie auf das Schicksal der portugiesischen höheren Gesellschaft, die sich am Vorabend der Revolution in der Gosse wälzt.“

Die Jury strich außerdem heraus, daß Lobo Antunes der Jerusalem-Preis in Anerkennung der Tatsache zugesprochen werde, daß „neben seiner erzählerischen Fähigkeit das Tragische mit dem Komischen zu verweben, das Schöne mit dem Hässlichen, das Triviale mit dem Bedeutenden, seine Arbeit einzigartig in der Art und Weise ist, wie er die zerbrechliche, trügerische Wesensart menschlicher Freiheit beschreibt.“
Der Preis wird während der Jerusalem International Book Fair übergeben. Die Preisvergabe findet seit 1963 jeweils im Abstand von zwei Jahren statt.

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