BuchMarkt Magazin Die Perlen der Backlist

Künftig wollen wir regelmäßig immer wieder auf die Schätze der Backlist aufmerksam machen, um diese Umsatzbringer wieder ins Bewusstsein der Buchhändler zu bringen.

Augenscheinlich haben wir damit den Nagel auf den Kopf getroffen, wie ein Leserbrief von Lutz Lewejohann (Buchladen Neustraße in Neuss) beweist:

Lieber Herr von Zittwitz, es dauert immer so lange, bis man bei BUCHMARKT ans Ende kommt… Und dann die Überraschung: Tipps der Verlage aus ihrer Backlist: ganz toll!! Das AHA-Erlebnis: Richtig. Den Titel haben wir doch immer verkauft: warum ist er nicht da? Irgendwie dadurch gegangen, jetzt aber sofort bestellt! Also: sehr gut! Aber bitte: nur echte Backlist-Bestseller. (Auflagen-Nennung muß Pflicht sein. Und mal beim BS nachsehen, ob es wirklich Highlights sind).Und im Übrigen für den ganzen BUCHMARKT: Weiter so!!

Wir hatten bei den Verlagen gefragt, wie sie die Chancen für ein neues Bewusstsein für die Backlist sehen:

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Thomas Häußner

Thomas Häußner
(Geschäftsführer)
Echter

„Eingeführte Backlist-Titel sind für Buchhändler und Verlage relativ sichere und risikolose Umsatzbringer und bei richtiger Pflege und gezieltem Einsatz eine solide Basis für die Umsatzplanung. Daher sollte man diesen nicht weniger Aufmerksamkeit schenken, als den Novitäten.“

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Herwig Bitsche (© NordSüd Verlag)

Herwig Bitsche
(Verleger / Publisher)
NordSüd

„Ich kann auch nur bestätigen, dass unser Backlist-Anteil bei Amazon noch deutlich höher ist als im stationären Handel. Irgendwie sind wir ja Backlist-Spezialisten und mit einem BL-Anteil von über 50 Prozent lebt es sich ganz komfortabel. Tatsächlich drucken wir jedes Jahr ungefähr doppelt so viele Titel nach, wie wir neue auflegen. Titel wie der Regenbogenfisch werden jedes Jahr in mehreren Sprachen nachgedruckt. Auch Weihnachtsbücher gehören zum Jahresrhythmus.Ein Hauptgrund, warum Bilderbücher einen sehr langen Lebenszyklus haben, liegt vermutlich darin, dass es davon keine Taschenbuchlizenzen gibt, sondern immer nur die Originalausgaben vorliegen. Unsere ältesten Titel sind seit 50 Jahren ununterbrochen lieferbar. Viele Titel sind seit 10 oder mehr Jahren im lieferbaren Programm. Deswegen bewerben wir Neuauflagen auch immer wieder in der Vorschau unter der Rubrik „Best of Backlist“ (Vorschau Seite 36/37). Und wir präsentieren auch immer die gesamten lieferbaren Titel in der Vorschau.“

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Claudia Gehrke

Claudia Gehrke
(Verlegerin)
konkursbuch

„Als inzwischen ziemlich alter, aber immer noch sehr kleiner Verlag haben eine große Backlist, weil wir die Bücher unserer Autorinnen lieferbar halten möchten – was wir im vergangenen Jahr sehr teuer bezahlen mussten, so teuer, dass es uns gefährdet (dazu kommt ja noch die VG-Wort) – es gab zu einem zurückliegenden Zeitpunkt, wo wir im Verlag etwas geändert hatten, eine Steuerprüfung mit Lagerbewertung, und die Summe an kleinen Stückzahlen ergab sehr viel. Wir denken uns immer wieder einmal etwas für Backlisttitel aus – zum Beispiel haben wir im vergangenen Jahr den Vorschlag eines Urlaubsschaufensters gemacht, in dem auch Bücher unserer Reihe zu den kanarischen Inseln stehen. Wir haben keine „klassischen“ Reiseführer im Programm, sondern literarische Lesebücher und besondere Reiseführer z.B. für die Insel La Palma (Ines Dietrich, Geheimnisse der Insel La Palma, ein Reiseführer durch 12 Monate) oder zu Lanzarote (Silvia Volckmann, Literarisches Lanzarote ABC, Reisen durch den Blick der Literatur, beide gehen über Amazon gut), sowie Romane kanarischer Autoren (wie den bekanntesten Roman der Kanaren „Mararía“ von Rafael Arozarena). Wir boten auch besonderes Dekomaterial (Olivinsteine, Tüten mit Meersalz etc.) – die Kanaren boomen zurzeit als Reiseziel. Mehr Erfolg hatte unser Angebot, Backlisttitel der Autorin Yoko Tawada zu zeigen – denn sie wurde im November 2016 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet. Yoko Tawada hat viele schmale schön gestaltete Bücher, die wir alle lieferbar halten. Auf Lesungen liest sie immer aus verschiedenen Büchern, nie nur aus den je neuen. Wir haben für die Buchhändler eine Zusammenstellung der „Top 10“ ihrer Bücher (es sind inzwischen mehr als 25 bei uns erschienen) gemacht, und das wurde auch angenommen. Aber generell wird es immer schwerer für uns im Buchhandel. Buchhändler sagen immer öfter, sie bestellen nur dann, wenn nachgefragt wird. Aber Bücher der großen Verlage – Krimis etc. – liegen nebeneinander in Stapeln in der Auslage. Von unserer Thrillerreihe wird auch mal ein Exemplar eingekauft, was aber gleich im Regal im Alphabet verschwindet – und dann remittiert wird. Beim nächsten Vertreterbesuch heißt es: Das konnten wir nicht verkaufen, also nehmen wir nichts mehr aus der Reihe. Klar, dass es nicht verkauft wurde. Denn auch unsere Thriller müssten in einem Stapel zwischen den Stapeln der anderen sichtbar sein – im Regal sucht man ja nur gezielt nach Namen, die man schon kennt, wenn man aber „einfach so“ neuen Lesestoff sucht, blättert man in den Stapeln.“

