Internationaler Literaturpreis in Berlin an Shumona Sinha und Lena Müller verliehen

Im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) nahmen gestern Abend die Autorin Shumona Sinha und die Übersetzerin Lena Müller den Internationalen Literaturpreis für den Roman Erschlagt die Armen entgegen [mehr…]. Die Übersetzung aus dem Französischen erschien im August 2015 in der Hamburger Edition Nautilus.

Shumona Sinha, Lena Müller

Bereits am Nachmittag zog es Berliner Literaturfreunde ins Haus der Kulturen der Welt. Unter dem Motto „Ausweitung der Lesezone“ standen Lesungen, Materialgespräche und Befragungen mit den diesjährigen Juroren sowie den Autoren und Übersetzern der Shortlist [mehr…] auf dem Programm. „Eine Reise durch die Erfahrungen des Lesens und des Übersetzens von Literatur“, wie Bernd Scherer, der Intendant des HKW in seiner Begrüßung betonte.

Jurymitglied Sabine Peschel hob in ihrer Laudatio den provokanten Grundton und die zornige Empathie des Preisträgertextes hervor, der trotz der harten Sprache eine lyrische Komponente habe. „Ich bin beeindruckt von der diagnostischen Kraft des Romans“. Die Originalausgabe erschien 2011 im Verlag Editions de l’Olivier in Paris und löste in Frankreich ein enormes Medienecho hervor. Shumona Sinha, die 1973 in Kalkutta geboren wurde und seit 2001 in Paris lebt, verlor nach der Veröffentlichung des Buches, das den Umgang mit dem Thema Asyl thematisiert, ihre Anstellung als Dolmetscherin bei der französischen Migrationsbehörde. In Anlehnung an Baudelaires Gedicht Erschlagt die Armen!, in dem ein Mann einen Bettler angreift, erzählt sie von einer jungen Frau, die als Dolmetscherin in einer Pariser Asylbehörde arbeitet und einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf zieht.

Als Lena Müller das Buch in einer Pariser Buchhandlung entdeckte, war sie fasziniert von der poetischen Sprache und der persönlichen Erzählperspektive, wie sie in dem von Thomas Böhm moderierten Materialgespräch sagte. Lena Müller war es auch, die den Roman dann der Edition Nautilus vorschlug.

Lena Müller habe der Übersetzung die ganze Wucht des Originals mitgegeben, betonte Sabine Peschel. „Ihre deutsche Romanfassung geht unter die Haut.“ An Shumona Sinhas appellierte sie: „Wir wollen mehr von Ihnen lesen!“ Nur gut, dass die Edition Nautilus schon bald wieder einen Roman von ihr veröffentlicht. Kalkutta, übersetzt von Lena Müller, erscheint im August. Diesmal erzählt Shumona Sinha von einer Kindheit in Indien. Auch dieses Buch wurde in Frankreich bereits mehrfach ausgezeichnet. Man darf also gespannt sein.

ml

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