Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Oktober 2018

Der Frankfurter-Buchmesse-Monat ist vorbei und es wird wieder Zeit für einen Netzrückblick. Um gleich bei der Buchmesse zu bleiben: Hier wurde dieses Jahr zum zweiten Mal vom Börsenverein zusammen mit NetGalley der Buchblog-Award verliehen. Dieses Mal gab es eine Einteilung in neun Kategorien, was die Vielfalt der Buchblogs besser wiedergibt.U nd somit natürlich auch neun Gewinner. Es sind dies die Blogs Leseschatz, Buch & Wort, little words, black nd beautifulFiktion fetzt, Juli liest, BücherKaffee, Elementares Lesen und der YouTube-Kanal Buchgeschichten. Auch an dieser Stelle ganz herzliche Glückwünsche an die acht Gewinnerinnen und den Gewinner! Und wer die neun Blogs noch nicht kennt, sollte dies unbedingt ändern. Die Besuche lohnen sich sehr.

Der Blogbuster-Preis 2018 wurde vergeben. Gewonnen hat Sebastian Guhr, dessen Manuskript “Die langen Arme” vom Blog Das Debüt eingereicht wurde. Im Blog gibt es einen Beitrag dazu, in dem man den Autor näher kennenlernen kann. Auf das Buch bin ich sehr gespannt, es wird im nächsten Frühjahr bei Kein & Aber erscheinen. Übrigens: Das Bloggerteam hinter Das Debüt hat auch einen eigenen Preis für das beste im laufenden Jahr erschienene Romandebüt ins Leben gerufen, der 2018 bereits das dritte Mal verliehen wird.

Und aus den zahlreichen Buchmesserückblicken möchte ich einen besonders empfehlen, nämlich denjenigen von Booktuberin Ilke Sayan, die das Messetreiben auf ihrem mit dem Buchblog-Award ausgezeichneten Kanal BuchGeschichten äußerst gelungen eingefangen hat.

Nach all dem Preisregen gibt es nun einen Abschied zu vermelden: Bloggerin Simone Stratil hat sich leider entschlossen, nach zehn Jahren ihren Blog Papiergeflüster nicht mehr weiterzuführen und schreibt, was sie dazu bewogen hat. Als ich 2013 mit dem Kaffeehaussitzer an den Start gegangen bin, wurde er von ihrem Blog als erstes in der Blogosphäre wahrgenommen, wofür ich bis heute dankbar bin.

Im Blog Bücherkinder gibt es einen leidenschaftlichen Beitrag von Stefanie Leo über die Ausstellung “Bücher für die Menschlichkeit”, in der etwa 100 Kinder- und Jugendbücher gezeigt werden, die sich stark machen für Frieden, Freiheit und Toleranz.

Schon vor einiger Zeit wurde hier darüber berichtet, dass Brösels-Bücherregal-Bloggerin Daniela Brose ein Magazin gegründet hatte, in dem verschiedene Bloggerinnen und Blogger Gastbeiträge zu den unterschiedlichsten Büchern schreiben. Zur Frankfurter Buchmesse erschien die zweite Ausgabe des Magazins “Generation Buch”und es lag nun auch in gedruckter Form an den unterschiedlichsten Ständen auf dem Messegelände aus. Professionell in Eigenregie layoutet ist damit ein weiterer Kanal entstanden, auf dem über Bücher gesprochen wird.

Am 24. Oktober war der Tag der Bibliotheken und im Blog Lesevergnügen erschien aus diesem Anlass ein Bericht über eine der großartigsten und innovativsten Bibliotheken der Welt: Die New York Public Library. Insbesondere geht es in dem Text um den Library Way, der an der NYPL startet.

Im Blog Sätze & Schätze gibt es ein wunderbares Plädoyer für unabhängige Buchhandlungen mit dem Titel “Der Buchhändler – Lotse, Ratgeber und Verführer”. Eine schöne Einstimmung auf die kommende WuB – Woche unabhängiger Buchhandlungen.

Eine spannende Gemeinschaftsaktion: Bloggerin Karolin Hagendorf mit ihrem Blog Fiktion fetzt (gerade frisch mit dem Buchblog-Award ausgezeichnet) und Sabine Friedrich mit ihrem Blog Antiheldin beschäftigen sich gemeinsam mit der Romanfigur Sherlock Holmes und haben eine Beitragsreihe dazu gestartet. Der Hashtag zur Aktion: #bakerstreetblogs.

Am 11. November 2018 wird der Schweizer Buchpreis verliehen, fünf Romane stehen auf der Shortlist. Bettina Schnerr stellt diese fünf Bücher in ihrem Blog Bleisatz mit aussagekräftigen Kurzrezensionen vor.

Etwas ganz Besonderes ist für mich der Blog TraLaLit, denn es geht darin um übersetzte Bücher und vor allem um die Kunst des Übersetzens – meines Wissens der einzige deutschsprachige Blog, der sich explizit mit diesem wichtigen literarischen Themenfeld beschäftigt. Besonders spannend fand ich den Beitrag über ein vom Goethe-Institut in Seoul initiiertes Übersetzungsprojekt: Thomas Melles Roman “Die Welt im Rücken” wurde mit Hilfe einer digitalen Plattform von zehn Übersetzerinnen und Übersetzern aus unterschiedlichen Ländern gleichzeitig in zehn verschiedene asiatische Sprachen übersetzt. Dabei standen sie in ständigem Kontakt untereinander und mit dem Autor. Dieses Social-Translating-Projekt wird auf TraLaLit vorgestellt. Großartig!

Auch wenn man es noch nicht so recht wahrhaben möchte: In sieben Wochen ist Weihnachten. Deshalb schließe ich diesen Netzrückblick mit einem Text aus dem Blog Lesestunden von Tobias Zeisig, in dem er zwölf ausgefallene Geschenkideen für Buchliebhaber und Vielleser vorstellt.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen nicht zu verregneten November und viele gemütliche Leseabende.

Uwe Kalkowski ist seit 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler in großen und winzigen Buchhandlungen, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Marketingmensch in verschiedenen Fachverlagen; seit 2009 ist er Marketingleiter des RWS Verlagsin Köln. Als Kaffeehaussitzer bloggt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse. In der Kolumne Kaffeehaussitzers Netzrückblick gibt er hier auf buchmarkt.de regelmäßig eine Übersicht über lesenswerte Fundstücke aus den Literaturblogs. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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