Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Juni 2020

Ein ereignisreicher Monat liegt hinter uns. Corona hält die Welt weiter in Atem, während gleichzeitig zahlreiche gesellschaftliche Bruchstellen sichtbar werden. Vieles ist in Bewegung geraten, der Alltagsrassismus wird nicht nur in den USA diskutiert wie selten zuvor.

Daher möchte ich diesen Netzrückblick mit dem Hinweis auf einen Beitrag im Blog Buch-Haltung beginnen. Unter der Überschrift #BüchergegenRassismus hat Marius Müller eine interessante und abwechslungsreiche Lektüreliste zusammengestellt. Passend dazu gibt es im Blog Zeichen & Zeiten die lesenswerten Besprechungen der Bücher „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin und „Washington Black“ von Esi Edugyan.

Elementares Lesen ist der Sachbuchblog schlechthin, die Bandbreite der dort vorgestellten Bücher ist immer wieder beeindruckend. So auch in der aktuellen Auswertung der Herbstprogramme 2020, in der Bloggerin und Buchhändlerin Petra Wiemann sage und schreibe 134 Titel aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten zusammengestellt hat. Und diejenigen benennt, auf die sie sich schon am meisten freut.

Die Ferienzeit hat begonnen bzw. beginnt in Kürze – und wird wohl bei uns allen etwas anders aussehen, als wir uns das zu Beginn des Jahres vorgestellt haben. Zum Glück gibt es genug Lektüre für Reisen im Kopf: Im Beitrag „In 80 Büchern um die Welt“ hat die Reisebloggerin alias Gudrun Krinzinger 80 persönliche Buchempfehlungen der unterschiedlichsten Menschen zusammengestellt. Ganz große Stöberempfehlung.

Im Blog der Initiative Lesezeichen Mannheim geht es auf Europareise. Die Beiträge führen quer durch Europa zu Schauplätzen großer Literatur und an Orte, die an wichtige Autorinnen und Autoren erinnern.

Jeder kennt den Begriff Bücherwurm. Doch was hat es damit wirklich auf sich? Es gibt zahlreiche Tierchen, die eine Vorliebe für Gedrucktes haben. Bloggerin Marion Rave stellt auf schiefgelesen den Bücherwurm und seine Verwandten vor; außerdem beschreibt sie die Schäden, die sie anrichten können. Wer unter einer Insektenphobie leidet: Vorsicht, der Beitrag enthält zahlreiche Bilder.

Gibt es ganz konkrete Erlebnisse, die uns zu Lesern gemacht haben? Bloggerin Birgit Böllinger kann das ganz klar bejahen und schreibt darüber in ihrem Blog Sätze & Schätze: „Ich wurde zur Leserin, weil ich einem Mann als Bein pinkelte“. Und das ist wörtlich gemeint.

Florian Valerius, bekannt als @literarischernerd, durfte in der Schatzkammer der Stadtbiblothek Trier die bibliophilen Schmuckstücke besichtigen und bewundern. Im Blog Bücherkaffee schreibt er darüber – und viele Photos gibt es auch. Wunderschön!

Für den Blog Nacht und Tag hat Nicole Seifert die Autorin Marlene Streeruwitz interviewt. Es geht um den Verriss ihres ersten Romans durch Marcel Reich-Ranicki, um die Veränderungen im Literaturbetrieb und den Stand der Gleichberechtigung.

Im Blog Bookster HRO hat sich Stefan Härtel intensiv mit der USA-Trilogie von John Dos Passos beschäftigt. Das 1600-Seiten-Werk ist gerade in einer Neuübersetzung von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl bei Rowohlt erschienen. Sein Fazit: „Das ewig geltende Psychogramm eines beispiellos mächtigen, aber zutiefst zerrütteten Landes. Unbedingt lesen!“ 

Das also sind die Beiträge, die mir in den letzten vier Wochen aufgefallen sind. Natürlich ist das wie immer nur eine winzige Auswahl aus der bunten Welt der Buch- und Literaturblogs – und letztendlich eine Einladung, sich in dieser Welt umzusehen. Es lohnt sich.

Ich wünsche uns einen guten Start in den Sommer – allen Einschränkungen zum Trotz. Und natürlich viel Ferienlesezeit.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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