Dr. Karl-Heinz Fallbacher
Dr. Karl-Heinz Fallbacher

Dr. Karl-Heinz Fallbacher
(Leiter Marketing/Vertrieb)
Reclam

„Ich schüttle regelmäßig den Kopf, wenn ich sehe, wie viele höherpreisige, absatzstarke Titel nach den ersten Monaten ganz überproportional über den Onlinehandel gehen. Der stationäre Handel verliert leider so manchen Titel aus dem Blick. Mit dieser knappen Erinnerungsrubrik könnte sich das ändern. Schön wär’s.“

Rainer Groothuis
corso im Verlagshaus Römerweg

„Die Backlist kann das Salz in der Suppe des Umsatzes sein. Anders gesagt: Nur von Novitäten kann kaum ein Verlag leben – und den allermeisten Lesern ist es völlig egal, wann ein Buch erschienen ist – Hauptsache ist doch, dass es ihm, aus welchem Antrieb auch immer: gefällt.“

HannesBo¦êhm
Hannes Böhm

Hannes Böhm
(Vertriebs- und Marketingleiter Handel)
adeo Verlag · Gerth Medien

„In unserer Wahrnehmung wird der Markt immer stärker von Novitäten getrieben. Das macht es für die Backlist nicht einfacher. Die Haltbarkeit der Backlist zu verlängern, ist ein schwieriges Unterfangen. Autoren und Verlage sind gefordert, richtig gute Bücher zu machen, die bei den Lesern bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn letztlich ist es der Leser, der ein Buch für gut befindet und dafür sorgt, dass durch Geschenkkäufe oder Empfehlungen immer wieder Nachfrage nach diesen besonderen Büchern erzeugt wird. Und eben auch dann noch, wenn der Titel schon längst nicht mehr als Neuheit gilt.“

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Frank H. Häger (© Gräfe und Unzer Verlag/Kay Blaschke).

Frank H. Häger
(Programmgeschäftsführung)
GRÄFE UND UNZER 

„Unter Klassiker bezeichnen wir bei uns im Verlag Bücher und Themen, die seit Jahren und z.T. Jahrzehnten Dauerseller im Programm sind und oft bzw. immer noch vom Kunden nachgefragt werden. Eines der wohl erfolgreichsten und mehrfach ausgezeichneten Kochbücher der letzten Jahrzehnte ist beispielsweise „Die echte italienische Küche“, das die schönsten und besten Originalrezepte der italienischen Küche beinhaltet. Das Buch ist jetzt wieder unverändert in Optik und Inhalt im Programm und gilt nicht zuletzt deshalb auch bei vielen Liebhabern der italienischen Küche als der Kochbuchklassiker.“

Stegmeier,Wolf
Wolf Stegmaier

Wolf Stegmaier
(Programmleiter des Comicprogramms)
Egmont Comic Collection

„Im Comicbereich ist die Backlist mit einem Umsatzanteil von über 60 Prozent das „backbone of the business“. Eine ausgiebige Pflege der Backlist ist bei Longsellern wie z.B. „Asterix“ und „Lucky Luke“ unumgänglich, um auch neue Generationen von Lesern zu gewinnen und damit für die Langlebigkeit einer Reihe zu sorgen.“

