„Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: Stimmung in der Buchbranche so schlecht wie lange nicht Tom Kraushaar im Interview: „Krise des Lesens“ wird herbeigeredet

Zwei Wochen vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer morgigen Ausgabe, ist die Stimmung in der Buchbranche so schlecht wie lange nicht. Wo immer man sich umhöre, sei von der „Krise des Lesens“ die Rede, die mit dem digitalen Wandel einhergehe. „Mehr als sechs Millionen Käuferschwund“ hatte die „Buchkäuferstudie – quo vadis“ im vergangenen Jahr diagnostiziert, die der Börsenverein des deutschen Buchhandels in Auftrag gegeben hatte.

Tom Kraushaar, verlegerischer Geschäftsführer des Klett-Cotta Verlags, setzt im Gespräch mit F.A.S.-Literaturchefin Julia Encke dieser „Erzählung des Niedergangs“ die eines „erfolgreichen Widerstands“ entgegen. Die Art und Weise, wie die Studie kommuniziert worden sei, so Kraushaar, sei vielsagend. Von vielen Zahlen sei nur eine – sechs Millionen Käufer weniger in den letzten vier Jahren – inflationär kommuniziert und nicht darüber gesprochen worden, dass im gleichen Zeitraum der Umsatz mit Büchern im Grunde stabil geblieben sei.

Die Vielfalt der Bücher deutscher und internationaler Autoren sei riesig, und es werde in den Publikumsverlagen nach wie vor auf herstellerische und textliche Qualität gesetzt. Kraushaar kritisiert, dass die Angststimmung sich auch bei wichtigen Personalentscheidungen bemerkbar mache: „Insgesamt wird in der Branche zu viel über Technologie und Handelsstrukturen geredet und zu wenig über die Menschen“, sagt der 44-Jährige:

„Jahr für Jahre strömen junge, sehr gut ausgebildete Menschen in die Buchbranche, weil sie mehr wollen als arbeiten, um dann ihr Geld zu bekommen. Wenn wir das vernachlässigen und schlecht miteinander umgehen, dann kann man sagen: Dann gehe ich halt in die Werbung oder werde Investmentbanker. Das wird dann auch zu einem ökonomischen Faktor. Wir sollten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, an einem Arbeitsprozess teilzuhaben, der mehr produziert als die Ware Buch. Wir müssen und wollen uns als aufklärerische und kulturelle Institution begreifen.“

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