"Obacht, dieses Rennen ist noch nicht gelaufen" Der unabhängige Buchhandel steckt voller Ideen: Bilder von der LG Buch und Igus Tagung

„Nicht nur Synergien finden durch die Gespräche miteinander, sondern auch daran Spaß haben“: Das war das „Programm“, das LG Buch GF Dr. Michael Fürtjes vorgegeben hatte für die gemeinsame  Tagung von LG Buch und der Interessengruppe Unabhängiges Sortiment (IGUS) , die heute mittag in bester Stimmung mit Bestseller-Autorin Melanie Raabe („Die Falle„) als Überraschungsgast  des letzten Tages zu Ende gegangen ist:

Katrin Lutz (l., BuchMeyer Reinheim) mit Überraschungsgast Melanie Raabe und Dorette Peters (Random House, r.)

 

Carsten Hiller versprach, auch die Preispolitik von Carlsen („runde Preise“) im Haus zu diskutieren
Ein Prosit auf den Emons Verlag, der den Sekt spendiert hat (links: LG Buch GF Dr. Michael Fürtjes mit Ingeborg Simandi, Vertriebsleiterin bei Emons und Anne von Bestenbostel aus Nordenham und mit Reiner Gollenstede (Brake) und Ulrich Ohm (Buchhandlung Dietsch, Düsseldorf-Benrath)

 

Daniel Mesche nutze jede freie Sekunde, um für die Woche der Unabhängigen Buchhandlungen zu werben (die Idee, die er auf den Weg gebracht hat)

 

Veit Hoffmann (l.) und Katrin Haas gratulieren Antonia Schulze-Hackenesch (m.): Ihre Buchhandlung Beidek ist die Suhrkamp-Buchhandlung des Jahres

 

moses-Vertriebschef Till Zander ist sich sicher: Die Marke Fitzek wird im Herbst auch im Spielemarkt ein Erfolg

 

Großer Andrang bei der Ausstellung der „Highlights“ der Partnerverlage der LG Buch“ – zwei weitere neue Verlagspartner können bald bekannt gegeben werden

 

Für Ute Hellmann ist Astrid Lindgrens Friedenspreisrede „Niemals Gewalt“ (im Frühjahr bei Oetinger erschienen) „mehr als ein Anliegen, ein ganz ganz wichtiges Buch und ungemein aktuell gerade jetzt“

 

Hejo Emons zeigt Christine Westermann seinen neuen Spitzentitel
Iris Hunscheid bei der Begrüßung auch der IGUS Kollegen: „Obacht, das Rennen ist noch nicht gelaufen“
Hermann-Josef Emons stellt seinen Autor Helmut Vorndran und dessen Franken-Krimis vor – und Vorndran begeistert mit seinem Motto „Wer in Franken stirbt ist zufriedener tot“ nicht nur Buchkäufer sondern macht sichtlich auch Buchhändlern Lust auf dessen Bücher

 

Gundolf Meyer-Hentschel: „We can´t stop the age wave, but we can learn to surf on it“

Fast 100 BuchhändlerInnen mit fast ebenso vielen Gästen hatten sich seit Freitag  in Mannheim getroffen, um dieses Synergie – Experiment  zu wiederholen  (schon vor zwei Jahren hatten die beiden Gruppierungen am gleichen Ort gemeinsam getagt) und wieder wurde durch die behandelten Themen überdeutlich, dass der unabhängige Buchhandel nicht nur voller Ideen steckt, sondern sie auch umsetzen will.  Iris Hunscheid, eine der Igus-Sprecherinnen, sieht solche Tagungen „durchaus auch als branchenpolitisches Forum etwa vor der unübersehbaren Verdrängungspolitik der großen Ketten“  und spricht selbstbewusst für ihre KollegInnen: „Obacht, dieses Rennen ist noch nicht gelaufen. Wir wissen auch, was wir können, und unsere Kunden wissen das auch. Der Austausch untereinander wird uns dabei helfen, dass wir besser werden.“

