Die Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises stehen fest

Im voll besetzten Raum Harmonie auf der Frankfurter Buchmesse wurden soeben die Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises geehrt. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen, übergab als Stifterin den einzigen Staatspreis für Literatur in Deutschland, der seit 1956 jährlich vergeben wird.

Der Sonderpreis Illustration geht an:
Rotraut Susanne Berner.

Der Laudator und Vorsitzende der Sonderpreis-Jury Hans-Joachim Gelberg erklärte: „Mit ihrem künstlerischen Werk hat Rotraut Susanne Berner neue Maßstäbe für Illustration und Gestaltung gefunden. (…) Man könnte von einem Rotraut Susanne Berner Stil nennen, der Schule gemacht hat. Gelberg lobte die Fähigkeit, Fantasie mit realistischer Darstellung zu verbinden. „Die Leichtigkeit ihrer Bilder ist gewiss nicht leicht erworben.“

In der Kategorie Bilderbuch gewinnt:
Peter Schössow: Gehört das so??! Die Geschichte von Elvis (Hanser)
Die Jury: Der Hamburger Illustrator „erzählt in seinem melancholisch-lakonischen Alltagsdrama ganz unsentimental von der stummen Hilflosigkeit im Umgang mit der Trauer anderer. Ein ungewöhnliches, ausnehmend gelungenes Trauerbuch, das endlich einmal Wut als Gefühl zulässt und dem Betrachter viele Freiräume eröffnet“.

In der Kategorie Kinderbuch geht der Preis an:
Valérie Dayre: Lilis Leben eben. Aus dem Französischen von Maja von Vogel (Carlsen)
Die Jury: Das Buch der Französin ist wie ein Vexierspiel: „Kaum meint man, die ersten verschlungenen Fäden aus Realität und Träumerei, Wahrheit und Erfindung entwirrt zu haben, steht man vor dem nächsten Rätsel. Haben ihre Eltern die 12-jährige Lili auf der Fahrt in die Ferien tatsächlich und mit Bedacht an der Raststätte zurückgelassen? ? Der von Maja von Vogel mit feinem Gespür übersetzte Roman fasst die Befindlichkeiten beim Übergang zur Pubertät in ein irritierend bedrückendes Szenario.“

In der Kategorie Jugendbuch gewinnt:
Dolf Verroen: Wie schön weiß ich bin. Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf (Peter Hammer Verlag)
„In 40 kurzen, nach Art von Prosagedichten arrangierten Episoden erzählt sie mit einfältiger Unbedarftheit vom Leben auf der Plantage und vom Umgang mit den Sklaven. Die unreflektierte Selbstverständlichkeit, mit der das Mädchen das rassistische Gewaltverhältnis wahrnimmt und schildert, irritiert und provoziert den Leser. Dolf Verroen entwirft eine völlig neue literarische Form der Auseinandersetzung mit einem wichtigen historischen Thema. Er hat dafür eine ganz leichte, von Rolf Erdorf ins Deutsche übertragene Sprache gefunden, die im krassen Gegensatz zum bedrückenden Inhalt steht.“

In der Kategorie Sachbuch geht der Preis an:
Anja Tuckermann: „Denk nicht, wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner (Hanser)
„Entstanden ist ein authentisches Zeitzeugnis, schonungslos und beeindruckend, ein tief berührender Text über ein lange tabuisiertes Thema. Anja Tuckermann gelingt es einfühlsam und versiert, ihre Erzähl-Methode dem Menschen Höllenreiner gemäß zu gestalten. Hieraus entsteht eine neue Qualität biografischen Schreibens.“

Der Preis der Jugendjury geht an:
Kevin Brooks: Lucas. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn (dtv junior)
Die Jugendjury: „Die 15-jährige Cait lebt mit ihrem Vater auf einer kleinen Insel. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als plötzlich Lucas auftaucht. Cait ist vom ersten Augenblick an von ihm fasziniert. Aber Lucas ist auf der Insel nicht willkommen. Und dann beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod. Besonders erschreckend ist die unterschwellige Schilderung von Gewalt. Ein bemerkenswertes Buch, das uns die tiefen Abgründe menschlichen Verhaltens herzergreifend vor Augen führt.“

Die Preisträger 2006

Die Autorin Anja Tuckermann nutzte die Gelegenheit, den Preis von Ursula von der Leyen entgegenzunehmen dazu, die Familienministerin dazu aufzurufen, das weitere Sterben der Öffentlichen Bibliotheken zu stoppen. Ein Satz, der vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus begleitet wurde.

Die Jugendjury setzt sich aus sechs über die Bundesrepublik verteilten Leseclubs zusammen: aus den Berliner Leseratten, der Jubu-Crew Göttingen, dem Jugendleseclub der Stadtbücherei Landshut, der Jungen Jury der Konrad-Duden-Schule Bad Hersfeld, den Luftis der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft in Neubrandenburg und der Moerser-Jugendbuch-Jury.

Zur Kritikerjury gehören Dr. Otto Brunken als Vorsitzender, Dr. Claudia Blei-Hoch und Dr. Stefan Hauck für die Sparte Bilderbuch, Monika Trapp und Dr. Susanne Becker für die Sparte Kinderbuch, Dr. Isa Schikorsky und Walter Mirbeth für die Sparte Jugendbuch sowie Uta Kirchner und Dr. Stephanie Jentgens für die Sparte Sachbuch.

Zur Jury des Sonderpreises Illustration gehörten Hans-Joachim Gelberg (Herausgeber und ehem. Verlagsleiter Beltz & Gelberg), Dr. Maria Linsmann-Dege (Leiterin des Bilderbuchmuseums der Stadt Troisdorf) und Gisela Stottele (freie Redakteurin für Bilderbücher)

Für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 hat die Kritikerjury 418 Bücher aus der Produktion des Vorjahres geprüft. Davon waren 263 Originalausgaben und 155 Übersetzungen. Die Preissumme beträgt pro Sparte 8.000 Euro, der Sonderpreis ist mit 10.000 Euro dotiert.

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