Der Messe-Mayer Der Messe-Mayer Frankfurt 2019: Tag 5 von 6

 

 

Samstag: Sehr volle Messe, aber abends Whisky

 

Liebe Freunde,

 

das war eine sehr volle Messe, aber abends gab es wenigstens Whisky. Ich weiß nicht, ob das aus der kryptischen Überschrift deutlich wurde.

Willkommen zum Samstag, dem Höhepunkt aller Messetage. Am Höhepunkt aller Messetage erlebe ich paradoxerweise weniger als sonst, weil man kaum vorwärtskommt. Die Gänge waren heute dermaßen menschverstopft, dass man Samstags gut daran tut, einfach irgendwo sitzenzubleiben, bevor man angesprochen wird.

 

Und damit hätte ich schon im Zug anfangen sollen!

 

Hier gleisbegenete ich dem Verlag Literatur der Zukunft, wie sie mir gerade beim Kaffeeholen begegnen.

Jedenfalls wünsche ich Ihnen viel Spaß beim vorletzten Messetag.

Ab heute trage ich auch endlich meine Öhrchen.

 

Arbeitskleidung zur Verringerung des Sicherheitsabstandes

 

Nun, für heute erwartet Sie neben meinem Menschenreigen eine Lobrede auf meinen Lieblingsverlag Droemer Knaur, ein verpasstes Interview mit einem Überraschungsstargast und mein geheimes Whiskytasting, das auf jeder Messe stattfindet.

 

Erst heute Abend, Herr Busse. Aber danke für die Packstückverfolgung.

 

 

Nur noch einen Tag.

Nur noch einen Tag.

Nur noch – oh Pardon, Sie sind ja noch da.

 

 

Droemer Knaur sind die besten.

 

Droemer Knaur ist der beste Verlag, den man auf dieser Messe in der ganzen Halle 4 im gesamten ersten Stock im totalen Gang F auf dem kompletten Platz Nummer 98 finden kann.

Ich finde dort immer Heimstatt und Frieden, man erfüllt dort jeden meiner Wünsche, die allergrößten Spiegelbestsellerlistenstars trinken auf Augenhöhe mit mir Kaffee, mir steht jedes Getränk frei, noch dazu haben die die allerbesten Kaffees auf der Messe – worauf ich in der Vergangenheit schon mehrfach hingewiesen habe! Kurz: Wenn es einen Verlag gibt, der mir in jeder denkbaren und dankbaren Weise jemals behilflich war, dann war das Droemer Knaur. Ob ich Pause brauchte oder Stärkung, Ruhe oder Kraft, Glamour oder einfach nur eine Umarmung – Droemer Knaur ist das Haus.

Obwohl ich dieser Tage zum Beispiel eine flapsige Bemerkung über Droemer-Cover fallen ließ, hat sich heute der früherer Geschäftsführer Dr. Übleis persönlich in eine Fitzekmenge gestürzt, um meiner Mutter eine Widmung auf einem Buch zu holen, das wir vorher am Stand gestohlen haben. Dr. Übleis selber. Für meine Mama. Was will ich denn noch?

Bitte verstehen Sie mich nicht miss, liebe andere mitlesende Verlage: Ihr seid immer alle sehr gut zum Messe-Mayer. Aber Herr Dr. Hans-Peter Übleis persönlich hat heute einen Finger und 40 % seines linken Augenlichtes verloren, nur um meiner Mutter ein Autogramm von Sebastian Fitzek zu holen.

Ich schwöre Ihnen: Wenn ich jetzt mein Handy nehme und bei Droemer Knaur eine Pizza bestelle, dann ist die in 20 Minuten da!

 

Trotzdem hat Nina George bessere Cover verdient.

 

Apropos Fitzek: Ich habe heute versucht, das Ende der Fitzek-Signierschlange zu finden, und das war gruselig. Am Ende der Schlange stand nämlich dieses Schild:

 

…und dann ging die Schlange an einer anderen Stelle weiter.

 

Und an jedem dieser Enden stand eine Verlagsperson, die den Anschluss im Auge behielt. Verstehen Sie: Die Warteschlange für Sebastian Fitzek ist so groß, dass sie eine eigene Infrastruktur hat.

Die Warteschlange für Sebastian Fitzek beschäftigt mehr Personal als der KBV-Verlag.

Der Bund erwägt, eine eigene Postleitzahl für die Warteschlange von Sebastian Fitzek einzurichten. Weil Kinder in dieser Warteschlange gezeugt und geboren werden, bilden sich schon bald Grundschulen heraus, dann eine eigene Sprache, dann ein autarkes Ökosystem. Anthropologen aus aller Welt reisen an, um das Phänomen zu studieren, und stellen sich selber in der Schlange an. Manche von ihnen kehren nie wieder heim.

Inzwischen lässt Droemer Knaur Süßigkeiten verteilen, was zu einer Währungsreform innerhalb der Warteschlange führt. Aus Twix und €uro wird der Tweuro. Ein Tweuro sind 100 Fitzen.

2024 wird die Fitzeksignierschlange Gastland der Frankfurter Buchmesse sein.

