Veranstaltungen 13.000 Besucher kamen zum Frankfurter Lesefest

Am Sonntag wurde die zweiwöchige Veranstaltungsreihe Frankfurt liest ein Buch mit einer literarischen Performance von Michael Quast und der Fliegenden Volksbühne im Palmengarten beendet.

Rund 13.000 Interessierte kamen zu den 85 Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen, Spaziergängen, Theater- und Filmvorführungen an etwa 70 Orten in Frankfurt, Oberursel, Bad Homburg, Bad Soden, Kronberg, Eschborn, Offenbach, Darmstadt und Gießen.

Im Fokus der zehnten Auflage von Frankfurt liest ein Buch stand der knapp 900 Seiten umfassende Roman Westend von Martin Mosebach, erschienen in einer Neuauflage im Rowohlt Verlag. Mosebach nahm an 22 Veranstaltungen des Lesefestes teil.

Yorck Förster, Martin Wentz, Florian Schwinn

Gestern Abend gab es in der Fabrik Kulturwerke Frankfurt einen allerletzte Abend im Rahmen des Lesefestes unter dem Titel Mosebachs Westend – Spekulation, Stadtzerstörung, Stadtentwicklung. Auf dem Podium diskutierten Martin Wentz, von 1989 bis 2001 Planungsdezernent, und Yorck Förster, freier Kurator am Deutschen Architekturmuseum. Florian Schwinn, hr2-kultur, moderierte.

„Das ist die Mosebach-Veranstaltung ohne Mosebach. Und es ist ein Add-on zu Frankfurt liest ein Buch, das ja eigentlich bereits gestern abgeschlossen wurde“, bemerkte Werner Heinz, Programmbeirat der Fabrik, zu Beginn.

Gab es Bemerkungen zum Roman Westend? „Wenn mir, obwohl ich 74 bin, ein Autor noch nachweisen will, dass ich nichts verstanden habe, dann wird es schwierig“, sagte Wentz und setzte hinzu: „Es wird schräg, wenn der Schriftsteller Historie einflicht.“ Besonders störte Wentz, dass Mosebach mit kaum einem Wort die Vertreibung der Juden erwähnt. Außerdem stellte er klar: „Die Menschen wurden in den 1960er Jahren nicht von der Politik vertrieben.“

„Aus dem Buch wird klar: Martin Mosebach liebt das moderne Bauen nicht“, äußerte Yorck Förster. Der Roman ähnele darin dem Buch Die gemordete Stadt von Wolf Jobst Siedler, 1964 bei Herbig, Berlin erschienen und noch heute ein Klassiker bei den Gegnern moderner Stadtentwicklung.

„Mein Vater sagte damals, dass die Alte Oper, 1880 eröffnet und im Stil der Neorenaissance geplant, schon während des Baus eine Lüge war“, bemerkte Florian Schwinn und fragte: „War es der Widerstreit zwischen dem Alten und dem Neuen?“ „Ernst May hat die historische Stadt bereits 1925 aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlten 100.000 Wohnungen in Frankfurt. Zehn Jahre später war das Problem gelöst. Da wurde Geniales geleistet“, sagte Wentz. Eine enorme Aufgabe, wenn man bedenkt, dass gegenwärtig nur zwischen 2000 und 3000 Wohnungen jährlich neu in Frankfurt entstehen.

Die Bank deutscher Länder, Vorgänger der Deutschen Bundesbank, wurde 1948 in Frankfurt gegründet. Wenn Frankfurt schon nicht Hauptstadt der Bundesrepublik geworden war, sollte die Metropole am Main wenigstens Wirtschaftshauptstadt werden. Vor Einführung des Baugesetzbuches 1960 war vieles möglich. Immer mehr Bürogebäude rückten ins Westend vor. Hans Kampffmeyer, von 1956 bis 1972 Planungsdezernent in Frankfurt, entwickelte die Nordweststadt, plante den Römerberg und das Westend mit. „Aber die Spekulationen der Investoren, die Kampffmeyer billigend in Kauf nahm, gingen schließlich nicht auf“, sagte Förster. In Westend wird das an der Olenschlägerschen „Verwaltung“ deutlich. Das Planungsrecht entwickelte sich erst später, ebenso Bürgerinitiativen und Ortsbeiräte, die es seit 1976 in Frankfurt gibt.

Am sichtbarsten sind die Geschichtsringe auf dem Römerberg, der schließlich mit dem schöpferischen Nachbau der Neuen Altstadt 2018 seinen Abschluss fand – vorerst.

Das ungewöhnlichste Projekt aus den 1950er Jahren ist das Haus in der Berliner Straße, in dem heute der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sitzt. Martin Wentz begleitete dessen schwierige Sanierung.

„Heute gibt es einen extremen Mangel an Grundstücken, der – wie die Niedrigzinspolitik – die Preise in die Höhe treibt. Mit Immobilien lässt sich noch Geld verdienen“, stellte Wentz fest.

JF

 

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