Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Januar 2020

Uwe Kalkowski

Der Januar 2020 war prall gefüllt mit lesenswerten Texten der unterschiedlichsten Literaturblogs. Eine kleine Auswahl davon gibt es in diesem Netzrückblick.

Beginnen möchte ich mit einem wunderbaren Beitrag von Stefanie Leo, den ich auf ihrem Blog Lesen – Leben – Lachen gefunden habe und der den kurzen Titel trägt „Über Literatur“. Darin ist zu lesen: „Für mich ist Literatur etwas, was in mir nachhallt, wie ein guter Wein, den ich noch lange im Mund schmecke. Manchmal liegt es aber auch daran, dass mich eine Geschichte einfach genau zum richtigen Zeitpunkt erreicht, als hätte sie wie ein guter Freund an der Ecke gewartet, um mich ein Stück meines Weges zu begleiten.“

Sehr beeindruckt hat mich Nicole Seiferts Besprechung des Klassikers „Middlemarch“ von George Eliot in ihrem Blog Nacht und Tag. Um dieses Buch bin ich schon länger herumgeschlichen, nach dem Lesen des Bogbeitrags habe ich es mir direkt gekauft. Der Text bezieht sich dabei auf die Übersetzung von Melanie Walz, die im Rowohlt Verlag erschienen ist. Wer sich ausführlich über die Unterschiede zwischen dieser und anderen Übersetzungen informieren möchte, dem sei unbedingt der ausführliche Text im Blog TraLaLit ans Herz gelegt.

Gut dazu passend schreibt Katharina Herrmann in ihrem Blog Kulturgeschwätz über die Auffindbarkeit – und damit Sichtbarkeit – der Werke klassischer Literatur, die aus der Feder von Autorinnen stammen.

Social-Web-Rangerin Wibke Ladwig ist gelernte Buchhändlerin. Im letzten Weihnachtsgeschäft war sie für einige Wochen in ihrem früheren Beruf tätig und schrieb im Januar darüber: „Abenteuer Buchhandel – wie ich meinen alten Beruf noch einmal anprobierte“. Ein lesenswerter Bericht.

Ein wichtiges Datum im Januar war der 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung. Die Erinnerung an den Tiefpunkt unserer Geschichte erscheint in Zeiten, in denen die Grenzen des Sagbaren und des Anstands immer weiter nach rechts verschoben werden, wichtiger denn je. Zwei Buchbesprechungen dazu möchte ich hier vorstellen. Auf Sätze & Schätze schreibt Birgit Böllinger über „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen“, einen Band mit drei Erzählungen von Christoph Heubner. Und auf meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer geht es im Januar um das Buch „Kanada“ von Juan Gómez Bárcena, ein herausragendes Werk, dem ich so viele Leser wie möglich wünsche.

Sören Heim vergleicht in seinem Blog die Fernsehserie „Babylon Berlin“ mit der Romanvorlage „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher.

Eine sehr eindrucksvolle Liste hat Petra Wiemann in ihrem Sachbuch-Blog Elementares Lesen zusammengestellt. Nach akribischer Auswertung aller maßgeblichen Verlagvorschauen finden sich hier 158 Sachbücher aus allen Bereichen, die im Frühjahr erscheinen. Nicht nur für Buchhändlerinnen und Buchhändler eine hilfreiche Zusammenstellung und ein großartiger Überblick.

Auch auf intellectures gibt es einen Ausblick. Und zwar auf den Comicfrühling. Thomas Hummitzsch stellt darin die wichtigen Comic-Neuerscheinungen vor.

Auch eine weitere Novitätenliste muss unbedingt erwähnt werden: Auf Glasperlenspiel13 hat Vera Lejsek eine abwechslungsreiche Auswahl neuer Bücher aus Südamerika zusammengestellt.

Im Blog sternschnuppen & sterne beschäftigt sich Wolfgang Hink mit Walter Kempowski und schreibt spannend und ausführlich über den 1972 erschienenen Roman „Uns geht’s ja noch gold“.

Im Blog crimenoir – den man als Krimileser unbedingt regelmäßig besuchen sollte – geht es um den Deutschen Krimipreis und die ausgezeichneten Bücher.

Der Blog Das Debüt hat wieder das Debüt des Jahres prämiert; gewonnen hat den Preis Nadine Schneider mit ihrem Roman „Drei Kilometer“. Der Bloggerpreis von Das Debüt wurde damit bereits zum vierten Mal vergeben und ist inzwischen aus der Literaturszene nicht mehr wegzudenken.

Zum Schluss möchte ich noch einen Blog vorstellen, den ich im Januar neu für mich entdeckt habe und der mich sehr begeistert: Unter dem aussagekräftigen Namen Kochtopf und Feder vereint Katja Krieger die Themen Literatur und Kochen – für mich eine perfekte Kombination und dazu ein wunderschön gemachter Blog. Eine große Besuchsempfehlung sei hiermit ausgesprochen.

Der Februar ist dieses Jahr einen Tag länger – das bedeutet mehr Lesezeit in einem Wintermonat. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viele wunderbare Buchentdeckungen.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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