„Think Tank neuer, humanistischer, gesamteuropäischer Perspektiven“ Walter-Hasenclever-Literaturpreis für Robert Menasse

Den mit 20.000 Euro dotierten Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen erhält in diesem Jahr der Wiener Schriftsteller und Essayist Robert Menasse. Das gab Barbara Schommers-Kretschmer, Vorsitzende der Walter-Hasenclever-Gesellschaft, heute auf einer Pressekonferenz bekannt. Die Jury würdigt hiermit das Gesamtwerk des 1954 geborenen Autors und seine konkrete Vision einer „konsequent Währung, Wirtschaft und Politik einschließenden Europäischen Union.“

„Robert Menasse hat eine geniale Art, Texte zu verfassen, die fast gemalt wirken und enorme Komik beinhalten, dabei aber auch wichtige Themen aus Politik und Philosophie behandeln“, stellte Schommers-Kretschmer das literarische und essayistische Werk des Autors heraus. Menasse setze sich in seinen Essays verstärkt für eine gesamteuropäische Idee ein und stelle sich entschieden gegen nationale Interessen. Gerade in der heutigen Zeit, mit dem Aufschwung von nationalistischen Bewegungen in ganz Europa, sei eine entschiedene Stimme wie die des Österreichers besonders wertvoll. In seinem „Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik“ schreibe Menasse die Kraft zur Veränderung der europäischen Krise nicht den sogenannten Pragmatikern zu, sondern den „Träumern“, den utopischen Denkern, den Philosophen und Dichtern.

Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft lobt in ihrer Erklärung ausdrücklich Menasses Fähigkeit, die sonst getrennt wahrgenommenen Bereiche Literatur/Kunst, Politik und Philosophie zu einer neuen Produktivität zu verbinden, als „Think Tank neuer, humanistischer, gesamteuropäischer Perspektiven.“ Mit seiner starken Position zu Europa und der Frage „Wie stehen wir – aus der Geschichte heraus – zu Europa?“ treffe er genau das Anliegen des Namensgebers des Preises, Walter Hasenclever, so die Begründung der Jury.

Robert Menasses 2017 erschienenes Werk „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp), für das er den Deutschen Buchpreis 2017 erhielt, gelte als erster großer Roman über die Europäische Union und biete detaillierte Einblicke in die Arbeit im Brüsseler Regierungsbezirk. Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft erkennt im Roman eine „durchaus kritische Bestandsaufnahme eines vielstimmigen Europas, die gerade nicht auf pessimistische Unveränderbarkeit zielt, sondern darauf, Utopien in der Phantasie der Leser zu fördern.“

Der Festakt zur Verleihung wird am Sonntag, 18. November 2018, im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen stattfinden.

 

 

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