Hamburger Tüdelband an Finn-Ole Heinrich verliehen

Finn-Ole Heinrich las in Hamburg (Foto: Jonas Wölk)

Finn-Ole Heinrich hat heute Vormittag in Hamburg im Rahmen des Harbour Front Festivals das Hamburger Tüdelband erhalten. Es wird von Hamburger Schülern an deutschsprachige Autoren für ihre Auftritte vor Publikum verliehen. Im vergangenen Jahr ging es an Rafik Schami [mehr…].

Es herrschte gebannte Stille in der 764 Jahre alten Katharinenkirche, die während des Harbour Front Festival für Autorenveranstaltungen offen steht. Eine Stunde lang hörten gut 200 Hamburger Schülerinnen und Schüler dem Autor zu. Niko Hansen, der Festival-Sponsor Klaus-Michael Kühne und seine Frau Christine ehrten am ersten Tag nach der Eröffnung den jungen Autor. ZEIT-Redakteurin Kathrin Hörnlein moderierte die Veranstaltung in der hohen, hellen Kirche an diesem sonnigen Vormittag. Finn-Ole Heinrich gestaltet einen Vorlese-Gang durch die jetzt vollständig im Hanser Verlag vorliegenden drei Bände seiner Maulina-Bücher, angereichert durch kurze Video-Clips, die ein weiteres wichtiges Element der Bücher zur Geltung brachten: die zweifarbigen Illustrationen von Ran Flygenring.

Er scheut keine bekannten Wendungen. “Es war einmal, da hatten wir noch alles: uns.” So fängt das dreibändige Werk an, und wenn Finn-Ole Heinrich das liest, bekommt man nicht das Gefühl, nun beginnt ein herkömmliches Märchen. Denn zugleich erfindet er unbekannte, aber sofort verständliche Worte wie “Geheimnisweitwurf”, mit dem umschrieben wird, wie schwer sich die Mutter getan hat, ihrer Tochter endlich, aber sehr spät zu erklären, dass sie an einer schweren Form von MS erkrankt ist.

Kaffee mit Milch, Milch mit Kaffee – ein Ritual, das Maulina mit ihrem Opa beim Bienenstichessen praktiziert – so werden Kinder bei Finn-Ole Heinrich symbolisch auf eine Werte-Augenhöhe mit Erwachsenen gebracht. Im dritten Band, wiederum einen Sommer später, zieht Maulina dann doch wieder zu ihrem Vater, “dem Mann”, auf den Dachboden ihres früheren Hauses “Mauldawien”, wo dieser inzwischen eine neue Frau hat, die Zwillinge zur Welt gebracht hat, “die plärrend und schlafend in der Gegend herumliegen”. Auch vor einem der letzten Kapitel, in dem die Mutter schon sehr geschwächt im Krankenhaus liegt, schreckt der lebendig vortragende Erzähler nicht zurück, das ist pure Emotion, und nie ist sie schwülstig dargebracht. Er macht das, was keiner erleben will, erlebbar; nüchtern gesagt, könnte man das Empathie nennen.

Ein Autor, der in der Belletristik zu Hause ist, Film studiert hat und mit Musikern zusammen auftritt, liebend gern vor Kindern erzählt, besitzt viele Gaben; zwei davon kann er meisterlich kombinieren: seine einfallsreiche, treffsichere Sprache und seine zugleich offenherzige wie kluge Stimme. Seine “Maulina”-Hörbücher sind bei der Hörcompany erschienen.

Ulrich Störiko-Blume

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