Monika Kolb und Elena Appel über die Arbeit des Nachwuchsparlaments „Ausbildungsbetriebe sollten ihre Azubis, die sich im Parlament engagieren, stärker unterstützen“

2009 initiierten Karin Schmidt-Friderichs, damals Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses, und Monika Kolb, Bildungsdirektorin des Börsenvereins und Geschäftsführerin des mediacampus, das Nachwuchsparlament. Aktuell läuft die Bewerbungsrunde zur Teilnahme am nächsten Nachwuchsparlament auf den Buchtagen in Berlin.

Referentin Berufsausbildung Elena Appel (l.) mit Monika Kolb, Geschäftsführerin des mediacampus

Landesverbände und Sponsoren aus der Branche ermöglichen dieses Projekt. Für die damalige Verbandsarbeit war das ein starker Schritt für den Nachwuchs. Seitdem hat sich das etwa 100-köpfige Gremium weiterentwickelt und als fester Bestandteil der Buchtage Berlin etabliert. Nach den Buchtagen 2019 wurden vom Nachwuchsparlament neun Taskforces gegründet, die sich aktiv in die Branche einbringen. Ein Gespräch über die Arbeit des Gremiums.

Wie kommen künftige Mitarbeiter der Buchbranche ins Nachwuchsparlament?
Elena Appel: Sie müssen sich jedes Jahr dafür bewerben – diese Phase läuft in diesem Jahr vom 9. März bis zum 9. April. Wer nach Berlin zu den Buchtagen fahren möchte, muss einen Essay schreiben und seinen Lebenslauf einschicken.

Einen Essay?
Elena Appel: Genau. Wir haben für 2020 zwei Themen ausgewählt, für eines muss man sich entscheiden. Es geht einmal um „Nachhaltigkeit in der Buchbranche“ und zum anderen um „Lesen als Schlüsselqualifikation in der Gesellschaft“. Dabei sollte der Umfang etwa eine Seite betragen.

Darf auch jemand mitmachen, der bereits Teilnehmer des Nachwuchsparlaments war?
Elena Appel: Ja, seit 2019 darf man insgesamt dreimal teilnehmen. Während der Parlamentssitzung wählen die Teilnehmenden ihre Nachwuchssprecher, gegenwärtig sind das Cleo Ciba und Lennart Schaefer. Für Cleo Ciba suchen wir 2020 einen neuen Kandidaten, Lennart Schaefer wird noch ein weiteres Jahr als Sprecher agieren. So müssen nicht beide Sprecher gleichzeitig neu starten, Projekte und Themen können besser übergeben werden.

Gibt es für das Parlament eine Altersbegrenzung?
Elena Appel: Nein, die Bewerber müssen sich nur in einer Ausbildung befinden oder in einem buchnahen Studiengang, volontieren oder als New Professionals arbeiten.
Monika Kolb: Die jungen Menschen nehmen das sehr ernst. 2019 hatten wir deutlich über 100 Bewerbungen. Die Entscheidung, wer zum Nachwuchsparlament fahren darf, ist keine leichte.
Elena Appel: Weil die Arbeiten richtig gut sind, werden wir dieses Jahr erstmals die zehn besten binden lassen. 2019 gestalteten die besten acht „Essayisten“ Thementische für die Jahrestagung der IG Digital, die ja gleichzeitig mit den Buchtagen zusammenkommt.
Monika Kolb: Tatsächlich haben wir die Nachwuchsarbeit seit 2009 stetig weiterentwickelt. Dabei spielt der mediacampus, auf dem zwei Drittel aller Azubis der Branche ausgebildet werden, eine große Rolle. Ein großer Teil der Zielgruppe des Nachwuchsparlaments findet sich bei uns auf dem Campus. Auch die Kolleginnen und Kollegen der Landesverbände werben in den Unternehmen und Berufsschulen vor Ort.

Das Nachwuchsparlament kommt zu den Buchtagen in Berlin und der Jahrestagung der IG Digital, die in diesem Jahr vom 15. bis 17. Juni im Hotel Ellington stattfinden, zusammen. Und dann? Passiert noch etwas bis zu den nächsten Buchtagen?
Elena Appel: Ja, eine ganze Menge. Ende September 2019 trafen sich knapp 40 junge Menschen auf dem mediacampus und erarbeiteten in einem ganztägigen Workshop relevante Branchenthemen. Neun Taskforces gründeten sich in diesem Rahmen, jede ernannte einen Sprecher und einen Stellvertreter. Zu diesen Themen haben sich die Teilnehmenden zu Taskforces zusammengefunden: Gütesiegel für Ausbildungen, Weiterbildung und Kompetenzausbau, Nachwuchsblog, Nachwuchs-Austauschprogramm, Berufsbildbotschafter, Interner Nachwuchsaustausch, Außen- und Innenwirkung des Nachwuchsparlaments, Image der Buchbranche und zur Nachhaltigkeit.

