Berlin: Literarische Aktion für ein Flüchtlingsheim in Westend

Weil Anwohner der Berliner Soorstraße mit Unterschriften gegen ein benachbartes Flüchtlingsheim mobil machen, hat eine Gruppe von Bürgern die Initiative ergegriffen. Sie kauften bei zwei Großhändlern den Gesamtbestand von Janne Tellers Krieg. Stell dir vor, er wäre hier (Hanser, 2011), um es den Anwohnern der Soorstraße kostenlos in ihre Briefkästen zu stecken.

„Wir hoffen, durch die Buchlektüre Empathie im Umgang mit den Notleidenden zu wecken“ begründen sie ihre Aktion, die sie unter das Motto literarische Irritation stellen. Die Aktion soll einen Tag bevor sich die Träger des Heims, Bezirksamt und Gegner des Flüchtlingsheims zu einem runden Tisch treffen, erfolgen. Janne Teller beschreibt in ihrem Buch einen Krieg in Europa. Der 14-jährige Protagonist flieht mit seiner Familie in ein ägyptisches Flüchtlingslager. „Die Geschichte reißt mit und erschüttert die Sicherheit, in der sich die Leser wähnen. So sehr, dass wir hoffen, dass die Lektüre die Gegner und Gegnerinnen des Flüchtlingsheims in der Soorstraße zum Nachdenken anregen wird“, so die Initiatoren.

Auch die ehemalige UN-Mitarbeiterin Janne Teller unterstützt die literarische Intervention. „Nur menschliches Handeln kann Leben retten. Doch Literatur kann Verständnis und Empathie wecken und stärken, die wir für menschliches Handeln brauchen“, schreibt sie. „Ich bitte inständig alle, die in sicheren Verhältnissen leben, sich bewusst zu machen: Morgen schon kann es anders sein und wir Nordeuropäer suchen Zuflucht – vielleicht nicht vor Krieg – doch vor klimatischen Veränderungen, Überschwemmungen etc. … Sollten wir Menschen, die in Not sind, nicht so behandeln, wie wir es in Not für uns wünschten?“

Mehr zu der Aktion unter http://literarische-irritation.tumblr.com

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