Antje Kunstmann Verlegerin des Jahres 2006

Antje Kunstmann ist Verlegerin des Jahres 2006. Seit 30 Jahren hat sie sich die

Verlegerin des Jahres
Antje Kunstmann
Foto: Christine Strub

Unabhängigkeit bewahrt. Wegen ihrer Leidenschaft, ihrer Loyalität, aber vor allem wegen ihrer Unbeugsamkeit wurde die Münchenerin jetzt als „Verlegerin des Jahres“ ausgezeichnet.

Neben dem Studium jobbte Antje Kunstmann in dem kleinen Münchner Pädagogikverlag Raith. Sie war gerade 22, als sie dort Herausgeberin der Buchreihe „Materialien zur Frauenemanzipation“ wurde. Nach wenigen sozialistischen Blütejahren gerieten etliche linke Verlage freilich ins Trudeln. Zum einen betrieb „die Bewegung“ mit revolutionärer Energie ihre Selbstauflösung; überall entstanden mehr oder minder paranoide K-Gruppen und Stadtguerilla-Fraktionen, die für kritische Literatur nur bedingt empfänglich waren. Vor allem aber sprangen die etablierten Verlage rasch auf sämtliche Trittbretter der Studentenbewegung, und selbst ein in der Wolle gefärbter Konservativer wie Georg von Holtzbrinck wurde über seine Verlage S. Fischer und Rowohlt zum Verleger umstürzlerischen Schrifttums.

Lothar Menne in seiner Laudatio, die im heute erscheinenden BuchMarkt-Heft (ab S. 36) nachzulesen ist:

Gegen derart schwergewichtige Konkurrenz konnten nur wenige der linken Verlage bestehen. Raith gehörte nicht dazu, der Verlag schlitterte in die Insolvenz, Antjes Job war weg. „So ein Konkurs bildet ungemein“, sagt sie heute. Wer so was einmal in frühen Jahren erlebt hat, entwickelt Abwehrtechniken, mit denen man später ähnliche Widrigkeiten vermeiden kann.

Gemeinsam mit Peter Weismann konnte sie aus der Konkursmasse die Bücher, die sie bei Raith betreut hatte, kaufen, gemeinsam gründeten sie 1976 einen, genauer gesagt : zwei neue Verlage, den auf Jugendbücher spezialisierten Weismann Verlag und den Frauenbuchverlag. Die Idealvorstellung, „anders zu leben und zu arbeiten“, blieb das Leitmotiv – Büro und Wohnung waren eins, die Programme standen unter dem rührenden Motto: „Bücher für Mehrheiten, die wie Minderheiten behandelt werden.“
1990 schied Peter Weismann aus. Kunstmann legte die beiden Verlage zusammen und folgte hehrer Tradition, indem sie dem Unternehmen einen neuen Namen gab, ihren eigenen.

Der Rest ist bekannt.

Herzliche Glückwünsche, liebe Antje, von der ganzen BuchMarkt-Redaktion!

Die Verleger des Jahres 1994 – 2005

Seit 1994 zeichnet BuchMarkt im Dezemberheft die Verlegerin oder den Verleger des Jahres aus – ausgewählt jeweils nach intensiver Beratung mit den bisherigen Titelträgern. Und das sind (in Klammern der Verlag, für den sie zur Zeit der Wahl tätig waren):

2005: Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch)
2004: Dr. Karl H. Blessing (Karl Blessing)
2003: Friedrich Karl Sandmann (Zabert Sandmann)
2002: Monika Thaler (Frederking & Thaler)
2001: Thomas C. Schwoerer (Campus)
2000: Wolfgang Balk (dtv)
1999: Dr. Gottfried Honnefelder (DuMont)
1998: Viktor Niemann (Piper)
1997: Christian Strasser (Econ & List)
1996: Lothar Menne (Hoffmann & Campe)
1995: Michael Krüger (Hanser)
1994: Marcel Nauer (arsEdition)

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