Wie arbeiten diese Taskforces?
Elena Appel: Sie treffen sich einmal monatlich zu Videokonferenzen, das klappt gut. Beispielsweise schreibt Philip Szykulla, Sprecher der Taskforce Nachwuchsaustausch, aktuell zahlreiche Firmen der Branche an, um einen Austausch der Azubis auf die Beine zu stellen. Künftige Buchhändler arbeiten in Verlagen, Verlagsmitarbeiter lernen den Buchhandel kennen. Das trägt dazu bei, einander besser zu verstehen. Ein anderes Beispiel ist die Taskforce Gütesiegel, die gemeinsam mit dem Berufsbildungsausschuss zurzeit Fragebögen entwickelt, mit denen sie herausfinden will, wie sich Auszubildende eine gute Ausbildung vorstellen. Natürlich freuen wir uns sehr über weitere Interessierte an den Taskforces.
Monika Kolb: Der Berufsbildungsausschuss des Börsenvereins unterstützt die Anstrengungen der jungen Menschen. Sie treffen sich aber auch auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Außerdem soll eine Interessengemeinschaft Nachwuchs fest im Börsenverein etabliert werden. Doch auch die Ausbilder sollten sich stärker vernetzen.
Elena Appel: Ja, um diese Vernetzung zu fördern, findet im September eine Ausbilder Roadshow statt. Auch hier kooperieren wir mit dem Berufsbildungsausschuss und den Landesverbänden.

Zum Thema Ausbildung: Wie viele Verlage und wie viele Buchhandlungen bilden eigentlich aus?
Monika Kolb: Die Zahlen sind mit rund 430 Auszubildenden im Buchhandel etwa gleichbleibend. Die reale Zahl ist jedoch deutlich höher, das zum Beispiel Buchhandlungen vermehrt Kaufleute im Einzelhandel ausbilden. Bei den Verlagen ist die Anzahl der Auszubildenden etwas gesunken, es sind um die 750.

Hat sich seit 2009 die Ausbildung verändert?
Monika Kolb: Generell lässt sich sagen, dass jeder Beruf eine Halbwertszeit von acht bis zehn Jahren hat. Aus dem Verlagskaufmann ist so beispielsweise der Medienkaufmann Digital und Print geworden. Viele große Buchhandlungen bieten zudem Abiturientenmodelle analog zum dualen Studium an. Allein auf dem mediacampus gibt es über 600 Azubis in diesem Jahr, die Fachwirte und die Abiturientenausbildung noch gar nicht mitgerechnet.
Wir wissen alle, dass wir gut ausgebildete Menschen brauchen. Wir investieren viele Ressourcen in die Planung und Durchführung des Nachwuchsparlaments, um dieses hochattraktive Weiterbildungsangebot zu ermöglichen. Die Ausbildungsbetriebe sollten ihre Azubis, die sich im Parlament engagieren, stärker unterstützen. Denn vom Nachwuchsparlament profitieren beide Seiten.

Seit ein paar Jahren gibt es außerdem das Mentoring-Programm. Was ist das genau?
Elena Appel: Das Programm existiert seit sieben Jahren. Es ist ein Austauschprogramm, das Nachwuchskräfte mit erfahrenen Mitarbeitern und Führungskräften aus der Buchbranche für ein Jahr zusammenbringt. 2019/20 gibt es 16 Paare, inzwischen haben wir 50 Mentoren im Pool und können das Programm mehr Nachwuchskräften für 2020/21 ermöglichen.
Monika Kolb: Im besten Fall sind Mentor und Mentee räumlich nicht allzu weit voneinander entfernt. Es geht um persönliche Kontakte und um Entwicklungsmöglichkeiten. Von dem wechselweisen Austausch profitieren beide Seiten. Auch Mentorinnen und Mentoren lernen von ihren Mentees und schätzen den Perspektivwechsel.
Das Bewusstsein der Branche für die Nachwuchsarbeit ist seit 2009 gewachsen, es wird mehr investiert. Der Nachwuchs bringt sich mit guten Ideen ein – das alles ist eine bemerkenswert gelungene Entwicklung, die wir natürlich weiter voranbringen wollen. Deshalb sollten sich interessierte junge Menschen Chancen wie das Nachwuchsparlament nicht entgehen lassen.

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