 

Aber ich schweife ab.

 

Wussten Sie übrigens, dass das Verteilen von Süßigkeiten in Fitzekschlangen etwas ist, das Christian von Zittwitz vor drei Messen erfunden hat? Denn zufällig war ich dabei.

(Lesen Sie hier.)

Auch Markus Heitz muss ich danken, dass er mir jenseits seiner Autogrammarbeitszeit dennoch zur Verfügung stand.

 

Hach, Droemer Knaur ist halt einfach Droemer Knaur.

 

 

Zu wem ich sonst noch vordringen konnte

Entgegen meines eigenen Ratschlages, sich nicht vom Stand wegzubewegen, musste ich mich selber in die schier unglaublichen Massen zwängen, um heute doch noch eine andere Farbe als Orange zu sehen.

Halle 3.0 schien mir am schlimmsten zu sein, und das hörte ich von vielen Seiten heute.

Dennoch nehme ich den Weg jederzeit auf mich für z.B. die Neue Frankfurter Schule:

 

Thomas Gsella las bei Zweitausendeins

 

 

Und wer seinen Stand am Rand hat, so wie Heel, den besuche ich doppelt gerne.

Randexistenz Astrid Hellmold

 

 

Karl-May-Verleger Bernard Schmid hatte Dunja Raijter zu Gast!

Dabei wollte ich doch heute kein Orange mehr sehen!

 

Bei Lappan signierte Wolf-Rüdiger Marunde.

 

Ist er das wirklich…?

 

 

Ah, jetzt erkenne ich ihn.

 

 

Hier habe ich ein echtes, autorisiertes und zertifiziertes Foto von Penguin-CEO Markus Dohle, wie er gerade keinen Kaffee in der Hand hat:

Ich war ganz verunsichert, ob es nicht doch nur ein Cousin ist.

 

Und ich treffe Bodo Horn-Rumold, meinen früheren Verleger! Der hat im Laufe seiner ganzen Messe- und Medienjahre so viel Kontakte angesammelt, dass er dem Thema Filmrechte eine eigene Schublade in einem Schreibtisch in seinem eigenen Büro widmet.

 

Ein Journalist mit entstellten Ohren? Das schreit doch nach Verfilmung!

 

 

Bei Bastei Lübbe hatte ich endlich Gelegenheit, Rebecca Gablé mal wieder zu treffen. Für ein Interview hat es nicht gereicht, weil die Fans warteten, aber so kam sie wenigstens um ein Autogramm nicht herum.

Als wenn ich keiner wäre!

 

 

Aber ich sehe es ein.

 

Als wir uns auf der berühmten Frankfurter Stauffenbergschule in der Buchhandelsklasse kennenlernten, hatten wir beide noch keine Lesebrillen:

 

Daniela Kiauk-Ebeling (Hugendubel, Eichborn, Usborne, oder?)

 

Frau Kiauk-Ebeling taucht extra an dieser Stelle im Messe-Mayer auf, weil sie gleich mein Denis-Scheck-Interview retten wird. Aber das wissen wir beide zu dieser Sekunde noch nicht.

 

 

Mein Interview mit Denis Scheck

…fand leider nicht statt. Dummer, typischer Buchmesse-Fehler: Er wartete an meinem Stand; ich wartete an seinem Stand. Fast wie Warten auf Godot, nur ohne Godot!

Zum Glück konnten wir das aber wenigstens klären, weil die grandiose Daniela Kiauk-Ebeling Herrn Scheck zufällig warten sah und mich zufällig warten wusste und also eine Kommunikation herstellen konnte zwischen Wladimayer und Scheckstragon.

So bekamen wir zwar nicht mehr mein Wunschgespräch hin, aber wir haben aus zwölf Sekunden Eile, bitterem Flehen und zwei Mails alles herausgeholt, was möglich war.

Aber hey – ich hatte ein Interview mit Denis Scheck!

 

Schecks Kanon

Die einen sagen, Denis Scheck ist ein brillanter, sarkastischer, hochintelligenter Mann, der frischen Wind in die Literatur- und Bestsellerkritik bringt; die anderen mögen ihn nicht, weil Bücherschmeißen pfui ist. Ich versuche immer noch zu verstehen, was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Bei Piper brachte er nun einen Kanon heraus – Schecks Kanon – die hundert wichtigsten Werke der Weltliteratur. Ich komme immerhin auf 20, die ich davon schon gelesen habe. Das ergibt für mich einen Scheck-Quotienten von 2,0 Scheck auf einer Skala von 1 bis 10!

 

 

Ich musste mich für die fünf essenziellsten, intimsten, wichtigsten Fragen entscheiden, die ich hatte.

