Heute Christoph Links im Sonntagsgespräch über den Wechsel seines Verlages “Ch. Links ab 1. Januar unter dem Dach der Aufbau-Gruppe”

Christoph Links: “Es lag nahe, einen Partner zu suchen, der Interesse an unserem zeitgeschichtlichen Programm hat, dies fortführen möchte und sich gerade im Wachsen befindet. Deswegen bin ich über die Lösung mit Aufbau ausgesprochen glücklich”

Im September hatten wir es bereits gemeldet: In wenigen Tagen wechselt der Ch. Links Verlag nun unter das Dach der Aufbau-Gruppe. Das war Anlass für das heutige Sonntagssgespräch mit Verleger Christoph Links:

Wie fühlen Sie sich zu  Jahreswechel und damit kurz vor der Übergabe Ihres Verlages? Wenn man das eigene Unternehmen fast 30 Jahre lang aufgebaut hat, schmerzt es da nicht, es aus der Hand zu geben?

Christoph Links: Wenn das Ganze im 65. Lebensjahr und ohne jede Not geschieht, ist das ein durchaus erfreulicher Vorgang. Man wächst mit der Firma mit, eine Verantwortung kommt zur anderen, und man spürt gar nicht, dass da etwas Größeres entsteht, das einer allein so aus dem Stand nur schwer fortführen kann. Insofern lag es nahe, einen Partner zu suchen, der Interesse an unserem zeitgeschichtlichen Programm hat, dies fortführen möchte und sich gerade im Wachsen befindet. Das ist in diesen Zeiten nicht so ganz einfach. Daher bin ich über die Lösung mit Aufbau ausgesprochen glücklich.

Das hört sich ja soweit ganz gut an, aber ist das die ehrliche Antwort? Sie sind ein unabhängiger Geist, haben all die Jahre für die Interessen der unabhängigen Verlage gestritten, und nun wollen Sie als angestellter Geschäftsführer arbeiten? 

Bei Aufbau handelt es sich um eine konzernunabhängige Gruppe. Die Eigentümer Ingrid und Matthias Koch haben gerade das zehnjährige Bestehen ihrer Verlagsgruppe und des Aufbau-Kreativhauses am Berliner Moritzplatz gefeiert, das sich mit inzwischen 70 Mietern genau an der Schnittstelle von Ost- und West-Berlin befindet. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich gemacht, dass die Perspektive der Verlage in einer Stiftung liegen soll, um so deren Unabhängigkeit langfristig zu sichern. Da wirke ich gern noch ein wenig mit, geplant sind zunächst zwei Jahre, um die Fusion zu begleiten. Danach wird man sehen.

Denken Sie, dass Ihr Beispiel Schule macht?

Angesichts der Entwicklungen in unserer Branche ist anzunehmen, dass es weitere Konzentrationsprozesse geben wird. Wir erleben das ja schon seit einigen Jahren im Druckereibereich. In einem schrumpfenden Markt muss man die Kräfte bündeln. Da scheint es mir sinnvoll, dass wir Unabhängigen rechtzeitig neue Bündnisse eingehen – bevor es eng wird, ein Notverkauf ansteht oder die Insolvenz droht.

Was bedeutet das aber für Sie persönlich, kann das letztlich gut gehen?

Ich denke schon. Alle Gespräche sind bisher sehr fair und auf Augenhöhe geführt worden. Wir kennen beide die Fehler der deutschen Einheit: Der Kleine tritt bei, muss alle Spielregeln des Großen übernehmen und bekommt sein früheres Tun auch noch als unfähig und politisch falsch abqualifiziert. Genau das soll bei uns nicht geschehen. In beiden Häusern sind in diesem Herbst Bücher erschienen, die sich mit den Spätfolgen der damaligen Ereignisse auseinandersetzen, bei Aufbau „Wer wir sind – Die Erfahrung ostdeutsch zu sein“ von Wolfgang Engler und Jana Hensel und bei Ch. Links „Integriert doch erst mal uns – Eine Streitschrift für den Osten“ von Petra Köpping. Daher ist unser Konzept, dass wir uns Ressort für Ressort zusammensetzen und gemeinsam nach passenden Wegen für ein gelingendes Wachstum suchen.

Ein solches Vorgehen setzt aber voraus, dass der eine Partner nicht lahmt und vom Geld des anderen leben muss. Wie war denn Ihr Jahr 2018?

Durchaus erfreulich, auch wenn wir uns vom Weihnachtsgeschäft mehr versprochen hatten.

Was waren denn Ihre Highlights?

Erstmalig in der Verlagsgeschichte waren im Herbst gleich zwei Titel von uns auf den Bestsellerlisten, neben der Köpping-Streitschrift auch das „Gundermann“-Buch von Andreas Leusink, parallel zum erfolgreichen Film von Andreas Dresen über diesen widersprüchlichen Musiker. Daneben leben wir ja auch von unserer starken Backlist, die gut 60 Prozent des Umsatzes ausmacht. Bei der „Chronik des Mauerfalls“ bereiten wir gerade die 13. Auflage vor, vom großen Bild-Text-Band über das KdF-Seebad in Prora auf Rügen wird im Frühjahr die 10. Auflage erscheinen. Hinzu kommen die vielen Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Und drei Tage vor Weihnachten haben wir noch den Zuschlag des Bundesverteidigungsministeriums für eine neue Studienreihe zur deutsch-deutschen Militärgeschichte bekommen.

Und Ärger gab es gar nicht?

Leider ja,ohne den geht es tatsächlich selten ab. Wenn in der Woche vor Weihnachten einzelne Barsortimente und Großfilialisten noch mal kräftig remittieren, kann das schon die Jahresendziele ein wenig verhageln.

Damit hatten Sie nicht gerechnet?

Nein, denn völlig unverständlich wird es, wenn sich unter den zurückgeschickten Büchern auch gut laufende Erfolgstitel wie etwa „Gundermann“ befinden.

Wie kann das passieren?

Mir bereitet besonders das dahinterliegende Problem Sorgen. Automatisierte Maschinensysteme entscheiden zunehmend über Abläufe, wo früher menschlicher Verstand, also Erfahrung und Sachkenntnis, walteten. Die Maschine kennt nur Umschlagzahlen aus der Vergangenheit, weiß aber nicht, dass für Januar und Februar noch viele Lesungen angekündigt sind und dann wieder Bücher gebraucht werden. Sie agiert nach den einmal programmierten Algorithmen und verursacht dadurch unnötige Transporte, die unserer Umwelt ohne Zweifel schaden.

Dann frage ich jetzt zum Jahrwechesl: Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr am meisten?

Auf die Ernte von 30-jähriger Verlagstätigkeit im Bereich der jüngsten deutschen Geschichte. 2019 ist das Jubiläum der friedlichen Revolution von 1989. Dazu werden im Februar bereits die Erinnerungen von Rolf Henrich erscheinen, der mit seinem Buch „Der vormundschaftliche Staat“ einer der geistigen Väter des damaligen Umbruchs war. Und im Herbst wird dann von Hannes Bahrmann ein großer Überblicksband über das Vereinigungsjahr 1989/90 unter dem Titel „Finale“ folgen. Ohne die damaligen Entwicklungen hätte es unseren Verlag schließlich nie geben. Wir werden am 1. Dezember 2019 unseren 30. Gründungstag kräftig feiern.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz 

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