Wer nicht da war, hat wieder, wie auch schon in den vorigen Jahren viel verpasst – und nicht nur die Begegnung mit Stargast Christine Westermann, die warmherzig begründete, warum sie überall mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür wirbt, wie wichtig eine gute Buchhandlung für das Funktionieren eines Ortes ist, der leben will. („Sie sind die stillen Helden einer Stadt – und werden nicht gesponsort“). Auch hätte sie gern in mehr Jurys und auch in Sendungen wie etwa dem Literarischen Quartett  einen Buchhändler dabei, um auch den Blick für die Verkäuflichkeit eines Buches zu schärfen („Die Leser nehmen es den Autoren nicht übel, wenn sie kein langweiliges Buch schreiben“) . Es ging ja auch um ganz praxisnahe Themen – Michael Böhme (BücherWege Vertrieb) lieferte z. B. an Hand der von ihm betreuten Marken Jumbo/Goya Argumente über den Hörbuchmarkt, der aus seiner Sicht vom Buchhandel noch längst nicht ausgereizt sei – was auch Carsten Hiller (Carlsen) für den Comic-Markt bewies – ähnlich wie und heute früh eine Diskussionsrunde für den Kalendermarkt mit den Verlagen DuMont, KV&H und Ackermann.

Fast ungläubig und dann mit Verblüffung wurde im Saal registriert, wie Gundolf Meyer-Hentschel die Augen dafür öffnete, was die neuen Alten aus der Babyboomer-Generation brauchen und wie „unterschätzt aber ertragreich“ der künftig weiter wachsende Markt der Senioren in Deutschland gerade auch für den Buchhandel sein wird (Meyer-Hentschel„We can´t stop the age wave, but we can learn to surf on it“ – und bewies es mit ganz einfachen Anregungen – etwa wie man mit kostenlosen Apps  Lichtstärke und Lärmpegel eines Ladens messen und dann verbessern könne – oder auch zu prüfen, wie sich der Laden aus Sicht von alteren Kunden (Stufen, Ablageflächen, etc) anfühlt. Diese durchaus kaufkräftigen Kunden würden nicht klagen, sondern einfach wegbleiben….aber auch dann, wenn die Mitarbeiter in den Läden ihnen nicht mit entsprechender Höflichkeit (die nichts koste)  begegneten..   Es folgten Höhepunkt auf Höhepunkt:

Vier Buchhandlungen (Die Schatulle, Osterholz–Scharmbeck, Buchhandlung bücherträume, Mühlheim/Ruhr, Die Büchergalerie, Lohne und die Buchhandlung Kayser, Rheinbach)   stellten Ihre Ideen zur Kundenbindung und -gewinnung vor;  Hermann-Josef Emons (in diesem Jahr ist der Emons Verlag „Verlag des Jahres“ der LG Buch)  stellt seinen Verlag vor und abends seinen Autor Helmut Vorndran, der am Abend die Gäste mit seinem Wortwitz begeisterte.

Zuvor hatte  Imke Schuster (DuMont) noch von den ersten Erfolgen mit dem Buch „Suppen für Syrien“ berichtet, die „wir in großen Teilen den inhabergeführten Buchhandlungen zu verdanken haben. So hat beispielsweise die „Schatulle“ (s. o. eine der Ideen deren Inhaber-Schwestern) einen Donnerstags-Film zum Buch gedreht oder die Gostenhofer Buchhandlung wochenlang Suppe gekocht, um diese an die Kunden zu verkaufen“. (Das Kochbuch, ein Projekt des amerikanischen Verlegers von Rafik Schami, ist bei DuMont im März erschienen und  100% des Erlöses wird gespendet.) Schuster: „Durch die rege Beteiligung des Buchhandels werden nicht nur wir sehr viel spenden können, sondern es kommen auch viele Spenden direkt an Schams e.V., die gesammelt werden. Das Buch kostet 34€ und viele kleine Buchhandlungen haben 10 Exemplare und mehr verkauft. Wo wir doch so oft von höheren Preisen reden…“

Das war auch ein Stichwort für Patrick Musial, der mit bitterer Ironie („Reich und glücklich im Buchhandel“ hieß sein Thema) bewies, wieviel Geld vom Handel verschenkt wird – weil wir uns „nicht konsequent genug und mit aller Kraft für höhere Bücherpreise einsetzen“ – und weil wir (das bewies dann auch Iris Hunscheid) nicht „ebenso konsequent die Kostenfallen beim Einkauf und in den Abläufen vermeiden.“

 

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