Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Dezember 2019

Das Jahr 2019 ist zu Ende gegangen und wir befinden uns nun in den Zwanzigerjahren. Der Netzrückblick für den Monat Dezember erscheint urlaubsbedingt Anfang Januar und bietet wie stets einen Einblick in die bunte Welt der Literaturblogs.

Naturgemäß ist der Dezember die Zeit der Jahresrückblicke. In vielen Beiträgen ging es daher um die persönlichen Lesehighlights der jeweiligen Literaturbloggerinnen und -blogger. Oftmals bin ich dadurch erst auf Bücher aufmerksam geworden, die ich bisher nur am Rande oder gar nicht wahrgenommen hatte – so unterschiedlich sind die individuellen Lesevorlieben. Beispielhaft seien hier die Jahresrückblicke in den Literaturblogs Fräulein Julia, Buch-Haltung, Feiner reiner Buchstoff, We Read Indie, Nur Lesen ist schönerund Fiktion fetzt genannt. Und auf Kaffeehaussitzer habe ich über meine persönlichen Favoriten des Lesejahrs 2019 geschrieben.

Neben den vielen Rückblicken gibt es natürlich auch zahlreiche Beiträge, die sich mit den kommenden Frühjahrstiteln beschäftigen. Hier möchte ich unbedingt den Beitrag von Petra Reich in ihrem Blog LiteraturReich empfehlen – nirgendwo anders habe ich eine ausführlicheren und umfassenderen Blick in den Bücherfrühling gefunden wie dort. Lesetipps vom Feinsten.

Den mit Abstand beeindruckendsten Text las ich im Blog Crow and Kraken. Bloggerin Mareike Hansen verarbeitet darin eine Panikattacke literarisch. Ein bewegender Beitrag, der auch – oder gerade – Nichtbetroffenen unter die Haut geht. Unbedingte Leseempfehlung.

Karla Paul hat auf ihrem Blog Buchkolumne das Projekt #Olgalesen angestoßen. Auf allen sozialen Kanälen soll ab sofort unter diesem Hashtag über das Werk von Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk berichtet und diskutiert werden. Es gibt Diskussionsgruppen auf mojoreads und Facebook, jeder kann sich daran beteiligen – es wird spannend, was dabei zusammenkommt.

Im Literaturblog Gassenhauer wird das Buch „So stirbt man also“ von Marc Ritterund Tom Ising vorgestellt. Es ist eine Buchbesprechung, die mich sehr neugierig gemacht hat, da dieses Thema mich – wie vermutlich viele andere auch – schon seit vielen Jahren beschäftigt.

Sandro Abbate schreibt auf novelero bei der Buchbesprechung von Simon Strangers „Vergesst unsere Namen nicht“ über das Thema Holocaust: „Wir sollten nie aufhören, über das, was damals geschehen ist, nachzudenken, zu forschen, zu schreiben und zu lesen. Allein schon aus dem Grund, um unserer und den nachfolgenden Generationen diese zwei Worte einzuimpfen: Nie wieder!“

2020 werden die runden Geburtstage Ludwig van Beethovens, Paul Celans, Friedrich Hölderlins und Georg Wilhelm Friedrich Hegels gefeiert. Bloggerin Katharina Herrmann nimmt dies zum Anlass, um daran zu erinnern, dass es 2020 auch Jubilarinnen der deutschen Kulturgeschichte gibt; etwa Sophie Mereau, AnnetteKolbMarlen Haushofer oder Dorothea Schlözer-Rodde. Diese und noch zahlreiche weitere Dichterinnen, Denkerinnen und Musikerinnen wird sie im Laufe des Jahres in ihrem Blog Kulturgeschwätz vorstellen. Und im März erscheint bei Reclam ihr Buch „Dichterinnen und Denkerinnen“ über Frauen „die trotzdem geschrieben haben“.

Die Welt der Literaturblogs ist ein ständiges Kommen und Gehen. Und ganz aktuell gibt es dafür wieder zwei Beispiele. Marc Richter, der den von mir sehr geschätzten Blog Lesen macht glücklich betreibt, wird 2020 erst einmal auf unbestimmte Zeit pausieren. Auch an dieser Stelle wünsche ich alles Gute und hoffe auf ein Wiederlesen; irgendwann, wenn es wieder passt. Gleichzeitig hat Jochen Kienbaum vorsichtig erste Rückkehrgedanken seines Blogs lustauflesen.de  geäußert – was mich sehr freuen würde.

Zum Schluss noch einen kurzen Blick auf das Döblin-Projekt im Blog Lector in fabula: Im Januar 2019 gestartet sind hier etliche Texte zusammengekommen, die letzten beiden gerade erst im Dezember. Ein Besuch lohnt sich.

Jetzt bleibt mir nur noch, uns allen einen guten Start in das neue Jahr und das neue Jahrzehnt zu wünschen. Natürlich mit vielen Büchern und literarischen Entdeckungen. Bis bald.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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