Mainzer Minipressen-Messe: Treffen internationaler Kleinverleger

Gestern ist die 24. Mainzer Minipressen-Messe zu Ende gegangen. 210 Stände lockten zum dritten Mal in der Rheingoldhalle Besucher an. Außerdem fanden vom 29. Juni bis zum 2. Juli zahlreiche Veranstaltungen in der Halle und im Lesezelt davor sowie im Gutenberg-Museum statt. Im Rathaus gab es ein Seminarprogramm. Die Aussteller zur biennal organisierten Messe kamen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Kolumbien, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und Ungarn. Veranstalter ist die Stadt Main, sie wird dabei vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und vom Kultursommer Rheinland-Pfalz unterstützt.

Am Donnerstag Abend wurde der mit 3.500 Euro dotierte 20. V. O. Stomps-Preis an den Hamburger Verleger Svato Zapletal vergeben, den mit 1.500 Euro dotierten V. O. Stomps-Förderpreis erhielten die Betreiber des Berliner Kollektiv Tod Verlages Gisa Schraml und Frédéric Guille.

Svato Zapletal und Brigitte Strombeck

Svato Zapletal gründete gemeinsam mit zwei Kommilitonen 1976, noch während seines Studiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, den Svato Verlag. Zu dritt brachten sie vier Bücher heraus, danach trennten sich die Wege; Zapletal führte den Verlag alleine. „Befreundet sind wir aber heute noch“, bemerkte der Verleger. Viel gelesen habe er immer schon, mit dem Studium sei das Interesse an Typografie hinzugekommen. Auf der Mainzer Minipressen-Messe präsentierten Svato Zapletal und seine Frau Brigitte Strombeck das 71. Buch des Verlages: Die Mitternachtsmaus von Christian Morgenstern. Die Vorzugsausgabe ist in zwölf, die Normalausgabe in 32 Exemplaren erschienen.

„Von Anfang an wollte ich schöne, bibliophile Bilder-Bücher machen“, sagte Zapletal. Mit den Jahren habe er sich einen Stammkundenkreis geschaffen. „Vor 40 Jahren habe ich noch neben dem Verlag als Grafiker gearbeitet. Das verlegerische Risiko war immer da. Aber es hat sich gelohnt“, äußerte der Verleger und fügte hinzu: „Viele Kollegen stöhnen, aber ich habe keine Lust zum Stöhnen.“ Aufgeben sei für ihn nie eine Option gewesen.

Den Stand der Förderpreisträger suchte man vergebens: „Gisa Schraml und Frédéric Guille sind mit dem Nachtbus aus Paris angereist, nur zur Preisübergabe. Sie mussten schnell wieder zurück, weil sie dort selbst ein Projekt hatten“, erklärte Svato Zapletal.

Dem ersten Buch des Kollektiv Tod Verlages, Friedrichshainer Totentanz, erschienen 2007, folgten 30 weitere, zuletzt das Künstlerbuch You are, Holz- und Linoldrucke von Frédéric Guille.

Erstmals war Silke Müller, Buchhandlung Erlesenes & Büchergilde Mainz, auf der Minipressen-Messe – sie war die einzige dort vertretene Buchhandlung. „Ein interessiertes Publikum, der Austausch mit Kunden und Verlegern, Künstler persönlich zu treffen – das macht die Messe aus“, ist ihr Fazit. Dabei war der Besuch am Donnerstag und Freitag eher schwach, am Wochenende dagegen kamen viele, um sich Künstlerbücher anzuschauen, in Büchern von Kleinverlagen zu blättern, Neues zu entdecken, an Workshops teilzunehmen und beim Papierschöpfen zuzuschauen.

JF

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