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Ellen Pomikalko
Ellen Pomikalko

A.F.Th. van der Heijden, Das Biest, Suhrkamp

01 van der HeijdenWie ein Kind seine Familie empfindet, schildert der Ich-Erzähler Albert in einer intelligenten Mischung aus distanziertem Bericht und direkter Inszenierung. Wir sind dabei, wenn seine Tante Tiny ihm in ihrem Bett gegen Osterei-Schokolade Geschichten erzählt, bei Feiern wieder mal ihr gelbes Staubtuch entfaltet, um die jeweilige Sauberkeit zu testen, oder an deren 40. Hochzeitstag lautstark über ihre Eltern herzieht. Nach und nach wird dem Jungen enthüllt, dass sie früh eine Abtreibung hatte und deshalb lange zu Hause festgehalten wurde. Die bekannte Prüderie frommer niederländischer Dörfler kommt in diesem Roman ebenso stückchenweise ans Licht wie die Stärke der Familienbindung trotz Nestflucht einiger ihrer Mitglieder. Das Thema Pubertät und Sex ist ganz schön drastisch dargestellt, wirkt aber wegen seiner Einbettung in die Kosmologie der ganzen Sippe nicht effektheischend. Vielleicht ist es eine wirkliche Autobiografie, und wenn erfunden, trifft sie den Kern gesellschaftlicher Realität, die nicht gerade menschenfreundlich ist. Unglaubliche Dinge sind passiert, die man untern Tisch zu kehren versuchte. Ulli Faures Vergleich mit Balzac stimmt schon, die literarischen Mittel sind jedoch von moderner Güte, und alles ist für jeden verständlich. (303 S., 24 Euro)

Martin Suter, Elefant, Diogenes

02 SuterLange weiß man nicht, worum es geht. Raffiniert verschränkt der gewiefte Erzähler die Handlungsebenen, um dann doch eine große Spannung zu erzielen. Es geht um Erfolge der Genforschung – um eine ihrer Möglichkeiten, die man eigentlich nicht nutzen sollte. Die Frage nach der Moral wird hier gestellt, und auf welcher Seite der Leser steht, ist eigentlich klar. Wir wollen keinen Missbrauch zu kommerziellen Zwecken, die nur einzelnen dienen, ohne das Wohl der betroffenen Geschöpfe im Auge zu behalten. Das alles wie einen Krimi mit komischen Akzenten inszeniert zu haben, um uns den Aberwitz menschlichen Erfindungsgeistes vorzuführen, ist schon ein Verdienst dieses Autors, der gegenwärtige Probleme in süffige Geschichten gießt. In dieser Parabel steckt auch ein Stück Erkenntnisgewinn, man bereichert sich auf unterhaltsame Weise. (348 S., 24 Euro)

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