Können 100 Verlage 1 Mio. Euro aufbringen? Herbert Ullmann schlägt Kampagne zur Stützung des lokalen Buchhandels vor

„Bestellt im Buchladen! Was wird jetzt aus den Verlagen?“  fragt FAS-Redakteurin  Dr.  Julia Encke morgen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – heute aber meldet sich Herbert Ullmann, der Gründer der Ullmann Medien Gruppe, und fragt: „Was wird aus dem Buchhandel?“ .  Als Soforthilfe („Die Uhr tickt“) schlägt der nicht unumstrittene aber erfahrene Verleger  – und als langjähriger ALDI-Lieferant zudem hoch erfolgreich – eine Branchenkampagne vor, an deren Finanzierung er sich mit einer Einlage von 10.000 € beteiligen will:

Die Corona-Krise ist ein Stresstest für uns Buch-Menschen: Verleger, Medienleute, Journalisten

Im Grunde habe ich es  zumindest derzeit gut. Jetzt,  sozusagen als langjähriger Aldi Produzent und Lieferant. Aber als Unternehmer hat man auch allgemeine, soziale Verpflichtungen, nicht nur für die unmittelbaren Mitarbeiter und Kunden. Und da Unternehmertum und handeln immer auch eine Wette auf die Zukunft ist – und es geht ja jetzt offensichtlich um die Zukunft des Buches – schreibe ich an diese, von mir ausgewählte Runde, denn ich finde, die Fachzeitschriften könnten eventuell meine Idee jetzt zügig an die Verlage weiter tragen.

Welche?
Jeder Mitglieds-Verlag des Börsenvereins sollte , wenn ihm der Buchhandel denn so wichtig ist, 10.000€ für eine breit angelegte Werbekampagne j e t z t bezahlen. Nach meiner Hochrechnung kämen da mindestens 1 Mio € schon mit den 100 großen Verlagen zusammen. Und wenn man noch weitere 100 gewinnen könnte: umso mehr, umso besser.
Im ersten Schritt sähe ich eine Anzeigenkampagne in den führenden, überregionalen Zeitungen: finanziert mit den zuvor genannten Beträgen!
Und des Weiteren sollten, in jedem Ort – wo es eine Buchhandlung gibt, gleich lautende regionale Anzeigen im Verbreitungsgebiet der Tageszeitung, durch maßgebliche finanzielle Unterstützung des Börsenvereins – geschaltet werden.
Wann?
Unverzüglich, denn die Uhr tickt und der Virus wird Deutschland noch sehr lange lahm legen.
Ich bin kein Werbeprofi. Aber die Botschaft ist doch im Kern an die Konsumenten und Leser folgende:
„Ihr Buchhändler des Vertrauens informiert:
Bestell bitte dein neues Buch, oder auch zwei Bücher bitte telefonisch, oder online bei uns Buchhändlern. DANKE!
Trotz der besonderen Umstände sind/ist wir ( bzw. eder stationäre Buchhändler) für dich von Montag bis Sonntag zwischen 10:00 und 22:00 erreichbar. Telefon…. Wir bringen dir deine Bücher kostenlos nach Hause.“
Hinweis: falls der Börsenverein die Mail Adressen seiner Mitglieder-Buchhändler hat, so sollte man die Mail- Bestelladresse in der ganzseitigen, überregionalen Anzeige, alphabetisch nach Orten, aufführen.
Regional kann das der Sortimentsbuchhändler in der Anzeige selbst machen.
Liebe Kollegen!
Niemand weiss, wie lange der Ausnahmezustand noch geht. Bis Herbst, kürzer? Aber er wird dauern, mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen.
Ich plädiere für eine unverzügliche, breite solidarische Unterstützung.
Mit 10.000€ ist auch Ullmann Medien dabei, und wir zählen nicht mehr zu den größten 100 Verlagen. Aber meine Wette lautet: wenn man nichts unternimmt, ist der Virus nicht nur langfristig ein Konjunktur-Programm für Amazon, sondern leider ein großer Sargnagel für den Sortimentsbuchhandel. Ein Brandbeschleuniger ist er schon längst. Und UMG verkauft auch im Buchhandel. Vista Point ebenso. Und  unsere 1000 Places Titel sind es mir für Vista Point wert.
Meine Botschaft an die Verleger Kollegen: Risiko ist für Unternehmer eine Conditio sine  qua non. Ohne Risiko verwaltet man nur den Untergang.
Ich bin natürlich nicht für den diplomatischen Dienst geeignet und kein unbeschriebenes Blatt, aber bekannt gerade aus zu gehen und in meinem Berufsleben gut damit gefahren sachbezogen zu argumentieren. Drumherum reden liegt mir halt nicht.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Bleiben Sie gesund.
Gruß
Herbert Ullmann

Kommentare (1)
  1. Wirklich? Wir liefern kostenlos nach Hause? Wir machen schon alle Überstunden, um das Versandaufkommen zu bewältigen, und dann sollen wir uns wieder kleinmachen und die Versandkosten selbst tragen? Das halte ich für einen Fehler. Unsere Kunden verstehen unsere Lage und sind bereit, uns zu unterstützen, auch mit Versandkosten bis zu einem Bestellwert von 60 Euro, und ich finde das nicht verwerflich.

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