Gewinner des Deutschen Gartenbuchpreises gewählt

Jurysitzung auf Schloss Dennenlohe

Zum fünften Mal wird heute der Deutsche Gartenbuchpreis 2011 in den Kategorien „Bester Ratgeber“, „Bester Bildband“, „Bester Gartenreiseführer“ und „Bestes Buch über Gartengeschichte“ vergeben. Erstmalig werden zudem das „Beste Gartenporträt“ und das „Beste Garten-Online-Portal“ prämiert. Neu ist in diesem Jahr auch der „European Garden Book Prize“ für Lizenztitel deutscher Verlage und Bücher europäischer Autoren.
Unserem aktuellen Heft (BM 03/11) liegt ein entsprechendes Plakat mit allen Gewinnern bei.

Die Gewinner der einzelnen Kategorien:

BESTER RATGEBER
1. Platz: Kiesgärten, GU
2. Platz: Eleganz im Beet. Pflanzen in Silber, Gold & Schwarz, BLV
3. Platz: Ein Garten voller Rosen, Ulmer
4. Platz: Immer ein schöner Garten, DVA
5. Platz: Das Heilpflanzenjahr, Kosmos

Begründung der Jury für den 1. Platz
Kiesgärten sind im Trend. Ein Grund hierfür ist, dass diese, wenn sie richtig angelegt und etwas eingewachsen sind, nur recht wenig Pflege bedürfen. Wenngleich das Thema nicht ganz neu ist – Beth Chatto gelang bekanntlich Mitte der 1980er-Jahre dazu bereits ein Standardwerk –, hat ein für den deutschsprachigen Raum und das mitteleuropäische Klima zugeschnittenes fundiertes Praxisbuch dazu bislang gefehlt. Dem bekannten Staudenexperten Prof. Bernd Hertle aus Weihenstephan, der gleichzeitig den dortigen Sichtungsgarten wissenschaftlich leitet, gelingt es dieses nun vorzulegen. Dabei beleuchtet er Anlage, Pflege und Pflanzenauswahl für Kiesgärten, sowie insbesondere auch Pflanzkombinationen anhand von Musterpflanzplänen auf allgemein verständliche und sehr anschauliche Weise.

BESTER BILDBAND
1. Platz: Garten ist Leidenschaft, BLV
2. Platz: Einsamkeit und Entsagung, Verlag für Kunst, Kultur & Fotografie
3. Platz: Mein Traum vom Landgarten, Callwey
4. Platz: Themengärten, BLV
5. Platz: Blumen, Frauen und ihre außergewöhnlichen Gärten, Christian

Begründung der Jury für den 1. Platz:
Der Buch soll die Lust am Gärtnern vermitteln – das gelingt ihm mit Bravour. Die sehr individuellen Texte von Anja Maubach transportieren Stimmungen und Tipps, wobei deutlich wird, dass die Autorin, die als studierte Landschaftsarchitektin bereits in vierter Generation die bekannte Staudengärtnerei Arends in Wuppertal betreibt, aus jahrzehntelanger Erfahrung spricht. Dabei sind die anspruchsvollen Fotos von Ferdinand Graf von Luckner quasi der leitende Stimmungsträger des Buches. Sie illustrieren sowohl die praktische Seite des Gärtnerns auf sehr anschauliche Weise, führen den Leser aber auch anhand der sehr passend zusammengestellten Fototafeln zu den Kapiteln, die jeweils einer Pflanzengruppe oder Blütenfarbe gewidmet sind, hin zur künstlerischen Seite der Staudenverwendung.

BESTER GARTENREISEFÜHRER
1. Platz: Der Garten-Verführer Mittelfranken, Ars Vivendi
2. Platz: Garten Reiseführer Österreich, Callwey
3. Platz: Gärten der Provence, Kosmos

Begründung der Jury für den 1. Platz:
Dieser Gartenführer hat sich zum Ziel gemacht genauer hinzublicken: Über 70 Gärten in Mittelfranken werden ausführlich geschildert. Enthalten sind sowohl bekannte öffentliche, als auch zahlreiche bislang völlig unbekannte private Gärten. Gerade die privaten Gärten werden dabei besonders gewürdigt. Zu etwa der Hälfte der Gärten wurden eigens handgezeichnete Gartenpläne angefertigt. So bietet das handliche Buch dem Leser das gelungene Porträt der Gärten und Parks einer Region und lädt zum Selbstentdecken ein. Dies ist insofern bemerkenswert, da er dabei für Mittelfranken Neuland betritt und viele der Gärten erst einmal gefunden werden mussten. Gleichzeitig schafft es der Führer, Gartengeschichte fundiert und publikumswirksam zu vermitteln.

