Frankfurt: Buchprojekt „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“ vorgestellt

Friederike von Bünau, Johann Hinrich Claussen,
Hauke Hückstädt

Im Literaturhaus Frankfurt stellten heute Mittag dessen Leiter Hauke Hückstädt, die Geschäftsführerin der Kulturstiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Friederike von Bünau, sowie der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, ein besonderes Projekt zum Jubiläum der Reformation vor.

Das Buch 95 Anschläge – Thesen für die Zukunft wird 500 Jahre nach Martin Luthers Formulierung von 95 Thesen gegen den Ablasshandel einen Blick auf Haltungen, Wagemut, Innerlichkeit und Glaubenssätze der Gegenwart werfen. Dass Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, gehört übrigens ins Reich der Legende.

Für das Projekt wurde ein siebenköpfiges Kuratorium gegründet, dem neben Johann Hinrich Claussen Andreas Barner, Vorsitzender der Unternehmensleitung Boehringer Ingelheim und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2015 in Stuttgart; Ines Geipel, Schriftstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin; Michael Krüger, Schriftsteller, Verleger und Übersetzer sowie Präsident der Bayrischen Akademie der Schönen Künste; Harald Lesch, Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist; Juli Zeh, Juristin und Schriftstellerin, sowie Henning Ziebritzki, Schriftsteller, Lektor und Geschäftsführer des Verlags Mohr Siebck, Tübingen, angehören.

„Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit der EKHN-Stiftung zusammen. In Vorbereitung auf das Jubiläum entstand die Idee, ein Buch mit 95 Thesen, die in die Zukunft führen, zu erarbeiten“, erläuterte Hauke Hückstädt, einer der Herausgeber.
„Die sieben Kuratoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen stehen für die Vielstimmigkeit“, ergänzte Mitherausgeberin Friederike von Bünau.

„In Vorbereitung der 500. Wiederkehr der Reformation stellte sich die Frage, wie es gelingen kann, das Jubiläum nicht nur kirchenintern zu feiern. Schließlich gehört die Reformation nicht der evangelischen Kirche“, unterstrich Johann Hinrich Claussen. Jeder der sieben Kuratoren fragte zehn bis fünfzehn Menschen, was für ihre Berufe, für ihr Leben bedeutend sei. Er, Claussen, habe beispielsweise den Schauspieler Edgar Selge angesprochen. Dessen Soloperformance in Michel Houellebecqs Stück am Schauspielhaus Hamburg habe ihn beeindruckt.

Zu den Autoren gehören außerdem beispielsweise Frank Plasberg, Marcel Hacker, Thea Dorn, Peter von Matt, Heinz Bude, Wolfgang Huber, Caroline Link, Susanne Baer, Max Hollein, Friedrich von Metzler. Doch nicht nur Prominente aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Technik, Sport, Wissenschaft, Kultur, Architektur und Religion werden Beiträge liefern, auch Schüler und Studenten arbeiten an diesem Projekt mit.

„Unser Ziel ist es, überraschende Texte zu Fragen von Tod, Schuld und Strafe, aber auch zum künftigen Leben zu sammeln. Dabei ist nichts Bequemes, Geselliges gewünscht“, erklärte Hückstädt. „Die Reformation war literarisch aufgrund ihrer Texte, wurde jedoch breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Deshalb werden Veranstaltung im gesamten deutschsprachigen Raum das Buch begleiten“, fügte Claussen hinzu. „Wir wollen ein Buch, das Zündstoff enthält. Das lässt sich in Großveranstaltungen genauso wie in Buchhandlungen besprechen.“

Eine Beiträge liegen bereits vor. So äußerte sich Juli Zeh zur These Das Gegenteil von Freiheit ist Gesundheit, Wolfgang Huber schrieb unter dem Titel Des Menschen würdig ist es, dem Tod nicht das letzte Wort zu lassen, Frank Plasberg dachte unter der These Lügenpresse? Danke für den Weckruf: Nötig ist eine Reformation des journalistischen Selbstverständnisses! nach, Johann Hinrich Claussen formulierte Überlegungen zu seiner These Gott ist nicht zu gebrauchen.

Das Thema Reformation sei vielgestaltig und ganz und gar nicht langweilig, betonte Claussen. Er informierte zum Beispiel in seiner Schrift unter dem Titel Reformation als musikalischer Guerillakampf, dass die großen Choräle nicht nur in der Kirche, sondern auch auf öffentlichen Plätzen gesungen wurden und so den Protestantismus in die Welt trugen. Es sei viel zum Thema Reformation zu entdecken.

Das Buch 95 Anschläge – Thesen für die Zukunft, das bei S. Fischer publiziert wird, soll im Frühjahr 2017 erscheinen.

In Bezug auf die vorgesehenen, aber noch nicht im Detail geplanten Veranstaltungen bemerkte Arnd Brummer, Chefradakteur und Herausgeber der Zeitschrift Chrismon, das gerade die Frankfurter Paulskirche ein guter Ort für eine große Veranstaltung sei.

Aber jede Ortsteilbuchhandlung kann ja ebenfalls spannende Diskussionen mit den Autoren und Kuratoren gestalten – und sich die für ihre Lage und ihre Kundschaft passenden Thesen aussuchen.

JF

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