Veranstaltungen 7. Frankfurter Immigrationsbuchmesse

Im Historischen Museum in Frankfurt direkt auf dem Römerberg wurde gestern Abend die siebente Immigrationsbuchmesse eröffnet.

Zur Einstimmung spielte Kotey Niikoi auf der Gitarre afrikanische Musik. Später übernahm das Weltmusik-Ensemble der Musikschule Frankfurt unter der Leitung von Stephen O’Connor die musikalische Umrahmung des Abends.

Moderatorin Alexandra Müller-Schmieg stellte anschließend den Anfang 2017 gegründeten Verein Frankfurter Immigrationsbuchmesse vor. Hamidul Khan, Vorsitzender des Vereins, eröffnete die Veranstaltung und stellte fest: „Die Immigrationsbuchmesse gehört zu Frankfurt.“ Bildung sei mehr als Schule und werde an vielen Orten vermittelt, beispielsweise in Museen wie dem Historischen, dem neuen Veranstaltungsort der Messe. „Die Immigrationsbuchmesse setzt sich gegen Rassismus und für friedliche Koexistenz ein“, schloss Khan und schlug vor: „Besuchen Sie unsere Veranstaltungen, bringen Sie Freunde mit und kaufen Sie ein Buch.“

Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, hieß die Gäste im Neubau und damit im „jüngsten Museum Frankfurts“ willkommen. „Das Haus beherbergt Gegenstände aus vielen Jahrtausenden, darunter auch Bücher und Objekte, die auf der Frankfurter Buchmesse gehandelt wurden. So wie der Schöner-Erdglobus von 1515 mit der Darstellung der Neuen Welt unter dem Namen America.“ Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan rüstete sich möglicherweise vor seiner Weltumsegelung 1519 auf der Buchmesse ebenfalls mit Karten aus. Später trug die von ihm 1520 entdeckte Verbindung zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean als Magellanstraße seinen Namen, seither steht sie so in allen Karten und auf allen Globen verzeichnet.

Besonderer Gast der Immigrationsbuchmesse war Mizanur Rahman Khan, Literaturwissenschaftler der Universität Rajshahi, Bangladesch. Er würdigte die Veranstaltung auf eigene Weise: „Bangladesch hatte im Februar in Dhaka ebenfalls eine Buchmesse, aber die Immigrationsbuchmesse ist etwas Besonderes.“

An den am 17. April 2018 verstorbenen Künstler Max Weinberg erinnerte die Künstler-Kollegin Barbara Greul Aschanta, einige Bilder von Weinberg sind jetzt zur Immigrationsbuchmesse im Historischen Museum zu sehen.

Ursula Böttcher-Sagebiel (l.) mit Kindern, rechts Alexandra Müller-Schmieg

 

Drei Auszeichnungen wurde vergeben. Die Uhlandschule erhielt aufgrund ihres Projekts Bildung und Integration den Schul-Integrationspreis. „Die großen Veränderungen im Stadtteil, in dem die neue EZB steht, finden sich in der Schule wieder“, begründete Laudatorin Alexandra Müller-Schmieg. Den Preis nahmen die Schulleiterin Ursula Böttcher-Sagebiel und einige Schüler entgegen. Böttcher-Sagebiel bedankte sich: „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Bei uns lernen Mädchen und Jungen, von denen 80 Prozent einen Migrationshintergrund haben. Deshalb ist Sprache wichtig. Seit fast zehn Jahren sind wir musikalische Grundschule, die Musik erleichtert das gemeinsame Lernen. Das Sprachförderprogramm Erzählzeit findet einmal wöchentlich in den ersten und zweiten Klassen statt. Außerdem gibt es eine Schülerzeitung.“

Sigrun Müller, Ernst Karpf, Sylvia Barua

 

Der Immigrationsbuchmesse-Buchpreis ging an Ernst Karpf für sein Werk Eine Stadt und ihre Einwanderer. 700 Jahre Migrationsgeschichte in Frankfurt am Main, erschienen 2013 im Campus-Verlag. Die Laudatio hielt Sigrun Müller. Das Buch ist die erste Gesamtdarstellung der Einwanderung nach Frankfurt seit dem Mittelalter bis zur Gegenwart. Es wird deutlich, wie sehr die Stadtentwicklung von der Zuwanderung abhängt.

Ernst Karpf zeigte sich überrascht, dass die Jury sich für dieses Buch entschieden hat. Er wandte sich gegen Islam-Feindlichkeit und gegen einen allzu rechten Heimatbegriff, der fremdenfeindlich Gesonnenen gelegen komme.

Monika Carbe, Hamidul Khan, Susanne Konrad

 

Für ihr Lebenswerk wurde Monika Carbe geehrt. Susanne Konrad würdigte die Übersetzerin und Autorin: „Monika Carbe setzt sich seit vielen Jahren für Immigration und Literatur ein. Ein Schwerpunkt ist die Verbreitung türkischer Literatur.“ Carbe lernte nach ihren Studium der Germanistik, Indologie und Philosophie und ihrer Promotion über Die vertauschten Köpfe von Thomas Mann selbst noch Türkisch, überträgt seit 1990 daraus ins Deutsche und veröffentlicht seit 1999 eigene Romane.

Die Immigrationsbuchmesse geht bis zum Sonntag, 29. April. Das Programm enthält Buchvorstellungen, Lesungen, Musik und Tanz, Vorträge und Diskussionen. Die Editionen Draupadi Verlag Heidelberg, Bertugan-Verlag Weiler, Traumland-Verlag Nierstein, Nomen Verlag und Größenwahn-Verlag sowie Edition Federleicht Frankfurt, Verlag Donata Kinzelbach Mainz, Verlag Hartmut Becker Kirchhain und der Verein World University Service Wiesbaden sind mit Informationsständen und Büchertischen vertreten.

JF

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