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Klaus Humann

Klaus Humann
(Geschäftsführer)
Aladin

„Jenseits aller ökonomischen Überlegungen: Was für ein beglückendes Gefühl, backlistfähige Bücher zu verlegen, weil sie leben und leben, vielleicht über dein Berufsleben hinaus, werden zu Klassikern und bringen auch nach vielen Jahren Kinder noch zum Strahlen“

 

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Reiner Morbitzer

Reiner Morbitzer
(Gesamtleitung Marketing und Vertrieb)
Verlagsgruppe Patmos

„Wir haben natürlich einige Schätzchen, die sich heimlich und still in größeren Mengen über den Buchhandel absetzen und meist über die Barsortimente gezogen werden, aber auch Titel, die von den Privatkunden gerne über Amazon bestellt werden. Beide Backlist-Hitlisten sind nicht deckungsgleich. Dies liegt zum einen am Kaufverhalten der Kunden, zum anderen jedoch auch am Bestandslager im Buchhandel. Der Handel lebt nicht nur von Belletristik und Kinderbuch allein! Die Backlist-Highlights der Verlage könnten eigentlich sichere Einkäufe für den Buchhandel sein – mit weniger Risiko als bei unbekannten Novitäten.“

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Jonas Blaumann

Jonas Blaumann
(Programmleiter)
Egmont Manga

„Der größere Umsatzanteil wird mit unseren Novitäten gemacht. Aufgrund vieler Serien mit einer hohen Bandanzahl ist die Backlist im Manga-Bereich aber außerordentlich wichtig.

Unser Eindruck ist, dass Buchhandlungen, die Manga-Serien vollständig im Sortiment führen, auch ihren Umsatz mit Backlist-Titeln deutlich steigern können. Ein Beispiel sind hier die Detektiv Conan-Spezialbände von Egmont Manga.“

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Dietrich zu Klampen (© Gert Deppe, zu Klampen Verlag)

Dietrich zu Klampen
(Verleger)
zu Klampen 

„Dass sich die Lebenszeit der Bücher stetig verkürzt, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Und doch feiern manche Titel allein durch weltgeschichtliche Ereignisse fröhliche Wiederauferstehung: „Strategie“ von Edward Luttwak bekam einen unglaublichen Auftrieb durch den Einmarsch der USA in Kuwait; die „Prinzipien der Kriegspropaganda“ von Anne Morelli wurde noch einmal gut verkauft nach der Besetzung der Krim durch Russland. Also versuchen wir mit unserem Verlag die Weltgeschichte so zu steuern, dass unsere Backlisttitel besser verkauft werden! Im Ernst: Mehr als anlassbezogen gute Backlisttitel bekannt zu machen, fällt uns auch nicht ein. Das ist aber oft schwierig: Was sollen wir bloß bei Matthias Roths „Der Hauptstadtflughafen“ machen, wenn der BER tatsächlich einfach nicht fertig wird. Wir können doch nicht jeden Tag aufs Neue rufen: „Lest das Buch. Er ist noch immer nicht fertig!“

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Christian Tesch

Christian Tesch
(Verlagsleitung Buch
Marketing und Vertrieb)
Callwey 

„Für den Callwey Verlag ist die Backlist ein wesentlicher Anteil unseres Erfolges. Wir freuen uns sehr über funktionierende Backlist-Titel. Die Backlist-Umsätze machen uns bei Callwey viel Spaß.“

 

Joachim Bischofs
Joachim Bischofs

Joachim Bischofs
(Marketing- und Vertriebsleiter)
Campus 

„Der Campus Verlag erzielt seit etlichen Jahren rund 50 Prozent der Umsätze mit seinen starken Backlisttiteln.

Buchhändler, die die Top 10 – Top 15 unserer Business-Titel in ihren Sortimenten pflegen, partizipieren in hohem Maße von dieser Stärke und sichern sich Umsätze, die dank hoher Ladenpreise mit deutlich über dem Durchschnitt liegenden Deckungsbeiträgen ausgestattet sind.
Pflegen heißt in diesem Fall, gutgehende Titel FRONTAL im Stapel und eben nicht nur per Rückenpräsentation im Regal zu zeigen. Leider konzentrieren sich noch immer viele stationäre Händler ausschließlich auf die Novitäten – ihnen entgehen dadurch signifikante Umsätze, die dann vor allem von den Online-Händlern gemacht werden.
Der hohe Anteil von Online-Verkäufen, den wir in diesem Bereich verzeichnen, zeigt uns, dass es großes Interesse an diesen Titeln gibt, und es wäre doch für alle von Vorteil, wenn auch die stationären Buchhändler stärker von unserer erfolgreichen Backlist profitieren würden.“

Hier die Februar-Backlist-Titel:

Backlist PDF

Den kompletten Beitrag finden Sie auch im aktuellen Heft ab Seite 124.

 

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