Hans Joachim Schädlich erhält den Joseph-Breitbach-Preis 2011

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, den die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und die Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben, hat den Berliner Schriftsteller Hans Joachim Schädlich als diesjährigen Preisträger für sein literarisches Gesamtwerk benannt.

Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 23. September im Stadttheater Koblenz statt. Die Laudatio hält Ruth Klüger.

Hier die Begründung der Jury: “Hans Joachim Schädlich sucht die Deformation des Menschen durch repressive und manipulative Ver¬hältnisse dort auf, wo sie unverfälscht ans Licht kommt: in beschädigter Sprache. Ein Proteus unter den Spracharbeitern, entwirft er Redemuster – Buch um Buch aufs Neue – die unwissentlich Wahrheit kund¬tun. Jeder seiner Prosatexte ist ein Kosmos kunstvoll falsch gesetzter Töne, Stachel im trägen Fleisch sprachlicher Übereinkünfte, und durchflackert von Ironien. Die große Kunst dieses Autors besteht darin, dass seine Texte nichts abbilden und nichts nachbilden, aber ihr völliges Erfundensein direkt von den Vital¬kräften des Lebens gespeist zu sein scheint. Seit Erscheinen seiner ersten Texte 1977 ist er modern, den wechselnden literarischen Moden allein durch Selbsttreue und Liebe zur Wahrheit eine Reflexionslänge voraus. Seine Bücher, von Tallhover (1986), einem aus Aktenvermerken zusammengesetzten Seelenbild des ewigen Spitzels, bis zu Kokoschkins Reise (2010), einer minimalistischen Bilanz aller Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts, besitzen die Kraft und unmittelbar evidente Gültigkeit der Parabel. Hans Joa¬chim Schädlich ist der große Erzähler unter den Nichterzählern: ein Lakoniker ohne die sonst unvermeid¬liche Mitgift des Sentimentalen, der aus Sprödheit musikalische Funken schlägt, mit höchster Künstlichkeit zu fiebernder Teilnahme nötigt, mit Sirenentönen zur Reflexion verlockt.”

Seit 1998 wird der Joseph-Breitbach-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, gemeinsam mit der Stiftung Joseph Breitbach an deutschsprachige Autoren aller Literaturgattungen – ungeachtet ihres jeweiligen Wohnsitzes – vergeben. Stiftung und Akademie entsprechen damit dem Willen des am 9. Mai 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach, der, in Koblenz geboren, in Paris und München gelebt hat. Zu den bisherigen Preisträger gehören Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer, Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkow¬ski, Ilse Aichinger, W.G. Sebald, Markus Werner, Thomas Hürlimann, Ingo Schulze, Dieter Wellershoff, Elazar Benyoëtz, Erika Burkart, Robert Menasse, Christoph Meckel, Herta Müller, Harald Weinrich, Raoul Schrott, Georges-Arthur Goldschmidt, Wulf Kirsten, Friedrich Christian Delius, Marcel Beyer, Ursula Krechel und Michael Krüger.

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