BESTES BUCH ÜBER GARTENGESCHICHTE
1. Platz: Mauern zu Gärten, Societäts-Verlag
2. Platz: Kunst, Garten, Kultur, Dietrich Reimer Verlag
3. Platz: Das Dahlienbuch, Ralf Möller/ Josef Tomann
4. Platz: Blicke ins Grüne, Thorbecke
5. Platz: Die Beute der Pflanzenjäger, Piper

Begründung der Jury für den 1. Platz:
Das in Broschur erschienene Büchlein thematisiert die Entstehung des ersten Frankfurter Grüngürtels im Zusammenhang mit der Schleifung der Wallanlagen.
Dieses für die Stadt entscheidende Ereignis, das vor rund 200 Jahren vor sich ging, schuf nicht nur den bis heute bestehenden Grünzug, sondern eröffnete den Frankfurtern damals auch einen freien Blick in die Landschaft. Durchwegs gut illustriert und graphisch ansprechend aufbereitet schafft es der Band Allgemeinverständlichkeit mit wissenschaftlichem Anspruch zu verbinden.
Der Verfasser, ein profunder Kenner der Frankfurter Stadtgeschichte, rundete das Werk zudem mit einer bebilderten Kurzdarstellung der in dem Gartenkomplex befindlichen Denkmäler, Brunnen und Kunstwerke ab, so dass der handliche Band gleichzeitig als Führer Verwendung finden kann. Insgesamt gelingt es mit der Publikation nicht nur ein gartengeschichtlich kaum bearbeitetes Thema zu beleuchten, sondern dieses auch zu überschaubarem Preis breitenwirksam darzustellen und somit zur Identifikation der Bevölkerung beizutragen.

BESTES GARTENPORTRÄT
1. Platz: Wir müssen noch Unkraut pflanzen, LV Buch
2. Platz: Ein Garten für alle Jahreszeiten, DVA
3. Platz: Ein Landhausgarten für Genießer, DVA

Begründung der Jury für den 1. Platz:
Das „Gartenporträt“ – beim diesjährigen Gartenbuchpreis zum ersten Mal als eigene Kategorie eingeführt – beinhaltet die Darstellung eines ausgewählten Gartens in Geschichte und Gegenwart. Dem Buch über die Gärten von Schloss Ippenburg gelingt dies auf exemplarische Weise. Die Autorin spannt den Bogen von der Genese und Entwicklung des Gartens bis hin zum heute vorhandenen. Dieser ist der Veranstaltungsort für das seit dem Jahr 2000 hier alljährlich stattfindende, in Kreisen von Gartenliebhabern weithin bekannte Gartenfestival. Über die Hälfte des Buches widmet sich so der Dokumentation der Gestaltung der temporären Schaugärten von Schloss Ippenburg, welche in jedem Jahr unter einem anderen Motto aufs Neue entstehen. So verschmelzen Buch und Garten zu einem Stück gelebter Gartenkultur.

DEUTSCHER GARTENBUCHPREIS – SONDERPREIS 2011
Jonas Reif / Wolfgang Härtel: Foerster-Stauden Kompendium. Foerster Stauden GmbH
Begründung der Jury:
Auf den ersten Blick mag man das Buch mit einem Verkaufskatalog verwechseln. Beim genaueren Hinsehen beginnt man jedoch erst den wahren Wert dieses Bandes zu erahnen. Das aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Staudengärtnerei von Karl Foerster erschienene Werk enthält sämtliche vom berühmtesten deutschen Staudenzüchter jemals gezüchteten und eingeführten Arten und Sorten, sowie darüber hinaus ein sehr großes aktuelles Staudensortiment. Zu allen Sorten werden neben den üblichen Angaben die Lebensräume, die Sichtungsbewertung und zudem der Züchter und – soweit bekannt – auch das Einführungsjahr genannt. Diese sorgfältig zusammengestellten Informationen machen das Kompendium zusammen mit seiner reichen Bildausstattung – nahezu jede Sorte ist auch abgebildet – zu einem unentbehrlichen, handlichen Nachschlagewerk für Laien und Fachleute.

