Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – August 2017

Kalkowski
Der Kaffeehaussitzer in seiner natürlichen Umgebung Foto: © Vera Prinz

Nachdem der letzte Netzrückblick urlaubsbedingt etwas knapper ausgefallen war als gewohnt, hatte ich versprochen, dies im Augustrückblick wieder wettzumachen. Und das fällt nun ziemlich leicht, denn es war ein äußerst ergiebiger Monat voller lesenswerter Beiträge aus den unterschiedlichsten Literaturblogs.

Jeder kennt das: Man quält sich durch sperrige Bücher, von denen man denkt, dass man sie gelesen haben müsste. Caterina Kirsten schreibt in ihrem Blog Schöne Seiten, warum es eigentlich gar nicht so schlimm ist, solch eine Lektüre auch mal abzubrechen. Das gehört zu einem Leserleben schließlich dazu.

Ein sehr beeindruckendes Buch ist das gerade auf Deutsch erschienene „American War“ von Omar El Akkad. Nach den Besprechungen auf masuko13 und auf Koreander bin ich direkt in die nächste Buchhandlung gegangen, um es zu kaufen. Und habe es danach in einem Rutsch durchgelesen. Großartig!

Isabella Caldart hat in ihrem Blog novellieren die neue Rubrik „Was ich las“ eingeführt, in der sie Autoren nach ihren literarischen Vorbildern befragt. Den Auftakt macht Sven Heuchert, dessen Roman „Dunkels Gesetz“ gerade bei Ullstein erschienen ist.

Im Blog Zeilensprünge wird das ambitionierte Werk „Kafka geht ins Kino“ vorgestellt, eine spannende und detailreiche Reise in Kafkas Leben und in die Frühzeit des Kinos.

Der Blog Herzpotenzial beschäftigt sich schon länger mit dem Shakespeare-Projekt, an dem verschiedene Autoren beteiligt sind. Neuester Blogbeitrag dazu ist die Besprechung von Margaret Atwoods „Hexensaat“.

Was wissen wir über die Literaturszene Boliviens? Ich zumindest nicht viel, umso neugieriger las ich einen Beitrag über bolivianische Bücher und Literatur im Blog Niemandsland.

Ein Verriss: Im Blog 54books wird der Roman „Sieben Nächte“ von Simon Strauß nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Ebenfalls auf 54books findet sich ein interessantes Interview mit Albert Eibl, der es sich mit seinem DVB-Verlag zur Aufgabe gemacht hat, vergessene Bücher der österreichischen Literatur wiederzuentdecken.

Dazwischen geht Fräulein Julia auf Entdeckungsreise und schaut hinter die Kulissen. Und zwar hinter die vom Dussmann Kulturkaufhaus.

Auf lustauflesen.de gibt es eine lesenswerte Buchbesprechung von Linda Boström Knausgårds „Willkommen in Amerika“. Lohnt sich. Buch wie Besprechung.

Marc Richter beschäftigt sich in seinem Blog Lesen macht glücklich mit der Rezeption der Verfilmung von Stephen Kings Dark Tower, einem Werk, dem er bereits im Mai ein eigenes Leseprojekt gewidmet hatte.

Auch bei der Bücherkrähe bin ich mal wieder fündig geworden. Zum einen gab es einen Beitrag über Graphic Novels als literarische Gattung. Zum anderen wird dort die Graphic Novel „In the Pines. 5 Murder Ballads“ von Erik Kriek vorgestellt – und das klingt wirklich nach einem außergewöhnlichen Werk.

Dass Verlage die Buchblogger als Multiplikatoren entdeckt haben ist ja nichts Neues. Aber wie könnte die Zusammenarbeit zwischen beiden optimal aussehen? buchrevier-Blogger Tobias Nazemi hat eine sehr ausführliche Checkliste zusammengestellt, die alle Aspekte berücksichtigt. Und diese dann gleich einmal einem Praxistest unterzogen.

Im Blog der Autorin Magret Kindermann gibt es eine Liste, welche deutschsprachigen Schriftsteller auf Twitter zu finden sind. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber auf jeden Fall ein wunderbares Vernetzungs-Instrument.

Im Blog Miss Mesmerized – den ich gerade erst entdeckt habe – hat mir die Buchvorstellung von Stefan Ferdinand Etgetons „Das Glück meines Bruders“ sehr zugesagt und mich neugierig auf das Buch gemacht.

Apropos gerade erst entdeckt: Im August bin ich auf die Blogs Bateau des Livres und Epilogues aufmerksam geworden, die mir beide sehr gut gefallen. Es ist einfach immer wieder bereichernd, in der Blogwelt auf Erkundungsreise zu gehen!

Viel zu entdecken wird es auch in der Longlist zum Buchblog-Award 2017 geben, die am 1. September online geht. Der Preis ist ein Gemeinschaftsprojekt von Börsenverein und NetGalley, prämiert werden soll ein „Blog, der Literatur auf besondere Weise vermittelt und seine Zielgruppe charakteristisch anspricht“. Wir dürfen gespannt sein. Die Jury ist jedenfalls prominent besetzt, als Blogger-Vertreterin gehört Sarah Reul alias pinkfisch dazu. Die zudem gerade einen lesenswertenText zum Weltalphabetisierungstag veröffentlicht hat.

Wer etwas mehr über den Schreiber dieser Zeilen wissen möchte: Vor einiger Zeit durfte ich Karla Paul in einem Interview Rede und Antwort stehen, der Beitrag ist nun auf  Kaffeehaussitzer online.

Was mich im August sehr gefreut hat: Buchhändlerin und Bloggerin Nina Merks hat nach einer längeren Blogpause ihren Literaturplausch neu gestartet. Jeder Buchtipp, den ich in den letzten Jahren von ihr bekommen hatte, war ein Volltreffer. Welcome back!

Und zum Schluss gibt es noch einen Blick auf Wortmax, einen wahren Literaturblog-Veteran. Im Beitrag „Book to the roots“ blickt Holger Reichard auf die Zeit zurück, als das alles anfing mit diesen Blogs. Und Karsten Weyershausen schreibt ebenfalls auf Wortmax einen wunderbaren Beitrag über Lieblingsbücher, den ich jedem ans Herz legen kann.

Bei all diesen Literaturtipps bleibt mir nur noch die Klage jedes Buchliebhabers zu zitieren: So viele Bücher, so wenig Zeit. In der Hoffnung auf trotzdem viel Lesezeit wünsche ich uns allen einen schönen Spätsommer und viele wunderbare Buchentdeckungen.

 

Uwe Kalkowski ist seit vielen Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler in großen und winzigen Buchhandlungen, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Marketingmensch in verschiedenen Fachverlagen; seit 2009 ist er Marketingleiter des RWS Verlags in Köln. Als Kaffeehaussitzer bloggt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse. In der Kolumne Kaffeehaussitzers Netzrückblick gibt er hier auf buchmarkt.de regelmäßig eine Übersicht über lesenswerte Fundstücke aus den Literaturblogs. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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