BuchMarkt: Muss man ein schlechtes Buch zu Ende lesen, um zu wissen, wie schlecht es ist?
Denis Scheck: Iwo! Oft reicht mir schon der Anblick des Autorennamens – Coelho, Fitzek, Fröhlich etc. -, um zu entscheiden: das lese ich nie im Leben. Außer eben ich muß mich in der Öffentlichkeit zu dem in Frage stehenden Buch äußern, zum Beispiel weil in diesem Monat es auf den Top Ten der Bestsellerliste steht. Dann hilft alles nichts, als in den sauren Apfel beißen, und ich muß es von der ersten bis zur letzten Seite lesen. Daher rührt gewiß eine gewisse Galligkeit meiner Kritiken: Querlesen is nich!
Warum haben Sie aus allen Shakespeare-Übersetzungen die von Frank Günther für Ihren Kanon ausgewählt?
Weil sie die beste, farbenreichste, intelligenste ist. Und weil Frank Günther obendrein ein wundervoller Mensch und fast so etwas wie Shakespeare redivuvus ist.
Gibt es wichtige Bücher, die Sie noch nicht gelesen haben? Hat Denis Scheck Leseschulden?
Gigantische! Man könnte fast von einem krassen Fall von Überschuldung sprechen. Eigentlich wäre ich längst ein Kandidat für die literarische Insolvenz. Aber natürlich verrate ich Ihnen die nicht.
Welche ist Ihre liebste Nebenfigur aus dem Personal der Asterixhefte?
Meine Lieblingsfigur aus Asterix war immer Tullius Destructivus aus Streit um Asterix. Tullius Destructivus ist ein häßliches kleines Männlein mit einem unfaßbar großen Talent, nämlich der Begabung, noch in der harmonischsten Gruppe dank seines Intrigantentums Streit ausbrechen zu lassen. Albert Uderzo hat sich dafür die schöne zeichnerische Idee einfallen lassen, daß sich die Sprechblasen um so grüner färben, je stärker den Beteiligten der Zorneskamm schwillt.
Haben Sie jemals MAD-Hefte gelesen? Und wenn ja, wie hat es Ihnen gefallen?
Nicht nur gelesen: aufgesogen.
Ein MAD-Heftchen-Aufsauger? Ich kriege Sie noch, Scheck, ich kriege Sie schon noch.

 

Vielen Dank für die Mitarbeit am späten Abend!

 

Geheimes Whiskytasting

Und so bleibt mir nur noch, diesen Tag zu beschließen mit einem schönen Feierabendwhisky. Der Titel der Veranstaltung ist, wie alles aus meiner Richtung, pure Luft, denn weder ist es geheim noch ein echtes Tasting, aber es klingt doch besser als „geschlossener Whiskyvergleich“.

Zum Messesamstag setze ich mich also mit lieben Messefreunden hin, die dann ihrerseits liebe Messefreunde mitbringen, und lasse eine Whiskyflasche kreisen.

Und weil manche es nicht lassen können, eigene Flaschen mitzubringen, wird dann halt ein „Och, ich nehme dann doch noch mal ein Gläschen hiervon“ daraus, manchmal sogar ein „Und was war das jetzt nochmal für einer?“

Dann wird ein Platz verabredet, und der eine treibt Speisen auf, und der andere Stühle, eine dritte hat die Gläser oder weiß, wen sie anrufen muss. Und ähnlich wie bei Robin Hood nenne ich lieber keine Namen.

(Wie bitte? Bei Robin Hood wurden andauernd Namen genannt.)

 

Da kommt zum Beispiel jemand mit den Gläsern.

 

Seit wieviel Jahren mache ich das schon? Und erst heute entdecke ich die Möglichkeiten des Satzes „Herr Seuring schickt mich“?

 

Ob der jemals zu meiner Whiskyrunde kommt?

 

Die angebotenen Brände waren:

– ein 12jähriger Yamazaki (sehr brandy-esk)

– ein Säntis Malt aus der Schweiz (rauchige Bierfassreifung: Der war richtig lecker.)

– irgendwas von Glenfiddich (völlig trinkbar)

 

Und im Flachmann im Vordergrund: Ein Tullibardine aus dem Madeirafass

 

 

Schräge Öhrchen, Kennerblick: Gleich beißt er.

 

 

Meine Mutter und meine Messe-Maren, äh, ich meine Frau Dings.

 

 

Wo sind wir hier eigentlich?

 

 

Wir befanden uns diesmal auf der Aktionsbühne #Menschundnatur.

 

 

Und die steht mitten auf der Messe.

 

Danke an alle meine lieben Gäste und an alle, die mithalfen, damit das auch 2019 wieder geklappt hat.

 

Zum Geleit

Das war mein Samstag. Er hat mich etwas verunsichert hinsichtlich meines Sonntages, weil es so wahnsinnig voll war. Aber morgen habe ich zum Beispiel meine Stunde Standdienst und meinen kleinen Stapel CosPlay-Fotos anzubieten, so dass wir auch den Sonntag noch hinbekommen werden, selbst wenn mich die Messe verschlucken sollte wie eine graue Masse von Nanoteilchen

 

Aufbruchstimmung

 

Einen schönen letzten Messetag; möge er gut organisiert, leichten Fußes und ohne Gedrängel sein!

 

Ihr und Euer

Matthias Mayer

 

herrmayer@hotmail.com

 

Norwegens beste Edvards, Teil 5 von 6:

 

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