Dr. Viola Effmert-Gedenkpreis (jährlich thematisch abwechselnde Kategorie): Garten-Onlineportale
Maria Mail-Brandt / Wolfgang Brandt: www.garten-literatur.de
Begründung der Jury:
Gerät man auf die Homepage ahnt man sofort: Hier steckt kein Konzern dahinter, hier sind Gartenliebhaber zu Gange, Gartenliebhaber, die eine besondere Leidenschaft erfasst hat – die Gartenliteratur. Das Ehepaar Mail-Brandt/Brandt betreibt nun seit 12 Jahren ihre eigene Cyber-Gartenwelt. Damit gelang es der gelernten Buchverkäuferin und Autorin Maria Mail-Brandt ihre zwei Hauptinteressen unter einen Hut zu bringen. 1999 als kleine, ehrenamtlich betriebene, private Homepage mit persönlichen Tipps zu Gartenbüchern und ausgewählten Gartentexten begonnen hat sich das Online-Angebot heute vervielfacht und ausgebreitet. Das Herzstück bilden dabei immer noch Hinweise zu Gartenliteratur, die nach Themen sortiert sorgfältig aufgelistet sind. Besonders bemerkenswert sind dabei die Kurzrezensionen der neu erschienenen Gartenbücher, die für die Jahre 2009 und 2010 zum Beispiel die stattliche Zahl von jeweils um die 180 Bücher umfassten. So ist das Portal garten-literatur.de in der Tat eine ganz besondere Erscheinung in der deutschsprachigen Internet-Welt, die sich mit Gartenthemen beschäftigt.

EUROPEAN GARDEN BOOK PRIZE
1. Platz: Pflanzenschätze, Callwey
2. Platz: Quatre Siecles d´histoire, Lieux Dits Editions
3. Platz: When Modern was Green, Routledge Champman & Hall
4. Platz: Asian Gardens/ History, Beliefs and Design, Routledge Champman & Hall
5. Platz: Präriegärten, Ulmer

Begründung der Jury für den 1. Platz:
Wie macht man den Leser selbst zum Entdecker? Dies mag sich die Autorin dieses einzigartigen Buches bei der Konzeption gefragt haben. Und wirklich: Dieses Buch zieht in seinen Bann wie kein anderes. Dabei behandelt es mit der Entdeckung und Einführung der Gartenpflanzen eigentlich einen recht speziellen Aspekt der Gartengeschichte. Und dennoch gelingt es das breite Publikum dafür zu begeistern. Dem staunenden Leser entfaltet sich buchstäblich mit jeder Seite die Welt der Pflanzenjäger und Gartenpioniere. Das Buch ist gespickt mit zahlreichen eingeklebten Umschlägen mit Auszügen von Gartenbuchfaksimiles, historischen Briefen, Pflanzenlisten, Gartenplänen und alten Pflanzendarstellungen, welche die Geschichte hautnah nacherleben lassen. Anschaulicher und spannender lässt sich Gartengeschichte in der Tat kaum präsentieren.

EUROPEAN GARDEN BOOK PRIZE: Sonderpreis
Andrea Heistinger: Handbuch Bio-Gemüse. Sortenvielfalt für den eigenen Garten. Ulmer
Begründung der Jury:
Dieses Buch hat sich der Sortenvielfalt in der Welt der Gartengemüse verschrieben. Fasziniert ist der Leser in der Tat allein durch die unglaubliche Vielfalt der zahlreichen kaum bekannten oder vergessenen Kulturformen: Über 500 Sorten werden in diesem umfassenden Kompendium beschrieben. Zahlreiche Fototafeln, auf denen die verschiedenen Sorten zum Vergleich abgebildet sind, illustrieren das Werk. Besonders bemerkenswert ist, dass neben sehr detaillierten Angaben zu Anbau und Pflege noch persönliche Tipps beigegeben werden. Dies ist deshalb möglich, da sowohl die Hauptautorin, als auch die mitarbeitenden Co-Autoren allesamt Assoziierte oder Mitarbeiter des in eingeweihten Kreisen sehr bekannten Vereins „Arche Noah“ sind, der sich für den Erhalt alter Nutzpflanzen einsetzt und in Österreich einen eigenen Garten mit biologischer Anbauweise betreibt. So ist mit dem gewichtigen Band eines gelungen: Die Erstellung eines Standardwerkes auf diesem Gebiet.

Zur Jury unter Vorsitz von Robert Freiherr von Süsskind gehören u.a. Burda-Redaktionsleiterin Andrea Kögel, Uschi Dämmrich von Luttitz vom Bayerischen Fernsehen und Katja Hessel, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr & Technologie. Die Preisträger werden heute im Rahmen einer Soirée auf Schloss Dennenlohe geehrt. Seit 2007 verleihen Sabine und Robert von Süsskind, Besitzer des Barockschlosses in Mittelfranken (www.dennenlohe.de), den Deutschen Gartenbuchpreis. Inzwischen hat sich die Privatinitiative, von Beginn an durch den Gartengeräte-Hersteller Stihl gesponsert, als Auszeichnung herausragender Werke der Gartenliteratur etabliert.

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