Geschwister-Scholl-Preis 2012 geht an Jürgen Dehmers

Der Geschwister-Scholl-Preis 2012 wird Jürgen Dehmers für sein Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch“ (Rowohlt) verliehen.

Jürgen Dehmers (Pseudonym) schildert in seinem Bericht, was ihm und anderen Schülern angetan wurde, er beschreibt auch die Folgen einer Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch. „Opfer sexueller Gewalt äußern sich selten öffentlich. Dies machen sich Täter zu nutze. Dass Jürgen Dehmers es gewagt hat, das Schweigen zu durchbrechen und zu benennen, was geschah, würdigt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises als ein seltenes Beispiel von Mut“, heißt es in der Begründung.

„Dehmers Buch beschreibt die Vorgänge an der Odenwaldschule als ein kriminelles weit verzweigtes System mit Tätern und Mitwissern, von Macht und Gewalt. Er deckt die Mechanismen auf von Vertuschung, Verschweigen, Abhängigkeit, Bedrohung, die einen fortgesetzten Missbrauch erst möglich machen. Auch darin liegt eine große Leistung dieses Buches: dass es hinweist auf das Versagen von Zivilgesellschaft und Rechtsstaat, von Bürgern, Pädagogen, bis hin zu Presse und Justiz, die darin scheitern, die Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen sicherzustellen, wie es die UN-Charta für die Rechte der Kinder verlangt“, so die Jury.

Der Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München vergeben. Die Preisverleihung findet am 26. November 2012 um 19.00 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München statt. Für den 27. November ist eine öffentliche Lesung auf der Münchner Bücherschau geplant.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und die Landeshauptstadt München vergeben den mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis 2012 zum 33. Mal. Zu den bisherigen Preisträgern zählten in den letzten Jahren Liao Yiwu, Joachim Gauck, Roberto Saviano und David Grossman.

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