Illustrationspreis für Øyvind Torseter

Øyvind Torseter mit Urkunde

Gestern verlieh das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum elften Mal den Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher. Er ging in diesem Jahr an den norwegischen Künstler Øyvind Torseter.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte die Gäste im historischen Saal und dankte besonders Arnd Brummer, Mitglied im Publizistischen Vorstand des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik und Chefredakteur des Magazins chrismon: „Ohne ihn gebe es diesen Preis nicht.“

„Bilder verleihen der Fantasie Flügel“, erklärte Peter Feldmann. „Als Vater einer fast dreijährigen Tochter weiß ich das“, fügte er hinzu. Gute Kinderbücher könne man immer wieder lesen und entdecke stets etwas Neues. Auch Erwachsene finden Verlerntes oder Vergessenes darin wieder. Man könne mit Kindern über alles sprechen, doch auf das „Wie“ komme es an.
Feldmann bezeichnete die Wahl der Jury, die auf Øyvind Torseter fiel, als „hervorragende Entscheidung.“

Die evangelische Publizistik leiste Herausragendes und trage zum gesellschaftlichen Leben bei. Sie sei eine Bereicherung der Medienlandschaft. „Schön, dass wir Sie in Frankfurt haben“, versicherte der Oberbürgermeister.

„Wir fühlen uns wohl in Frankfurt“, erwiderte Arnd Brummer. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik wolle die freiheitlichen Gedanken protestantisch mit prägen. „Das Wort steht für Protestantismus“, unterstrich Brummer und erinnerte an Martin Luthers Sendbrief vom Dolmetschen.
Bild und Wort seien Medien der Übermittlung und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Die Gegenwart sei von Hyperaktivität gekennzeichnet, überall sei von sozialen Netzwerken die Rede. „Doch was ist sozial an social media?“, fragte Brummer.
Umso wichtiger sei das Herausragende, das auch mit viel Zeit entstanden sei. Räume würden ausgelotet. Kunst ermögliche den herrschaftsfreien Diskurs der Sichtweisen.

„Der Preis soll auch anderen Künstlern Mut machen“, erklärte Brummer.

Für die Jury, der Prof. Dr. Dietrich Grünewald, Gabriele Kassenbrock, Thomas Linden, Birgit Nerenberg, Joachim Schmidt und Inge Sauer angehören, ergriff Letztere das Wort. Der Preis wird seit 1992 alle zwei Jahre vergeben und sei aktueller denn je, denn noch nie wurde unseren Hirnen eine derartige Informationsflut zugemutet wie heute. Diese nicht aufhörenden Bilder und Worte erlauben keine Reflexion, keine Stille, kein Innehalten. Gute Bilderbücher jedoch ermöglichen all das, bieten Raum zu Identifikation und zu Kreativität.
„Kinder wollen nicht, dass man sich zu ihnen hinabbeugt“, stellte Inge Sauer fest und forderte Unterhaltung auf Augenhöhe. „Schlichte Worte und einprägsame Bilder machen ein gutes Buch aus“, konstatierte die Jurorin.

Für den Preis waren 143 Bücher aus 56 Verlagen eingereicht worden. Nun gibt es einen Preisträger und zehn Empfehlungen.
Inge Sauer dankte ausdrücklich Arnd Brummer; er rettete den Preis über eine Reihe von Schwierigkeiten hinweg.

Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, hielt die Laudatio. Das Buch Papas Arme sind ein Bootvon Stein Erik Lunde (Text) und Øyvind Torseter (Illustrationen) ist bereits 1999 in Norwegen erschienen und wurde 2010 erstmals auf Deutsch im Gerstenberg Verlag publiziert. Die Übersetzung stammt von Maike Dörries. Der Künstler Øyvind Torseter erhielt mehrfach Auszeichnungen. Offenbar seien seine Bücher unwiderstehlich; weil er unterschiedliche Techniken souverän beherrsche, Comic, traditionelles Zeichnen und verschiedene Papierarten miteinander verbinde und die Plastizität der Darstellung für das Buch erhält. „Torseter ist ein Brückenbauer zwischen dem Wort und digitalen Arbeitstechniken“, würdigte Pohlmann und lobte die unprätentiöse Darstellung und den Verzicht auf ästhetische Glättung.
Am Ende ihrer Laudatio äußerte sie zwei Wünsche: Die Verleger mögen sich verstärkt für Torseter interessieren. Torseter selbst möge eine kleine Reihe illustrieren, vielleicht mit Jim Knopf und den Bremer Stadtmusikanten.

Nach der Übergabe der Urkunde bedankte sich Øyvind Torseter für die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung und dankte dem Autor des Buches, Stein Erik Lunde, für den wunderbaren Text und die gute Zusammenarbeit.

Anschließend konnten die Gäste eine kleine Ausstellung von Kinder- und Jugendbüchern besuchen und auch in den empfohlenen Büchern blättern.

JF

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